beschränkt auf e i n e Stelle, sich oft, wie in eine stehende Form des Daseins gegossen, nur entfaltet, um zu verblühen – selten bemerkt – seltener noch g e k a n n t . –
Warum schliessen Sie aber die Männer aus, liebes Kind, fiel die Gräfin schalkhaft ein. Freilich – es wäre ihnen zu viel Ehre erzeigt, ihnen unter d e n B l u m e n ihren Platz anzuweisen – und sie in die Klasse des U n k r a u t s zu stellen, dazu sind sie offenbar zu gut. Aber es fände sich ja wohl eine andere, passendere Rubrick für sie. Lassen Sie uns ein wenig nachdenken. Sollen wir sie zu den S c h m e t t e r l i n g e n zählen, die das Blühende umflattern, so lange es blüht? – Oder zu den D o r n e n , deren Zweck mehr zu verwunden, als zu schützen ist? Oder zu den W ü r m e r n , die oft zerstörend die geheimsten Wurzeln des Daseins zernagen, dass die zarte Staude hinwelkt, ohne dass ein menschliches Auge die ursache ihres Leidens wahrnimmt? –
Erna wurde rot. Ihr Auge erhob sich mit dem schüchternen Ausdruck leisen Forschens, welchen Eindruck diese Worte auf ihn machten, zu Alexandern, welcher, aufgebracht über den bittern Scherz der Gräfin, der seine stille Unterhaltung störte, und Erna's Stimmung sichtlich eine andere Richtung gab, sich schweigend in die Lippen biss.
Das sanfte Mitleid mit seinem gereitzten und peinlichen Zustande gab indess ihrem blick einen unwillkührlichen Ausdruck von Zärtlichkeit, der alle Bitterkeit des Unmuts in ihm verlöschte, und indem sie leicht und schonend das Gespräch auf andere Gegenstände wandte, sparte sie ihm die Anstrengung mit so befangener Seele in die ihm misfällige Heiterkeit der Gräfin eingehen zu müssen.
Sie fragte nämlich nach einer Gemäldesammlung, die, wie sie gehört hatte, interimistisch im schloss Bellevüe aufbewahrt werde, bis ein eigenes Local in der Residenz für sie eingerichtet sei, und in welcher, zwar noch ungeordnet und bunt unter einander gemischt, doch manche interessante Erinnerung aus grauer Vorzeit, manches Andenken an später lebende berühmte Menschen in ihren Bildern entalten sein solle.
Alexander kannte diese Sammlung und erbot sich zum Cicerone, und da der kurze Wintertag nicht lange mehr volle Beleuchtung von aussen versprach, so eilte man, sie noch vor der eintretenden Dämmerung zu betrachten.
XIII
Alexander führte sie in einen Saal, der durch mehrere Stockwerke gehend, und mit Gallerieen umgeben, an seinen hohen Wänden die Heldengestalten der Vergangenheit, gepaart mit den schönsten Frauen ihres Zeitalters zeigte.
Zunächst begrüssten sie Heinrich den Vogler, den wackern Kaiser, der der Stifter der Turniere und ihrer edlen gesetz war.
Einen Falken auf der tüchtigen Faust, der mit den sonnenhellen Augen lüstern um sich blickt, schaut der tapfere Held in seiner ritterlichen Tracht, eine rote, gekrümmte Hahnenfeder auf dem Haupt, gar fest und gebietend um sich her, während nach altdeutscher Weise aus seinem mund Verse gehen, die derb und bieder in ihrer kaum mehr verständlichen Sprache an jene unverfeinerte, aber kräftige Epoche mahnen.
Die Gräfin fand es in seiner listigen Physionomie ausgesprochen, dass es im Leben seine Freude war, die harmlosen Waldbewohner zu berücken, und mit der Leimrute, oder im betrügenden Netz des Vogelheerds ihnen das kostbare Gut ihrer Freiheit zu rauben.
Erna aber, stets m i l d e Ansichten habend, las neben dem Heldensinn, der aus seinem Auge blitzte, die väterliche Milde, mit der er einst seiner ungehorsamen Tochter Helena vergab, als sie mit ihrem Entführer, dem Grafen von Altenburg in eine böhmische Wildnis geflüchtet und zufällig von ihm, der sie fünf Jahre betrauert hatte, entdeckt worden war. Sie hielt ihn für einen fremden Ritter, denn sie erkannte ihn nicht, da er im tiefen Schmerz um ihren Verlust während ihrer langen Entfernung weder sein Haupt noch seinen Bart hatte scheeren lassen, was zu den Zügen des Grams und des vor der Zeit dadurch herbeigelockten Alters noch den wilden Ausdruck einer fast an Wahnsinn gränzenden Verworrenheit gesellte.
Er aber erkannte den undankbaren Liebling seines Herzens sogleich; doch männlich sich zusammen nehmend, lies er nicht ahnen, wie tief bewegt sein schwer gekränktes väterliches Herz war.
Und als Helena, fröhlich nach so langer Abgeschiedenheit endlich einmal wieder Kunde von der Welt und ihren neusten begebenheiten zu vernehmen, durch mancherlei fragen nach ihnen forschte, drängte nicht kindliche Liebe, Reue, oder sehnsucht das Wort über ihre Lippen, wie es Kaiser Heinrich ergehe?
Als nun der Kaiser, ihre Gesinnung auf die probe zu stellen, ihr erwiderte, dass er seit einem Jahr schon verschieden, und die zeitliche Krone mit der ewigen vertauscht habe, hoffte er vielleicht leise, eine Träne werde aus dem Auge seines Kindes als vermeintliches Todtenopfer ihm fallen.
Aber Helena schlug jauchzend in ihre hände, und freute sich, eine Waise zu sein, weil sie nun die Einsamkeit verlassen dürfe, die selbst an der Seite des Geliebten ihr drückend war.
Was wolltet Ihr denn tun, edle Frau, fragte Heinrich, wenn Ihr den Kaiser in Eurer Macht hättet, gleich wie nunmehr mich?
Wir wollten ihm das Licht heute auf eine Weise auslöschen, antwortete Helena, dass er das morgende nimmer erblicken sollte.
Nach lang geführtem Gespräch, in welchem der gekränkte Vater sich sorgsam bewachte, um sich nicht zu verraten, bettete Helena ihn sanft aus Dankbarkeit, wie sie