statt dieser die tür, welche zum Zimmer der Professorin führte, leise öffnete und ebenso leise hineintrat. Beinahe musste ich glauben, dass diese Verwechslung nicht ganz absichtslos geschah oder wenigstens niemanden gereute, denn keiner eilte, seinen Irrtum zu verbessern, sondern jeder, der hineingetreten, kam erst nach einer guten Zeit heraus und zwar mit solch lächelndem zufriednem blick, als ob ihm der Besuch bei der Professorin ebenso angenehm und nützlich gewesen als eine ästetische Vorlesung des Professors. Die schöne Lätitia (so hiess des Professors Frau) war mir nicht sonderlich gewogen. Sie litt mich nicht in ihrem Zimmer und mochte recht haben, da freilich der kultivierteste Pudel nicht dort hingehört, wo er bei jedem Schritt Gefahr läuft, Florspitzen zu zerreissen, Kleider zu beschmutzen, die auf allen Stühlen umherliegen. Doch wollt' es der Professorin böser Genius, dass ich einmal bis in ihr Boudoir hineindrang. – Der Herr Professor hatte eines Tages bei einem Mittagsmahl mehr Wein getrunken als gerade dienlich und war darüber in eine hochbegeisterte Stimmung geraten. Zu haus angekommen, ging er, ganz gegen seine Gewohnheit, geradezu in das Kabinett seiner Frau, und ich schlüpfte, selbst wusste ich nicht, was für eine besondere Lust mich dazu antrieb, mit hinein durch die tür. Die Professorin war in Hauskleidern, deren Weisse dem frischgefallnen Schnee zu vergleichen, ihr ganzer Anzug zeigte nicht sowohl eine gewisse Sorglosigkeit als die tiefste Kunst der Toilette, die sich hinter dem Einfachen verbirgt und wie ein versteckter Feind desto gewisser siegt. Die Professorin war in der Tat allerliebst, und stärker als sonst empfand dies der halbberauschte Professor, der, ganz Liebe und Entzücken, die holde Gattin mit den süssesten Namen nannte, mit den zärtlichsten Liebkosungen überhäufte und darüber gar nicht eine gewisse Zerstreuung, ein gewisses unruhiges Missbehagen bemerkte, das sich in dem ganzen Wesen der Professorin nur zu deutlich aussprach. Mir war die steigende Zärtlichkeit des begeisterten Ästetikers unangenehm und lästig. Ich kam auf meinen alten Zeitvertreib und suchte am Boden umher. Gerade als der Professor in der höchsten Ekstase laut rief: 'Göttliches, hehres, himmlisches Weib, lass uns –' tänzelte ich auf den Hinterbeinen zu ihm heran und apportierte ihm zierlich und wie bei diesem Akt jedesmal ein wenig mit dem Stutzschweif wedelnd, den feinen pomeranzfarbnen Männerhandschuh, den ich unter dem Sofa der Frau Professorin gefunden. – Starr blickte der Professor den Handschuh an und rief, wie plötzlich aufgeschreckt aus einem süssen Traum: 'Was ist das? – Wem gehört dieser Handschuh? wie ist er in dies Zimmer gekommen?' – Damit nahm er den Handschuh mir aus der Schnauze, besah ihn, hielt ihn an die Nase und rief dann wieder: 'Wo kommt dieser Handschuh her? Lätitia, sprich, wer ist bei dir gewesen?' – 'Wie du', erwiderte die holde treue Lätitia mit dem ungewissen Ton der Verlegenheit, den sie sich vergebens mühte zu unterdrücken 'wie du nun auch seltsam bist, lieber Lotar, wem soll, wem wird der Handschuh gehören? Die Majorin war hier und konnte bei dem Abschiede den Handschuh nicht finden, den sie auf der Treppe ausgestreut zu haben glaubte.' – 'Die Majorin', schrie der Professor ganz ausser sich, 'die Majorin, die kleine zartgebaute Frau, deren ganze Hand hineingeht in diesen Daumen! – Höll' und Teufel, welcher Zierbengel war hier? – Denn nach parfümierter Seife riecht das verfluchte Ding! – Unglückliche, wer war hier, welcher verbrecherische Trug der Hölle zerstörte hier meine Ruhe, mein Glück? – Schändliches, verruchtes Weib!' –
Die Professorin machte gerade Anstalt, in Ohn
macht zu fallen, als das Stubenmädchen hineintrat und ich, froh, des fatalen Ehestandsauftritts, den ich veranlasst, entledigt zu werden, schnell hinaussprang.
Den andern Tag war der Professor ganz stumm und in sich gekehrt; ein einziger Gedanke schien ihn zu beschäftigen, einer einzigen idee schien er nachzugrübeln. Ob er es nur sein mag! – Das waren die Worte, die dann und wann den verstummen Lippen unwillkürlich entflohen. Gegen Abend nahm er Hut und Stock, ich sprang und bellte freudig; er sah mich lange an, helle Tränen traten ihm in die Augen, er sprach mit dem Ton der tiefsten innigsten Wehmut: 'Mein guter Ponto! – treue ehrliche Seele!' – Dann lief er schnell vors Tor und ich dicht hinter ihm her, fest entschlossen, den armen Mann aufzuheitern mittelst aller Künste, die mir nur zu Gebote standen. dicht vor dem Tore begegnete uns der Baron Alzibiades von Wipp, einer der zierlichsten Herrn in unserer Stadt, auf einem schönen Engländer. Sowie der Baron den Professor gewahrte, kurbettierte er zierlich an ihn heran und fragte nach des Professors, dann aber nach der Frau Professorin Wohlbefinden. Der Professor stotterte in der Verwirrung einige unverständliche Worte hervor. 'In der Tat, sehr heisse Witterung!' sprach nun der Baron und zog ein seidnes Tuch aus der Rocktasche, schleuderte aber mit demselben Schwunge einen Handschuh heraus, den ich gewohnter Sitte gemäss meinem Herrn apportierte. Hastig riss mir der Professor den Handschuh fort und rief: 'Das ist Ihr Handschuh, Herr Baron?' – 'Allerdings', erwiderte dieser, verwundert über des Professors Heftigkeit, 'allerdings, ich glaube, ich schleuderte ihn in dem Augenblick aus der Rocktasche, und der dienstfertige Pudel hob ihn auf.' – 'So habe ich', sprach der