ein dunkles Geheimnis waltet. Der Prinz floh, wie mir Julia erzählt, entsetzt vor einem Bilde, das Kreisler bei sich trug und ihm vorzeigte. – Nun, mag dem sein, wie ihm wolle, Kreisler ist fort, und der Prinzessin Krisis ist vorüber! – Glauben Sie mir, gnädigster Herr, blieb Kreisler, so flammte die heftigste leidenschaft für ihn auf in der Prinzessin Brust, und sie wäre lieber gestorben, als dass sie dem Prinzen ihre Hand gegeben hätte. Alles hat sich jetzt anders gestaltet, bald kehrt Prinz Hektor zurück, und die Vermählung mit der Prinzessin endigt alle Besorgnisse."
"sehen Sie," rief der Fürst zornig, "sehen Sie, Benzon, die Insolenz des schnöden Musikanten! – In ihn will die Prinzessin sich verlieben, seinetwegen die Hand des liebenswürdigsten Prinzen ausschlagen! – Ah le coquin! – Nun verstehe ich Euch, Meister Abraham, erst ganz! – Ihr sollt mir den fatalen Menschen vom Halse schaffen, dass er niemals wiederkehrt." –
"Jede," sprach die Rätin, "jede Massregel, die der weise Meister Abraham deshalb etwa vorschlagen dürfte, würde überflüssig sein, da das Erforderliche deshalb schon geschehen ist. Kreisler befindet sich in der Abtei Kanzheim, und wie mir der Abt Chrysostomus schreibt, wird er wahrscheinlich sich entschliessen, der Welt zu entsagen und in den Orden zu treten. Die Prinzessin hat dies schon erfahren von mir zur günstigen Stunde, und dass ich dabei keine sonderliche Gemütsbewegung der Prinzessin gewahrte, bürgt mir dafür, dass die bedrohliche Krisis, wie gesagt, schon vorüber."
"herrliche," nahm der Fürst das Wort, "herrliche, liebenswürdige Frau! welches Attachement beweisen Sie mir und meinen Kindern! Wie sorgen Sie für das Wohl, für das Beste meines Hauses!"
"Wirklich," sprach die Benzon mit bittrem Ton, "wirklich? – tue ich das? Konnte, durfte ich immer für das Wohl Ihrer Kinder sorgen?"
Die Benzon legte auf die letzten Worte einen besonderen Nachdruck, der Fürst sah schweigend vor sich nieder und spielte mit den Daumen der zusammengefalteten hände. Endlich murmelte er leise: "Angela! – noch immer keine Spur? – ganz verschwunden?"
"So ist es," erwiderte die Benzon, "und ich fürchte, dass das unglückliche Kind das Opfer irgendeiner Schändlichkeit geworden ist. Man wollte sie in Venedig gesehen haben, aber gewiss war dies ein Irrtum. – Gestehen Sie es, gnädigster Herr, es war grausam – entsetzlich, dass Sie Ihr Kind von der Brust der Mutter reissen liessen, es in ein trostloses Exil verbannten! – Diese Wunde, die mir Ihre Strenge schlug, werde ich niemals verschmerzen!"
"Benzon," sprach der Fürst, "habe ich Ihnen, dem kind nicht ein ansehnliches Jahrgehalt ausgesetzt? – konnte ich mehr tun? Musste ich nicht, blieb Angela bei uns, jeden Augenblick befürchten, dass unsere foiblesses verraten werden und auf unangenehme Weise die anständige Ruhe unseres Hofes zerstören konnten? – Sie kennen die Fürstin, gute Benzon! Sie wissen, dass sie manchmal besondere Grillen hat." –
"Also," nahm die Benzon das Wort, "also Geld, ein Jahrgehalt soll die Mutter entschädigen für allen Schmerz, für alle Trauer, für alle bittre Klage um das verlorene Kind? – In der Tat, gnädigster Herr! es gibt eine andere Art, für sein Kind zu sorgen, die die Mutter besser zufriedenstellt als alles Gold!" –
Die Benzon sprach diese Worte mit einem blick, mit einem Ton, der den Fürsten in einige Verlegenheit setzte.
"Vortreffliche Frau," begann er betreten, "warum diese seltsame Gedanken! – Glauben Sie denn nicht, dass mir ebenfalls das spurlose Verschwinden unserer lieben Angela sehr unangenehm, sehr fatal ist? Es muss ein artiges schönes Mägdlein geworden sein, da es von hübschen scharmanten Eltern geboren." Aufs neue küsste der Fürst der Benzon sehr zärtlich die Hand, die sie aber schnell wegzog und mit funkelndem durchbohrendem blick dem Fürsten ins Ohr flüsterte: "Gestehen Sie es, gnädigster Herr, Sie waren ungerecht, grausam, als Sie darauf bestanden, dass das Kind entfernt werden müsse. Ist es nicht Ihre Pflicht, den Wunsch nicht zurückzuweisen, dessen Erfüllung ich, gutmütig genug, wirklich für einigen Ersatz all meines Leids ansehen will?" – "Benzon," erwiderte der Fürst noch kleinlauter als zuvor, "gute herrliche Benzon, kann denn unsere Angela nicht wiedergefunden werden? Ich will Heroisches tun für Ihre Wünsche, teure Frau! Ich will mich dem Meister Abraham anvertrauen, mich mit ihm beraten. – Es ist ein vernünftiger erfahrner Mann, vielleicht kann er helfen."
"O," unterbrach die Benzon den Fürsten, "o des weisen Meisters Abraham! Glauben Sie denn, gnädigster Herr, dass Meister Abraham wirklich aufgelegt ist, für Sie etwas zu unternehmen, dass er Ihnen, Ihrem haus getreulich anhängt? Und wie sollte er imstande sein, etwas herauszubringen über Angelas Schicksal, nachdem in Venedig, in Florenz alle Nachforschungen vergeblich geblieben sind und, was das Schlimmste ist, ihm jenes geheimnisvolle Mittel geraubt wurde, dessen er sich sonst bediente, um das Unbekannte zu erforschen."
"Sie," sprach der Fürst, "Sie meinen sein Weib, die böse Zauberin Chiara."
"Sehr," erwiderte die Benzon, "sehr fraglich möchte es