nicht ohne Gefahr. Es gelang mir nämlich sehr bald, pudelisch zu denken, ich vertiefte mich aber in diese pudelische Gedanken so sehr, dass meine eigentliche Sprachfertigkeit zurückblieb und ich selbst nicht verstand, was ich dachte. Diese nicht verstandenen Gedanken brachte ich meistenteils zu Papier, und ich erstaune über die Tiefe dieser Sprache, die ich unter dem Titel "Akantusblätter" gesammelt, und die ich noch nicht verstehe.
Ich glaube, dass diese kurzen Andeutungen über die geschichte meiner Jugendmonate hinreichen dürften, dem Leser ein deutliches Bild davon zu geben, was ich bin, und wie ich es wurde.
Unmöglich kann ich mich aber von der Blütezeit meines merkwürdigen ereignisreichen Lebens trennen, ohne noch eines Vorfalls zu erwähnen, der gewissermassen meinen Übertritt in die Jahre der reifern Bildung bezeichnet. Die Katerjugend wird daraus lernen, dass keine Rose ohne Dornen ist, und dass dem mächtig emporstrebenden geist manches Hindernis gelegt, mancher Stein des Anstosses in den Weg geworfen wird, an dem er sich die Pfoten wundstossen muss. – Und der Schmerz solcher Wunden ist empfindlich, sehr empfindlich! –
Gewiss hast du mich, geliebter Leser, beinahe beneidet um meine glückliche Jugendzeit, um den günstigen Stern, der über mich wachte! – In Dürftigkeit von vornehmen, aber armen Eltern geboren, dem schmachvollen tod nahe, komme ich plötzlich in den Schoss des Überflusses, in den Peruschacht der Literatur! – Nichts verstört meine Bildung, nichts widerstrebt meinen Neigungen, mit Riesenschritten gehe ich der Vollkommenheit entgegen, die mich hoch erhebt über meine Zeit. Da hält mich plötzlich ein Zollverwalter an und fordert den Tribut, dem alles hienieden unterworfen!
Wer hätte denken sollen, dass unter den Blumen der süssesten, innigsten Freundschaft die Dornen verborgen, die mich ritzen, verwunden, blutig verwunden mussten!
Jeder, der ein gefühlvolles Herz im Busen trägt, wie ich, wird aus dem, was ich über mein Verhältnis mit dem Pudel Ponto gesagt, sehr leicht entnehmen können, was der Teure mir war, und doch musste er es sein, der den ersten Anlass gab zu der Katastrophe, die mich gänzlich verderben konnte, hätte der Geist meines grossen Ahnherrn nicht über mich gewacht. – Ja, mein Leser, ich hatte einen Ahnherrn, einen Ahnherrn, ohne den ich gewissermassen gar nicht existieren würde – einen grossen vortrefflichen Ahnherrn, einen Mann von stand, Ansehen, Vermögen, ausgebreiteter Wissenschaft, mit einer ganz vortrefflichen Sorte Tugend, mit der feinsten Menschenliebe begabt, einen Mann von Eleganz und Geschmack, nach dem neuesten Geschmack – einen Mann, der – doch dies alles jetzt nur beiläufig gesagt, künftig mehr von dem Würdigen, der niemand anders war als der weltberühmte Premierminister Hinz von Hinzenfeldt, der der Welt so teuer, so über alles wert worden unter dem Namen des gestiefelten Katers. –
Wie gesagt, künftig mehr von dem edelsten der Kater! –
konnte' es anders sein; musst' ich, als ich mich im Pudelischen leicht und zierlich auszudrücken vermochte, mit meinem Freunde Ponto nicht davon reden, was mir das Höchste im Leben war, nämlich von mir selbst und von meinen Werken? So kam es, dass er mit meinen besonderen Geistesgaben, mit meiner Genialität, mit meinem Talent bekannt wurde, und hier entdeckte ich zu meinem nicht geringen Leid, dass ein unüberwindlicher Leichtsinn, ja ein gewisser Übermut es dem jungen Ponto unmöglich machte, in den Künsten und Wissenschaften etwas zu tun. Statt in Erstaunen zu geraten über meine Kenntnis, versicherte er, dass es gar nicht zu begreifen, wie ich darauf fallen können, mich mit derlei Dingen abzugeben, und dass er seinerseits, was Künste betreffe, sich lediglich darauf beschränke, über den Stock zu springen und seines Herrn Mütze aus dem wasser zu apportieren, die Wissenschaften anlangend, er aber der Meinung sei, dass Leute wie ich und er sich nur den Magen dabei verdürben und allen Appetit gänzlich verlören.
Bei einem solchen Gespräch, in dem ich mich mühte, meinen jungen leichtsinnigen Freund eines Bessern zu belehren, geschah das Entsetzliche. Denn ehe ich mir's versah, sprang –
(Mak. Bl.) – "Und immer werden Sie", erwiderte die Benzon, "mit dieser phantastischen Überspannteit, mit dieser herzzerschneidenden Ironie nichts anstiften als Unruhe – Verwirrung völlige Dissonanz aller konventionellen Verhältnisse, wie sie nun einmal bestehen."
"O wundervoller Kapellmeister," rief Johannes Kreisler lachend, "der solcher Dissonanzen mächtig!"
"Sei'n Sie ernst," fuhr die Rätin fort, "sei'n Sie ernst, Sie entkommen mir nicht durch bittern Scherz! Ich halte Sie fest, lieber Johannes! – Ja, so will ich Sie nennen, mit dem sanften Namen Johannes, damit ich wenigstens hoffen darf, dass hinter der Satyrmaske am Ende ein sanftes weiches Gemüt verborgen. Und dann! – nimmermehr werde ich mich davon überzeugen, dass der bizarre Name Kreisler nicht eingeschwärzt, nicht einem ganz andern Familiennamen untergeschoben sein sollte!" –
"Rätin," sprach Kreisler, indem sein ganzes Gesicht in einem seltsamen Muskelspiel an tausend Falten und Furchen vibrierte, "teuerste Rätin, was haben Sie gegen meinen ehrlichen Namen? – Vielleicht führte ich sonst einen andern, aber das ist lange her, und mir geht es so wie dem Ratgeber in Tiecks 'Blaubart', der da sagt: 'Ich hatte sonst einmal einen ganz vortrefflichen Namen, durch die Länge der Zeit hab' ich ihn fast