er aller Momente, in denen die Prinzessin wirklich, wie von einer im inneren aufkeimenden leidenschaft befangen, erschienen, aber, selbst wusste er nicht, warum bei dem Gedanken, dass er selbst der Gegenstand jener leidenschaft sein könne, es ihn erfasste wie Gespensterfurcht. Es war ihm, als wolle eine fremde geistige Macht gewaltsam in sein Inneres dringen und ihm die Freiheit des Gedankens rauben. Prinzessin Hedwiga stand plötzlich vor ihm, starrte ihn an mit jenem seltsamen blick, der ihr eigen, aber in dem Augenblick dröhnte ein Pulsschlag ihm durch alle Nerven, wie damals, als er zum erstenmal der Prinzessin Hand berührte. Doch war ihm auch nun jene unheimliche Angst entnommen, er fühlte eine elektrische Wärme wohltätig sein Inneres durchgleiten, er sprach leise wie im Traum: "Kleiner schalkischer Raja torpedo, neckst du mich schon wieder und weisst doch, dass du nicht ungestraft verwunden darfst, da ich aus reiner Liebe zu dir Benediktinermönch geworden?"
Der Abt betrachtete den Kapellmeister mit durchbohrendem blick, als wollte er sein ganzes Ich durchschauen, und begann dann ernst und feierlich: "Mit wem redest du, mein Sohn Johannes?"
Kreisler wurde aber wach aus seinen Träumen; es fiel ihm ein, dass der Abt, war er von allem, was sich in Sieghartshof zugetragen, unterrichtet, vor allen Dingen den weiteren Verlauf der Katastrophe, die ihn fortgetrieben, wissen musste, und wohl war ihm daran gelegen, mehr davon zu erfahren.
"Mit," erwiderte er dem Abt, skurril lächelnd, "mit niemanden anders sprach ich, hochehrwürdiger Herr, als, wie Sie ja vernommen haben, mit einer schalkischen Raja torpedo, die sich ganz unberufenerweise in unser vernünftiges Gespräch mischen und mich noch konfuser machen wollte, als ich es schon wirklich bin. – Doch aus allem muss ich ja zu meinem grossen Leid gewahren, dass diverse Leute mich für ebensolch einen grossen Narren halten als den seligen Hofporträtisten Leonardus Ettlinger, der eine erhabene person, die sich natürlicherweise aus ihm gar nichts machen konnte, nicht bloss malen wollte, sondern auch lieben, und zwar so ganz ordinär wie Hans seine Grete. O Gott! hab' ich es denn jemals an Respekt fehlen lassen, wenn ich die schönsten Akkorde griff zu schnöder Singefaselei! – Habe ich jemals unziemliche oder grillenhafte Materien aufs Tapet zu bringen gewagt, von Entzücken und Schmerz, von Liebe und Hass, wenn der kleine fürstliche Eigensinn sich seltsam gebärden in allerlei wunderbaren Gemütsergötzlichkeiten und ehrsame Leute vexieren wollte mit magnetischen Visionen? – habe ich solches jemals getan? Sagt –"
"Doch," unterbrach ihn der Abt, "doch sprachst du, mein Johannes, einst von der Liebe des Künstlers –"
Kreisler starrte den Abt an, dann rief er, indem er die hände zusammenschlug und den blick aufwärts richtete: "O Himmel! Das also! – Schätzbare Leute," sprach er dann weiter, indem jenes skurrile Lächeln auf dem Antlitz wieder die Oberhand gewann und dabei die innere Wehmut die stimme beinahe erstickte, "schätzbare Leute allzumal, habt ihr denn nicht jemals irgendwo, sei es auch auf ordinären Brettern, den Prinzen Hamlet zu einem ehrlichen Mann, Güldenstern geheissen, sagen gehört: 'Ihr könnt mich zwar verstimmen, aber nicht auf mir spielen?' – Wetter! – das ist ja ganz mein Kasus! – Warum belauscht ihr den harmlosen Kreisler, wenn der Wohllaut der Liebe, der in seiner Brust verschlossen, euch nur misstönt? – O Julia! –"
Der Abt schien, plötzlich von etwas ganz Unerwartetem überrascht, vergebens Worte zu suchen, während Kreisler vor ihm stand und ganz verzückt in das Feuermeer schaute, das im Abend emporgewogt.
Da erhoben sich die Glockentöne von den Türmen der Abtei und zogen, wunderbare Stimmen des himmels, durch das golden leuchtende Abendgewölk.
"Mit euch," rief Kreisler, indem er beide arme weit ausbreitete, "mit euch will ich ziehen, ihr Akkorde! Von euch getragen, soll sich aller trostlose Schmerz emporrichten zu mir und sich selbst vernichten in meiner eignen Brust, und eure Stimmen sollen wie himmlische Friedensboten es verkünden, dass der Schmerz untergegangen in der Hoffnung, in der sehnsucht der ewigen Liebe."
"Die Abendhora," sprach der Abt, "wird eingeläutet, ich höre die Brüder kommen. Morgen, mein lieber Freund, sprechen wir vielleicht weiter von manchen Begebnissen in Sieghartshof." –
"Ei," rief Kreisler, dem nun erst wieder einfiel, was er von dem Abt zu wissen verlangt, "ei, hochehrwürdiger Herr, ich will viel erfahren von lustiger Hochzeit und dergleichen! – Prinz Hektor wird doch nun nicht zaudern, die Hand zu ergreifen, nach der er schon aus der Ferne gelangt? Dem herrlichen Bräutigam ist doch nichts Arges widerfahren?"
Da verschwand alles Feierliche aus des Abts Antlitz, und er sprach mit dem gemütlichen Humor, der ihm sonst wohl eigen: "Nichts ist dem herrlichen Bräutigam geschehen, mein ehrlicher Johannes, aber seinen Adjutanten soll im wald eine Wespe gestochen haben." – "Hoho," erwiderte Kreisler, "hoho! eine Wespe, die er mit Feuer und Dampf vertreiben wollte!"
Die Brüder traten in den Korridor und –
(M. f. f.) – böse Feind und sucht den guten Bissen einem ehrlichen harmlosen Kater recht vor dem Maule wegzuschnappen? – Nicht lange dauerte es nämlich, so erhielt unser gemütliche Verein auf dem dach