durchstudierten, wie z.B. Arpe, "de prodigiosis naturae et artis operibus, Talismanes et Amuleta dictis," Beckers "bezauberte Welt", Francisci Petrarka "Gedenkbuch" u.a.m. Diese Lektüre zerstreute mich ungemein und gab meinem Geist einen neuen Schwung. –
Der Meister war ausgegangen, die Sonne schien so freundlich, die Frühlingsdüfte wehten so anmutig zum Fenster hinein; ich vergass meine Vorsätze und spazierte hinauf auf das Dach. Kaum war ich aber oben, als ich auch schon Muzius' Witwe erblickte, die hinter dem Schornstein hervorkam. – Vor Schreck blieb ich regungslos stehen wie eingewurzelt; schon hörte ich mich bestürmt mit Vorwürfen und Beteuerungen. – Weit gefehlt. – Gleich hinter her folgte der junge Hinzmann, rief die schöne Witwe mit süssen Namen, sie blieb stehen, empfing ihn mit lieblichen Worten, beide begrüssten sich mit dem entschiedenen Ausdruck inniger Zärtlichkeit und gingen dann schnell an mir vorüber, ohne mich zu grüssen oder sonst im mindesten zu beachten. Der junge Hinzmann schämte sich ganz gewiss vor mir, denn er senkte den Kopf zu Boden und schlug die Augen nieder, die leichtsinnige kokette Witwe warf mir aber einen höhnischen blick zu.
Der Kater ist, was sein psychisches Wesen betrifft, doch eine gar närrische Kreatur. – Hätte ich nicht froh sein können, sein müssen, dass Muzius' Witwe anderweitig mit einem Liebhaber versehen, und doch konnte ich mich eines gewissen inneren Ärgers nicht erwehren, der beinahe das Ansehen hatte von Eifersüchtelei. – Ich schwor, niemals mehr das Dach zu besuchen, wo ich grosse Unbill erlebt zu haben glaubte. Statt dessen sprang ich nun fleissig auf die Fensterbank, sonnte mich, schaute, um mich zu zerstreuen, auf die Strasse hinab, stellte allerlei tiefsinnige Betrachtungen an und verband so das Angenehme mit dem Nützlichen.
Ein Gegenstand dieser Betrachtungen war denn auch, warum es mir noch niemals eingefallen, mich aus eignem freien Antriebe vor die Haustüre zu setzen oder auf der Strasse zu lustwandeln, wie ich es doch viele von meinem Geschlecht tun sah, ohne alle Furcht und Scheu. Ich stellte mir das als etwas höchst Angenehmes vor und war überzeugt, dass nun, da ich zu reiferen Monaten gekommen und Lebenserfahrung genug gesammelt, von jenen Gefahren, in die ich geriet, als das Schicksal mich, einen unmündigen Jüngling, hinausschleuderte in die Welt, nicht mehr die Rede sein könne. Getrost wandelte ich daher die Treppe herab und setzte mich fürs erste auf die Türschwelle in den hellsten Sonnenschein. Dass ich eine Stellung annahm, die jedem auf den ersten blick den gebildeten, wohlerzogenen Kater verraten musste, versteht sich von selbst. Es gefiel mir vor der Haustüre ganz ungemein. Indem die heissen Sonnenstrahlen meinen Pelz wohltätig auswärmten, putzte ich mit gekrümmter Pfote zierlich Schnauze und Bart, worüber mir ein paar vorübergehende junge Mädchen, die den grossen, mit Schlössern versehenen Mappen nach, die sie trugen, aus der Schule kommen mussten, nicht allein ihr grosses Vergnügen bezeugten, sondern mir auch ein Stückchen Weissbrot verehrten, welches ich nach gewohnter Galanterie dankbarlichst annahm. –
Ich spielte mehr mit der mir dargebotenen Gabe, als dass ich sie wirklich zu verzehren Anstalt machte, aber wie gross war mein Entsetzen, als plötzlich ein starkes Brummen dicht bei mir dieses Spiel unterbrach und der mächtige Alte, Pontos Oheim, der Pudel Skaramuz, vor mir stand. Mit einem Satz wollte ich fort aus der tür, doch Skaramuz rief mir zu: "Sei Er kein Hasenfuss und bleib Er ruhig sitzen; glaubt Er, ich werde' Ihn fressen?" –
Mit der demütigsten Höflichkeit fragte ich, worin ich vielleicht dem Herrn Skaramuz nach meinen geringen Kräften dienen könne, der erwiderte aber barsch: "In nichts, in gar nichts kann Er mir dienen, Mosje Murr, und wie sollte das auch möglich sein? Aber fragen wollt' ich Ihn, ob Er vielleicht weiss, wo mein liederlicher Neffe steckt, der junge Ponto. Er hat sich ja wohl schon einmal mit Ihm herumgetrieben, und ihr scheinet zu meinem nicht geringen Ärger ein Herz und eine Seele. Nun? – sag' Er nur an, ob Er weiss, wo der Junge herumschwärmt; ich habe ihn schon seit mehreren Tagen mit keinem Auge gesehen."
Verlegen durch des mürrischen Alten stolzes wegwerfendes Betragen, versicherte ich kalt, dass von einer engen Freundschaft zwischen mir und dem jungen Ponto gar nicht die Rede sei und auch niemals die Rede gewesen wäre. Zumal in der letzten Zeit habe sich Ponto, den ich übrigens gar nicht aufgesucht, ganz von mir zurückgezogen.
"Nun," brummte der Alte, "nun, das freut mich, das zeigt doch, dass der Junge Ehre im leib hat und nicht gleich bei der Hand ist, mit Leuten allerlei Gelichters sein Wesen zu treiben."
Das war denn doch nicht auszuhalten, der Zorn übermannte mich, das Burschentum regte sich in mir, ich vergass alle Furcht und prustete dem schnöden Skaramuz ein tüchtiges: "Alter Grobian!" ins Gesicht, hob auch die rechte Pfote mit ausgespreizten Krallen in die Höhe und zwar in der Richtung nach des Pudels linkem Auge. Der Alte wich zwei Schritte zurück und sprach weniger barsch, als vorher: "Nun, nun, Murr! nichts für ungut, Ihr seid sonst ein guter Kater, und da will ich Euch denn raten, nehmt Euch in acht vor dem Blitzjungen, dem Ponto! Er ist