h r s e i j e t z t r e c h t wohl, denn bereits um Mitternacht sei sie verschieden.
Er scheute sich, seinem Herrn diese Schreckensbotschaft zu bringen; aber zu seiner Verwunderung nahm sie Alexander gefasst, ja sogar in stiller Freundlichkeit des Gemüts auf, ohne scheinbar von ihr ergriffen zu werden.
Denn mit jener stillen Zufriedenheit, mit welcher man den Piloten auf hohem Meere in seinem leichten Kahn mit den Wellen kämpfen und dann in einen sichern Hafen sich retten sähe, betrachtete er das letzte heilige Asyl, in das sie sich geflüchtet hatte, und das nicht mehr düster ist, sobald der Mensch nur die dunkle Schwelle erst überschritten hat, die dahin führt. Das Gefühl, aus welchem sich ihm die höchste Wonne so wie der bitterste Schmerz entwickelt hatte, erlosch nicht mit der irrdischen Flamme ihres Daseins – es glühte fort in seiner Seele, und veredelte seinen Charakter immer mehr. Als bald darauf der Krieg endlich ausbrach, kämpfte er tapfer mit für die Freiheit und Unabhängigkeit seines Vaterlandes. Es war ihm wohl oft, als ob ein tiefes, lechzendes Sehnen ihn in den wildesten Sturm der Gefahren trieb – als wenn eine leise Hoffnung ihm zuflüsterte, dort, in blutiger Schlacht, werde sein Leben sich enden. Dann aber vernahm er jedesmal Erna's liebkosende stimme, die ihm gebot, den Tod nicht zu s u c h e n , und in stiller Ergebung sein los zu tragen. Seufzend unterwarf er sich der höheren Bestimmung, die vermittelst ihrer Wünsche ihn zu leben zwang, und so viel er des kriegerischen Lorbers auch brach, so war er doch stets nur m u t h i g , nicht t o l l k ü h n , und milde Menschlichkeit stand, durch die Erinnerung an Erna ihm immer gegenwärtig, selbst im tobendsten Gefecht, an seiner Seite.
Als der Friede ihn endlich in die Residenz zurückführte, hatte neben vielen Bewohnern derselben, ein bösartiges Nervenfieber auch Linovsky hinweggerafft.
Alexander, eingedenk der letzten Bitte, die Erna an ihn tat, suchte sich Einfluss in die Erziehung ihrer Kinder zu verschaffen, und es gelang ihm. In der herrlich sich entwickelnden Blüte ihrer Anlagen, und in dem rührenden Nachhall mütterlicher Güte und Reinheit, der oft in ihren jungen Seelen ihm erklang, ging ihm ein neuer Lebensfrühling auf. Treu übte er die Pflichten, die das Vertrauen der Geliebten ihm so heilig übertrug, und es war als ob ihr Segen geistig ihn umschwebte, wenn er mit väterlicher Innigkeit für die Kinder ihres Herzens sorgte. So schien die Welt ihm nicht verödet. Auf eigenes Glück Verzicht leistend, hatte er doch einen Zweck gefunden, der seinem Dasein Bedeutung gab, und ihm alle Kräfte seiner Seele widmend, blieb sein Gemüt, in dem Erna's Bild unauslöschlich wohnte, stets ein Tempel für das Heilige und Höhere im Leben.