Welt aus Sieghartsweiler stiegen aus. Dortin war die Nachricht gekommen, dass in Sieghartshof eine wider das Leben des Fürsten gerichtete Revolution ausgebrochen, und nun kamen die Getreuen nebst andern Verehrern des Hofes, sich um die person des Fürsten zu stellen, und brachten die Verteidiger des Vaterlandes mit, die sie sich vom Gouverneur mit vieler Mühe erbeten.
Vor lauter Beteurungen der Versammelten, dass sie Leib und Leben für den gnädigsten Herrn zu opfern bereit wären, kam der Fürst gar nicht zu Worte. Eben wollt' er endlich beginnen, als der Offizier, der das Kommando führte, hineintrat und den Fürsten nach dem Operationsplan fragte.
Es liegt in der menschlichen natur, dass, wenn die Gefahr, die uns Furcht einjagte, sich vor unsern Augen auflöst in einen eitlen nichtigen Popanz, uns dies immer mit grossem Unmut erfüllt. Der Gedanke, der wirklichen Gefahr glücklich entgangen zu sein, nicht, dass gar keine vorhanden, erregt uns Freude.
So geschah es denn auch, dass der Fürst seinen Unmut, seinen Verdruss über den unnötigen Tumult kaum unterdrücken konnte.
Dass der ganze Lärm über ein Stelldichein eines Kammerdieners mit einer Zofe, über die romanhafte Eifersüchtelei eines verliebten Prinzen entstanden, sollte, konnte er das sagen? Er sann hin und her; die ahnungsvolle Stille im Saal, nur unterbrochen von dem mutigen, Sieg versprechenden Wiehern der Husarenpferde, die draussen hielten, drückte ihn bleiern nieder.
Endlich räusperte er sich und begann sehr patetisch: "Meine Herren! Die wunderbare Fügung des himmels – Was wollen Sie, mon ami?"
Mit dieser an den Hofmarschall gerichteten Frage unterbrach der Fürst sich selbst. Wirklich hatte der Hofmarschall sich mehrmals gebückt und durch Blikke zu verstehen gegeben, dass er was Wichtiges zu hinterbringen. Es kam heraus, dass soeben sich Prinz Hektor melden lassen.
Des Fürsten Gesicht heiterte sich auf, er sah, dass er über die vermeintliche Gefahr, in der sein Tron geschwebt, sehr kurz sein und die ehrwürdige Versammlung wie mit einem Zauberschlage in eine Bewillkommnungscour umsetzen könne. Er tat dies! –
Nicht lange dauerte es, so trat Prinz Hektor hinein, in Galauniform glänzend gekleidet, schön, kräftig, stolz wie der fernhintreffende Götterjüngling. Der Fürst machte ein paar Schritte vorwärts ihm entgegen, fuhr aber auch gleich zurück, als träfe ihn der Blitz. dicht hinter dem Prinzen Hektor her sprang Prinz Ignatius in den Saal. Der fürstliche Herr wurde leider mit jedem Tage dämischer und abgeschmackter. Die Husaren auf dem Schlosshofe mussten ihm ganz ausnehmend gefallen haben, denn er hatte einen Husaren vermocht, ihm Säbel, tasche und Tschako zu geben, und sich in diese Herrlichkeiten geputzt. – So kurbettierte er, als sässe er zu Pferde, in kurzen Sprüngen mit dem blanken Säbel in der Faust im Saal umher, indem er die eiserne Scheide tüchtig auf dem Boden nachklirren liess, und lachte und kicherte dabei ganz ungemein anmutig. "Partez – décampez! – Allez-vousen – tout de suite." So rief der Fürst mit glühenden Augen und donnernder stimme dem erschrockenen Ignaz entgegen, der sich ganz geschwind davonmachte.
Keiner von den Anwesenden hatte so wenig Takt,
den Prinzen Ignaz, die ganze Szene zu bemerken. –
Der Fürst, im vollsten Sonnenglanz der vorigen
Milde und Freundlichkeit, sprach nun mit dem Prinzen einige Worte, und dann gingen beide, der Fürst und der Prinz, im Kreise der Versammelten umher und redeten mit diesem, jenem ein paar Worte. Die Cour war beendigt, d.h. die geistreichen, tiefsinnigen Redensarten, deren man sich bei solcher gelegenheit zu bedienen pflegt, waren gehörig verspendet, und der Fürst begab sich mit dem Prinzen in die Gemächer der Fürstin, dann aber, da der Prinz darauf bestand, die geliebte Braut zu überraschen, in das Gemach der Prinzessin. Sie fanden Julia bei ihr. –
Mit der Hast des feurigsten Liebhabers flog der
Prinz hin zur Prinzessin, drückte ihre Hand hundertmal zärtlich an die Lippen, schwur, dass er nur in dem Gedanken an sie gelebt, dass ein unglückliches Missverständnis ihm die Qualen der Hölle bereitet, dass er die Trennung von der, die er anbete, nicht länger ertragen könne, dass nun ihm alle Seligkeit des himmels aufgegangen. –
Hedwiga empfing den Prinzen mit unbefangener Heiterkeit, die ihr sonst eben nicht eigen. Sie begegnete den zärtlichen Liebkosungen des Prinzen geradeso, wie es eine Braut wohl tun mag, ohne sich im voraus zuviel zu vergeben; ja, sie verschmähte es nicht, den Prinzen mit seinem Versteck ein wenig aufzuziehn und zu versichern, dass sie keine Verwandlung hübscher und anmutiger sich denken könne, als die eines Haubenstocks in einen Prinzenkopf. Denn für einen Haubenstock habe sie den Kopf gehalten, der sich in dem Giebelfenster des Pavillons blicken lassen. Dies gab Anlass zu allerlei artigen Neckereien des glücklichen Paars, die selbst den Fürsten zu ergötzen schienen. Nun glaubte er den grossen Irrtum der Benzon rücksichts des Kreisler erst recht einzusehen, da nach seiner Meinung Hedwigas Liebe zu dem schönsten der Männer sich deutlich genug aussprach. Geist und Körper der Prinzessin schienen in der seltenen hohen Blüte zu stehen, wie sie glücklichen Bräuten ganz besonders eigen. – Gerade entgegengesetzt verhielt es sich mit Julien. Sowie sie den Prinzen erblickte, bebte sie zusammen, von innerm Schauer erfasst. Blass wie der Tod, stand sie da mit tief zu Boden gesenkten Augen, keiner Bewegung mächtig, kaum fähig, sich aufrecht zu erhalten. –
Nach einer guten