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ich mich zurückziehen kann in die inneren Gemächer. Und dass man die Gefangenen auf das sorglichste durchsucht, ehe sie vor den Tron gebracht werden, damit keiner etwa in der Verzweiflungdoch, was steht Er, was sieht Er mich an, was lächelt Er, was soll das heissen, Lebrecht?"

"Ei," erwiderte der Leibjäger mit pfiffiger Miene, "ei, durchlauchtigster Herr, ich meine nur, dass es gar nicht vonnöten, den Förster mit seinen Leuten herzubeordern."

"Warum nicht," fragte der Fürst erzürnt, "warum nicht? – Ich glaube gar, Er untersteht sich, mir zu widersprechen? – Und in jeder Sekunde steigt die Gefahr! Tausend SappLebrecht, werf' Er sich aufs Pferdder Försterseine Leutegeladene Büchsenden Augenblick sollen sie einrücken." –

"Sie sind," sprach der Leibjäger, "sie sind aber schon da, durchlauchtigster Herr!"

"Wiewas!" – rief der Fürst, indem er den Mund offen behielt, um dem Erstaunen Luft zu gönnen.

"Schon," fuhr der Jäger fort, "schon als der Morgen graute, war ich draussen beim Förster. Schon ist der Pavillon so sorglich umstellt, dass keine Katze herauskann, viel weniger ein Mensch."

"Er ist," sprach der Fürst gerührt, "Er ist ein vortrefflicher Jäger, Lebrecht, und ein treuer Diener des fürstlichen Hauses. Rettet Er mich aus dieser Gefahr, so kann Er sicher auf eine Verdienstmedaille rechnen, die ich selber erfinden und ausprägen lassen werde von Silber oder von Gold, je nachdem bei der Erstürmung des Pavillons weniger oder mehr Menschen geblieben sind."

"Erlauben," sprach der Jäger, "erlauben Sie es, durchlauchtigster Herr, so gehen wir nun gleich ans Werk. Das heisst, wir schlagen die tür des Pavillons ein, nehmen das Gesindel, das darin hauset, gefangen, und alles ist vorüber. Ja, ja, den Kerl, der mir so oft entschlüpft, der solch ein verfluchter Springer ist, den verdammten Kerl, der sich dort im Pavillon als ein ungebetener Gast selbst einquartiert hat, den will ich schon fassen, den Spitzbuben den, der fräulein Julien turbiert hat!" –

"Welcher Spitzbube," fragte die Rätin Benzon, in das Zimmer tretend, "welcher Spitzbube hat Julien turbiert? Wovon sprecht Ihr, guter Lebrecht?" – Der Fürst schritt feierlich, bedeutsam, wie jemand, dem Grosses, Ungeheures begegnet, das er mit aller Stärke des Geistes bemüht ist zu tragen, der Benzon entgegen. Er fasste ihre Hand, drückte sie zärtlich und sprach dann mit sehr weicher stimme: "Benzon! Selbst in der einsamsten, tiefsten Zurückgezogenheit folgt die Gefahr dem fürstlichen Haupt. – Es ist das Los der Fürsten, dass alle Milde, alle Güte des Herzens sie nicht schützt vor dem feindlichen Dämon, der den Neid, die Herrschsucht entflammt in der Brust verräterischer Vasallen! – Benzon, die schwärzeste Verräterei hat ihr schlangenhaariges Medusenhaupt erhoben gegen mich, Sie finden mich in der dringendsten Gefahr! – Aber bald ist der Augenblick der Katastrophe da, diesem Getreuen verdanke ich vielleicht bald mein Leben, meinen Tron! – Und ist es anders beschlossennun, so ergebe ich mich in mein Schicksal. – Ich weiss, Benzon, Sie konservieren Ihre Gesinnungen gegen mich, und so kann ich wie jener König in dem Trauerspiel eines deutschen Dichters, mit dem Prinzessin Hedwiga mir neulich den Tee verdarb, hochsinnig rufen: 'Nichts ist verloren, denn Sie blieben mein!' – Küssen Sie mich, gute Benzon! – Teures Malchen, wir sind und bleiben die Alten! – Guter Gott, ich radotiere wohl in der Seelenangst! – Lassen Sie uns gefasst sein, meine Liebe, wenn die Verräter gefangen sind, werde' ich sie mit einem blick vernichten. – Leibjäger, es beginne der Angriff auf den Pavillon." – Der Leibjäger wollte schnell fort. "Halt," rief die Benzon, "was für ein Angriff? – auf welchen Pavillon?"

Der Leibjäger musste auf Befehl des Fürsten nochmals über den ganzen Vorfall genauen Rapport erstatten.

Immer mehr und mehr schien die Benzon durch des Leibjägers Erzählung gespannt zu werden. Als er geendet, rief die Benzon lachend: "Nun, das ist das drolligste Missverständnis, das es wohl geben mag. Ich bitte, gnädigster Herr, dass der Förster mit seinen Leuten sogleich nach haus geschickt werde. – Es ist von gar keiner Verschwörung die Rede, Sie befinden sich nicht in der mindesten Gefahr, gnädigster Herr! – Der unbekannte Bewohner des Pavillons ist schon Ihr Gefangener."

"Wer," fragte der Fürst voll Erstaunen, "wer, welcher Unglückselige bewohnt den Pavillon ohne meine Erlaubnis?" –

"Es ist," raunte die Benzon dem Fürsten ins Ohr, "es ist Prinz Hektor, der sich im Pavillon verbirgt!"

Der Fürst prallte einige Schritte zurück, als träfe ihn plötzlich ein Schlag von unsichtbarer Hand, dann rief er: "Wer? – wie? est-il possible! – Benzon! träume ich? – Prinz Hektor?" Des Fürsten Blicke fielen auf den Leibjäger, der ganz verblüfft den Hut in der Hand zusammenknillte. – "Jäger," schrie der Fürst ihn an, "Jäger! Scher' Er sich herab, der Förster