der Fürst, indem er die Stirne runzelte, "niemals gab es Mesalliancen in unserm haus, lassen Sie ab von einem Gedanken, den ich nicht billigen kann. Immer war und bin ich noch bereit, sonst Ihre Wünsche zu erfüllen!" –
"Dass," erwiderte die Benzon mit scharfem Ton, "dass ich nicht wüsste, gnädigster Herr! – Wie oft mussten gerechte Wünsche schweigen chimärischer Rücksichten halber. Aber es gibt Ansprüche, die aller Verhältnisse spotten." –
"Laissons cela," unterbrach der Fürst die Benzon, indem er sich ausräusperte und Tabak nahm. Nach einigen Augenblicken des Stillschweigens fuhr er fort: "Noch mehr Kummer als der Prinz macht mir die Prinzessin. Sagen Sie, Benzon, wie war es möglich, dass uns eine Tochter von dieser seltsamen Gemütsart, noch mehr von dieser absonderlichen Krankhaftigkeit, die selbst den Leibarzt in Verlegenheit setzt, geboren werden konnte? Hat sich die Fürstin nicht immer einer blühenden Gesundheit erfreut, hat sie zu mystischen Nervenzufällen inkliniert? Bin ich selbst nicht, was Leib und Seele betrifft, ein robuster Fürst gewesen? Wie kommen wir zu dem kind, das, gestehen muss ich es zu meinem bittern Leidwesen, mir oft – ganz verrückt erscheint, alles fürstlichen Anstandes los und ledig?" – "Auch mir," erwiderte die Benzon, "auch mir ist der Organismus der Prinzessin unbegreiflich. – Die Mutter ist sich immer klar, verständig, von jeder zu heftigen verderblichen Leidenschaftlichkeit frei gewesen." – Die letzten Worte sprach die Benzon dumpf und leise vor sich hin, indem sie den blick niedersenkte. "Sie meinen die Fürstin?" fragte der Fürst mit Akzent, da es ihm nicht anständig schien, dass dem Worte: Mutter nicht das Prädikat: Fürstin hinzugefügt.
"Wen sonst," erwiderte die Benzon gespannt, "wen sonst sollte ich meinen?"
"Hat," sprach der Fürst weiter, "hat mich nicht der letzte fatale Zufall der Prinzessin um den Erfolg meiner Bemühungen und die Freude ihrer baldigen Vermählung, meinen Wünschen gemäss, gebracht? – Denn, gute Benzon, entre nous soit dit, der Prinzessin plötzliche Katalepsie, die ich bloss einer starken Erkältung zuschreibe, war wohl lediglich schuld an der plötzlichen Abreise des Prinzen Hektor. – Er will abbrechen, und – juste ciel! selbst muss ich es gestehen, ich kann es ihm nicht ganz verdenken, so dass, verböte nicht ohnehin der Anstand jede weitre Annäherung, schon dieses mich, den Fürsten, abhalten müsste, jetzt noch Schritte zu tun zur Erfüllung eines Wunsches, den ich freilich sehr ungern und nur notgedrungen aufgebe. Recht werden Sie mir nämlich geben, geliebte Frau, dass es immer etwas Ängstliches hat mit einer Gemahlin, die solchen wunderlichen Zufällen unterworfen. Kann eine solche fürstliche und zugleich kataleptische Gemahlin nicht mitten in der glänzendsten Cour davon erfasst werden, automatisch dastehen und sämtliche würdige Anwesende zwingen, es ihr nachzutun und regungslos zu bleiben? – Freilich kann man wohl auch eine von einer allgemeinen Katalepsie befallene Cour sich als die feierlichste und erhabenste denken, die es in der Welt nur geben mag, da die leiseste Verletzung der nötigen Würde auch dem Leichtsinnigsten unmöglich. Doch ein Gefühl, das mich eben in solchen hausväterlichen Augenblicken, wie die jetzigen hier beim Spiel, befällt, lässt es mich bemerken, dass ein solcher Zustand der Braut dem fürstlichen Bräutigam einiges fröstelndes Grauen erregen kann, und darum – Benzon! Sie sind eine liebenswürdige, verständige Frau, fänden Sie vielleicht eine Möglichkeit, die Sache mit dem Prinzen zu redressieren, irgendein Mittel –"
"Es bedarf," unterbrach die Benzon lebhaft den Fürsten, "es bedarf dessen gar nicht, gnädigster Herr! Nicht der Prinzessin Krankheit trieb den Prinzen so schnell fort, ein anderes Geheimnis ist hier im Spiele, und in dieses Geheimnis ist der Kapellmeister Kreisler verflochten."
"Wie," rief der Fürst voll Erstaunen, "wie, was sagen Sie, Benzon? der Kapellmeister Kreisler? So sollte es doch wahr sein, dass er –"
"Ja," sprach die Rätin weiter, "ja, gnädigster Herr, ein Zwiespalt zwischen ihm und dem Prinzen Hektor, der vielleicht geschlichtet werden sollte auf zu heroische Weise, war es, der den Prinzen entfernte." –
"Zwiespalt," unterbrach der Fürst die Benzon, "Zwiespalt – geschlichtet – heroische Weise! – Der Schuss im Park – der blutige Hut! – Benzon! es ist ja unmöglich – der Prinz – der Kapellmeister! – ein Duell – ein Renkontre, beides ist ja undenkbar!" –
"So viel," fuhr die Benzon fort, "so viel, gnädigster Herr, ist gewiss, dass Kreisler auf der Prinzessin Gemüt nur zu mächtig einwirkte, dass jene seltsame Angst, ja, jenes Entsetzen, das sie erst empfand in Kreislers Gegenwart, sich gestalten wollte zur verderblichen leidenschaft. Möglich, dass der Prinz scharf genug sah, dies zu gewahren, dass er in Kreisler, der ihm von Anfang an entgegentrat mit feindlicher verhöhnender Ironie, einen Widersacher fand, den er sich vom Halse schaffen zu müssen glaubte, und dass hieraus sich eine Tat erzeugte, die freilich nur dem blutigen Hass des gekränkten Ehrgefühls, der Eifersucht verziehen werden darf, und die, Dank sei der ewigen Macht, nicht gelang. Ich gestehe, dass dies alles die schnelle Abreise des Prinzen nicht erklärt, und dass, wie gesagt, noch