Gestalt vor sein inneres Auge, ihn, gleichsam mit dem Hohngelächter der Hölle auf den übermütigen Lippen, daran zu mahnen, dass e r , er es sei, der die herrliche besitze, und dass – wenn sie auch mit dem Gefühl des verlorenen, seiner Blüten beraubten Lebens neben ihm wandele – sie doch eben so unbedingt sein Eigentum sei, wie nur immer eine Sklavin ihrem Tyrannen gehört.
Hass, Neid und Ingrimm in der kochenden Brust, fand er, es sei in Zukunft eine Aufgabe ü b e r seine Kräfte, den Gegenstand seiner Liebe neben dem seines bittersten Hasses, und diesem letzteren unterwürfig zu sehen. Hätte es ihm nur möglich geschienen, auf den Zauber ihrer süssen Nähe Verzicht zu leisten, er würde im Gefühle tobender, knirschender Eifersucht auf der Stelle das Gelübde ausgesprochen haben, des verhassten Nebenbuhlers Haus nie wieder zu betreten.
Gleichwohl zählte er, unfähig sich die herbe Prüfung einer strengen Entsagung aufzulegen, jede einzelne Stunde, die noch trennend zwischen dem nächsten ihm beschiedenen Wiedersehen stand, und als das Opernhaus geöffnet wurde, war er einer der ersten, der in einer Loge, welche das Ganze zu übersehen gestattete, Platz nahm, um weder ihr Kommen, noch das Glück, sich ihr nähern zu dürfen, zu verfehlen.
Endlich, die Symphonie rauschte bereits, erschien sie mit mehreren Begleiterinnen, und nahm in einer Loge ihm gegenüber Platz.
Ehrerbietig grüsste er sie aus der Ferne, und als der erste Act vorüber war, wagte er es, sich den Damen zu nähern, und ganz zuletzt auch an s i e , die seine zarte Scheu zu verstehen schien, einige Worte der innigsten Teilnahme, mit denen er nach ihrem Befinden fragte, zu richten.
Mit der freundlichen Erwiederung, dass ihr wohl sei, zog Erna einen Brief hervor, den sie ihm ohne alle geheimnisvolle Umhüllung mit der Bitte übergab, ihn gelegentlich an seine Adresse zu besorgen.
Sie wandte sich hierauf von ihm ab, und in ein eifriges Gespräch mit einer ihrer Nachbarinnen geratend, schien es, als habe sie von jetzt an keinen blick mehr für ihn. Gepeinigt durch diese Wahrnehmung zog er sich daher, aus Furcht, ihr durch sein Bleiben zu misfallen, in seine Loge zurück. Doch ehe er sie noch erreicht hatte, konnte er nicht umhin, an dem flackernden Schein eines Wandleuchters auf der übrigens dunkeln, unbemerkten Gallerie die Aufschrift zu lesen, und als er sie an sich gerichtet fand, erbrach er das Siegel mit fröhlicher Hast, und folgende Worte begegneten seinen sehnsuchtsvoll spähenden Blicken:
Dass ich Sie angehört habe, und dass ich Ihnen antworte, ist der e r s t e Schritt, der mich von dem streng mir vorgezeichneten Wege meiner Pflicht verlockt. Ich beschwöre Sie, lassen Sie es zugleich den l e t z t e n sein, und stören Sie den stillen Wandel nicht, der mich zur R u h e – dem einzigen Ziele, nach dem ich streben darf – hinleitet.
Gewiss, auch ohne das erschütternde Geständnis, das Sie fodern, würden Sie nicht daran zweifeln können, dass ich Ihnen längst vergeben habe. Mein Betragen hat es Ihnen gesagt, wenn ich den stummen und mild gewordenen Empfindungen meiner Brust auch keine Worte verlieh. Daher ehren Sie die vertrauenvolle Offenheit, mit der ich es jetzt auch a u s s p r e c h e , und betrachten Sie die Versicherung, dass ich Sie achte, als einen Zuruf, der aus Gräbern kommt, frommen Frieden in Ihr Gemüt zu flüstern – nicht als einen irrdischen laut, der noch zu irgend einer Hoffnung berechtigen könnte.
Wenige sind der Erfahrungen, die ich auf meinem
Wege sammelte, aber in diesen wenigen reichte mir meine ernste Bestimmung den Kern des Lebens, und wenn ich ihn gleich bitter fand, so erwuchs mir doch daraus der Vorteil, alles übrige nur als dämmernden Schein, als traumähnliche Entwürfe betrachten zu lernen, mit denen der Mensch wie mit Seifenblasen spielt.
Nur selten gestattete ich mir einen Rückblick auf
die weit zurückgewichene Küste der Vergangenheit, deren Nebel mein frühestes Morgenrot verschlangen, aber mit Andacht trug ich, was ich einst gewünscht, geglaubt hatte, in meinem Herzen, und meiner Kraft und meinem festen Willen vertrauend, durfte ich es wagen, einen Bund zu schliessen, dessen Heiligkeit mich tief durchschauerte, wenn ich den ganzen Umfang seiner Ansprüche an mich auch noch nicht kannte.
Durch schwere Kämpfe bin ich gegangen, habe
mich oft erschlafft in allen Triebfedern meines Seins gefühlt – habe nur durch bang bestandene Prüfungen mir die Ergebung errungen, die nach vielem Schmerzesaufruhr erst die Seele läutert, und todeswund und todesmatt erschein' ich mir am Ziele – nicht durch Sieg gekrönt, aber doch durch das Bewusstsein gehoben, dass ich immer tat, was ich für recht hielt.
Auch ferner wird es noch mein ernstes Bestreben sein, es zu tun. Ich ehre Linovsky als meinen Gemahl, dem ich mit Zutrauen die Leitung meines Schicksals übergeben habe – ich liebe ihn, als den Vater meiner Kinder, und dieses aus dem Anerkennen seines Werts und meiner vollsten achtung hervorgehende Gefühl ist wenigstens dauerhafter, als der flüchtige Rausch, mit denen die erste Jugend so oft sich und Andere täuscht. Daher spreche ich zu Ihnen als s e i n e G a t t i n , die – so weit es sich mit ihren Pflichten vereinigen lässt – Ihre Freundin sein will. Doch niemals mehr sei zwischen uns die Rede von Empfindungen, denen