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von ihrem Ziele fühlte. Sein Inneres glich einem tiefen Meere, in dessen Schoossewenn auch die Oberfläche oft glatt und still das Bild des himmels auf den geebneten Wellen trägtdoch eine ewige Bewegung gährt, die jeder leise Hauch von aussen schäumend und tosend aufwühlen kann. Er befand sich in einer steten Reizbarkeit, alle seine Gedanken nur auf e i n e n Punkt concentrirtalle seine Wünsche nur e i n e n Gegenstand umschlingend. Bisher war Freiheit das Element seines Daseins gewesen, und alles Bedingende ihm verhasst wie Kettengerassel, und jetzt – o wie schmachtete er nach den heiligen Banden, die ihn zu Erna's ewigem Eigentum weihen, die ihn an die selige Beschränkung eines stillen häuslichen Lebens knüpfen sollten!

Gleichwohl, so deutlich er fühlte, dass es ihm nicht möglich sei, den Zustand dieser Ungewissheit ferner zu ertragen, so würde er doch vielleicht noch lange mit seiner Erklärung gezögert haben, wenn ihn nicht einst ganz unvermutet die Gräfin bei Seite genommen, ihm zu vertrauen, dass morgen Erna's Geburtstag sei, den sie mit einem Ball zu feiern gedenke, der ihr aber lediglich als Impromptü erscheinen solle. Ihm war, als riefe jetzt die stimme seines Schicksals mit unwiderstehlicher Allmacht ihm zu: Lass diesen Tag, der sie einst der Erde gab, entscheiden, ob sie für dich geboren wurde!

In welchem Aufruhr seines ganzen Wesens brachte er die Nacht zu, die diesem Tage vorausging! Schlaflos warf er sich auf seinem Lager umher, an den bald F u r c h t , als grässlich drohende Erscheinung, bald H o f f n u n g , als milder Genius seiner dunklen Zukunft, ihm vorüber schwebte. Der erste Schein der Frühe rief ihn auf und hinaus ins Freie. Es war ein kalter Märzmorgen. Blinkender Reif ruhte wie ein weisses Leichentuch auf der Erde, und die blätterlosen Bäume streckten, gleich starren Gerippen, ihre nackten Zweige in die nebelhauchende Luft. Alexander empfand wenig von dem frostigen Einfluss der Atmosphäre. In ihm loderte eine Glut, die sich an dem Altar der heiligsten sehnsucht entzündete, und die ihn wärmte, als wandele er unter den brennenden Strahlen der Juliussonne einher. sonderbar erschüttert war sein Gemüt, und ein gar anderer Geist als sonst schien durch die natur zu wehen, und ihn so innig mit allen winterlichen Erscheinungen zu befreunden, als sei es Fülle des Lenzes, die mit Blütenhauch ihn umschmeichele.

Jetzt regte der Morgenwind seine Fittige, flammend erhellte sich der Osten, und ein herrliches Morgenrot wandelte der Sonne voran, die die Nebel zerstreute. Ihm war so wunderbar zu Mutmit Wehmut kämpfend atmete seine beklommene Brust gleichwohl mit vollen Zügen ein frisches, freudiges Gefühl des Daseins ein. Die glanzumsäumten Wolken zogen wie goldene Träume über ihn hin, und das ferne Jenseits, dessen Schwelle das Grab ist, erschien ihm hinter der purpurnen Pforte des Morgens, alle Schauer der Unsterblichkeit in seiner ernsten Gedankenfülle erweckend. Ein seit seinen Knabenjahren durch Leichtsinn und frivole Zerstreuungen gebannter Geist, d e r G e i s t d e s G e b e t s , zog heiligend in seine Seele, und belebte ihre öde Tiefe mit frommen Vorsätzen und würdigen Entschlüssen. Tränen stiegen in sein Auge, und sich selbst das Gelübde ablegend, g u t und i m m e r besser zu werden, ging er wieder zu Haus, die Empfindungen, die sich in ihm regten, in einen Brief an Erna zusammen zu fassen.

"Ich würde mein Unrecht v e r d o p p e l n , wenn ich es zu v e r r i n g e r n strebte," schrieb er. "Daher bekenne ich es frei, Erna! dass die Vergangenheit, wie eine rächende Nemesis, neben mir durchs Leben geht, und mich bitter mahnt an die Vergehungen meiner unbesonnenen Jugend."

"Ich habe Sie einst beleidigt, und gewaltsam von meinem Herzen verscheucht. Meine Bestimmung wollte, dass mir erst spät der Wert in seiner ganzen himmlischen klarheit erschiene, der Sie jetzt in meiner überzeugung zu der E r s t e n und E i n z i g s t e n Ihres Geschlechts erhebt. Aber Ernaich halte mich an die Worte, die Sie einst aus dem Innersten Ihrer Seele sprachen, und die seitdem die Losung meiner stillen Träume, der Grund meiner seligsten Hoffnungen geworden sind. D i e L i e b e ü b e r w i n d e t a l l e s , u n d v e r g i e b t a l l e s ! Sie haben mich einst geliebt, als ich dies Glück noch nicht verdiente. Jetzt, wo ich es in seinem ganzen Umfang erkenne, und mich nach ihm sehne, als nach dem einzigen Himmel, den es für mich auf Erden gibt, jetztich beschwöre Sie bei unserem beiderseitigen Glück, dasso flüstert mir eine innere stimme zunur g e m e i n s c h a f t l i c h bestehen kannsein Sie nicht härter, als jener milde Ausspruch, der mich, wie eine Zauberformel, über den düstern Abgrund verzweiflungsvoller Hoffnungslosigkeit erhobgeben Sie mir ein Zeichen, dass Sie mich nicht verwerfen, dass Sie mir erlauben, Ihre Hand durch innige Liebe und Treue zu verdienenund machen Sie auf diese Weise Ihren Geburtstag mir zu einem zwiefachen Festtag für