t e , d r i t t e Liebe gewöhnlich ein Fehlgriff, der sich bitter bestrafe, wenn das Herz nicht Kraft genug habe, sich aus Banden leise zurückzuziehen, die alles Glück s t r a n g u l i r e n würden, wolle man sie nur aus Pflichtgefühl enger noch zusammen knüpfen. Denn, fuhr er fort, wie der junge Adler seine Flügel prüft, und, vom Instinkt getrieben, von mütterlichem Nest hinwegflattert, um bald den Wipfel eines Baums, bald ein sonniges Tal zu erreichen, so strebt auch der jugendliche Sinn zu jener Vereinigung, die ihm Vollendung dünkt. Doch des jungen Adlers Versuche mislingen oft, denn ehe ihm die Flügel nicht r e c h t gewachsen sind, können sie ihn nicht mit Sicherheit tragen. So auch die Liebe des Menschen. Jene feste, dauernde, t r e u e Liebe, die unser eigentlichstes, wahrstes Glück gründet, kann nur aus sogenannter Untreue hervorgehen, wie der Phönix der Fabel sich aus der Asche empor hebt. Denn erst nach mehreren Versuchen weiss das Herz, was es bedarf zur Erwiederung seiner innigsten Gefühle. Früher wirkte Zufall, Stimmung, misverstandene Sinnlichkeit und Wunsch, die innere Leere ausgefüllt zu sehen, auf unsere Wahl, und wir reichen voreilig dem Wesen, das uns entgegen tritt, die Hand, und wähnen nun, der ganze dunkle Raum der Zukunft müsse sich in ein blühendes Paradies verwandeln. Doch – nach und nach werden die goldenen Illusionen zu Flittergold, das rauschend von verwelkten Kränzen abfällt – wir finden uns g e t ä u s c h t und täuschen wieder, indem wir gewaltsam uns zum Wortalten von Dingen zwingen wollen, die sich eigentlich gar nicht versprechen lassen. Endlich ist der Freiheit Kleinod wieder errungen, und vorsichtiger wagen wir den zweiten Versuch; denn darin gleicht das Herz dem Taucher, der doch wieder ins Meer hinabstürzt, wenn er gleich mehrere Muscheln heraufgebracht hat, in denen keine Perle war. Finden wir auch hier nicht dies Echo eines vollharmonischen Gemüts in der Brust, der wir zum zweitenmal die Krone des Lebens reichten – nun so schrecken die Mistöne, die wir vernehmen, uns schon leichter wie das erstemal, der dritten Liebe zu, und so fort und immer fort, bis wir endlich finden, was uns not tut, oder bis wir auch verzagen, und zweifeln müssen, dass es auf Erden existirt.
Ich glaube gern, dass Sie diese schönen Erfahrungen aus der Wirklichkeit, oder vielmehr aus ihrem eigenen Leben entlehnt haben, unterbrach ihn die Gräfin, und begreife nun um so leichter, woher es kommt, dass sich die meisten Männerherzen so abnutzen, dass sie nur in Trümmern und einzelnen Bruchstücken, oder wie eine Münze, an der das Gepräge verwischt ist, das Ziel erreichen.
D i e Herzen, deren Gepräge sich verwischen, antwortete der Gesandte lachend, sind nur Fleischklumpen, von der warmen Blutwelle zu tierischen Funktionen, nicht zu jener höheren sehnsucht getrieben, die ja eigentlich nur allein die Ursache des sogenannten männlichen Wankelmutes ist. Wie die frische Quelle sich ewig erneut, so viel auch aus ihr geschöpft wird, so – nur immer mehr gereinigt durch das Sandbad der Erfahrung – ist auch ein reich ausgestattetes liebefähiges Herz, habe es sich auch noch so oft vorher, vom Wahn verblendet, hingegeben.
Uebrigens will es denn doch auch verlauten, dass die so hoch gerühmte weibliche Beständigkeit schon vom Anfang der Welt an gar manchen Anfechtungen, nicht nur u n t e r w o r f e n gewesen, sondern auch e r l e g e n ist, und dass besonders bei Ihrem Geschlecht sich der alte Satz bewährt, dass – wenn die Sonne untergegangen, dann die Sterne zu flimmern beginnen, c'est à dire, wenn ich eine freie Uebersetzung dieser Behauptung hinzufügen darf: wenn der Geliebte a b w e s e n d , oder h e i m g e g a n g e n ist, wie die Herrnhuter zu sagen pflegen, so fangen auch geringere Subjekte an zu interessiren – sind überall als Lückenbüsser und um den Triumphwagen der Damen desto rascher zu ziehen, gar nicht überflüssig und unwillkommen.
Die Gräfin wollte schlechterdings dies nicht zugestehen. Doch fand sie, dass sie mit sehr ungleichen Waffen gegen ihren Widersacher kämpfe, indem e r , der schlaue Diplomatiker, vermöge seines Berufs, schon gewohnt sei, sich und Andere durch allerhand glänzende Scheingründe sophistisch zu bestechen, und die Wahrheit – wenn auch nicht geradezu zu v e r l ä u g n e n , doch so zu v e r d r e h e n , dass sie am Ende alles Andere, nur nicht Wahrheit, sei. Sie foderte die übrigen anwesenden Damen auf, sie doch nicht allein sich aufopfern und den Märtyrertod für den Ruhm ihres Geschlechts sterben zu lassen, sondern ihr beizustehen. Alle aber fanden ihre Angelegenheiten in den besten Händen.
So wandte sie sich zuletzt denn an Alexander. Sie, den ich heute zu meinem Ritter erwählt habe, sagte sie, dessen Pflicht es ist, jeden Unglimpf zu rächen, der mir widerfährt – können Sie so ruhig anhören, wie man uns arme wehrlose Frauen, und v o r a l l e n mich, ihre Stellvertreterin, kränkt und verläumdet? Wenn Sie auch nicht meine Farbe tragen, so heben sie doch wenigstens ritterlich den Handschuh auf, den dieser durch die d r i t t e