Seit dieser Zeit wird oft die Erziehung der Kleinen erwogen. Im ganzen wird sie, der allgemeinen Meinung nach, sehr einfach sein. Liebe und Beispiel sollen, statt aller Strafen und Ermahnungen, hinreichen; spielend die Kräfte der Kinder, sowohl leiblich als geistig, ausgebildet und beide Geschlechter, bis zum zwölften Jahre, ganz gleich beschäftigt und unterrichtet werden; auch ihre Kleidung wird dieselbe sein, ein farbiger Überwurf, nur bis zur Wade reichend. Sie werden klettern, ringen, fechten, wettlaufen, tanzen, schwimmen und an den arbeiten, nach ihren Kräften, teilnehmen. Lesen, Schreiben, Rechnen lernen sie dabei, als gesellschaftliche Vergnügungen, in den Stunden der Musse unter den schattenden Platanen oder am flammenden Kamin; Musik und Zeichnen sollen ebenso behandelt werden. Die Naturbeschreibung wird in Erzählungen vorgetragen oder auf Spaziergängen, welche besonders der leidenschaftliche Botaniker Stauffach dazu benutzen wird. An diese wird sich die Erdbeschreibung, jedoch erst später, anschliessen, geschichte am spätesten gelehrt werden. Mucius wird zu dem Ende eine kleine Weltgeschichte ausarbeiten und in Philadelphia drucken lassen. Sie wird treu, aber aus einem anderen Gesichtspunkte aufgefasst, mehr die geschichte der Völker als ihrer Führer sein. Den Helden werden ihre Lorbeerkränze nicht entzogen werden, aber der Eichenkranz des Bürgers, der friedliche Ölzweig werden eine höhere Bedeutung erhalten; der Hauch der Freiheit wird durch das ganze Werk hinwehen und darin auch angegeben werden, wodurch das Menschengeschlecht diese Himmelstochter von seinen Fluren scheuchte, mit ihr das Paradies verlor.
Mit dem zwölften Jahre werden die Mädchen zur Haushaltung und zu künstlichen arbeiten mit der Nadel und auf dem Webestuhl angeführt, die Knaben lernen die höheren Wissenschaften und die toten Sprachen; die lebenden sich zu eigen zu machen, dazu haben sie täglich, von der frühesten Jugend an, gelegenheit, denn Französisch, Italienisch, Deutsch und Englisch werden abwechselnd bei uns gesprochen. Französisch ist die allgemeine Sprache, Englisch wird bei dem Mahle und am Teetisch geredet, aus Liebe für Ellison, Lucia und Fanny, Italienisch lassen Rosalva, Antonio und Pinelli nicht aussterben, sie haben den beiden Knaben Franks und Vanhusens schon eine Menge liebkosender Worte stammeln gelehrt; mit ihren Spielgefährten, einem halben Dutzend deutscher Kinder, reden sie Deutsch. Von den höheren Wissenschaften und den gelehrten Sprachen lernt jeder dann nur, wozu seine Neigung ihn treibt oder wozu man entschiedene Fähigkeiten in ihm entdeckt, notwendig sind sie keinem. Lehrer ist jeder der Männer in seinem Lieblingsfache. So unterrichtet man jetzt schon spielend die deutschen Knaben und ein paar muntere Negerbuben; künftig werden auch diese mit den unsrigen gleich erzogen. Wie lächerlich wird einst unsern Jünglingen der Kastengeist erscheinen, mit welchem der grösste teil des Erdkreises zu kämpfen hat!
Die körperliche Erziehung der Knaben wird mit ihren zunehmenden Jahren immer sorgfältiger fortgesetzt und nichts versäumt werden, sie abzuhärten. Sie werden alle Fähigkeiten eines kriegerischen Volkes erlangen, ohne es zu wissen; besonnenen Mut, Ausdauer und Verachtung der Gefahren werden sie auf den Bären- und Wolfsjagden in den Grenzwaldungen lernen, ihre Spiele werden kriegerisch sein, ohne dass sie jemals das Wort Krieg hören, und die Regeln der besten Taktik ihnen als Regeln eines Spiels geläufig werden. Sollte jener Dämon jemals bis durch diese Wälder dringen, dann wird er ein waffenfähiges Volk finden, welches den Frieden wie die ganze Welt liebt, aber jedes Unrecht abzuwehren wissen wird; selbst unsere starken Mädchen würden den Webestuhl verlassen und mit den Waffen, dem Spielgerät ihrer Kindheit, ihre Freiheit und ihre Ehre verteidigen. Doch dahin wird es nicht kommen, der Genius der Menschheit wird diese stillen Täler schützen. Unser Leben, unser Treiben ist noch ganz dasselbe, wie ich es Dir im vorigen Jahre schilderte. Noch haben wir nirgends eine Lücke bemerkt, und ich hoffe, als ein altes Mütterchen werde ich dir nichts anders zu sagen haben als: "Wir sind glücklich."
In diesem Frühjahre machten wir unsere erste Zukkerernte in den Ahornwäldern, alles legte Hand an, selbst die Kinder. Der Ertrag ist so reichlich gewesen, dass, auch bei verschwenderischem Verbrauch, unser Bedarf auf drei Jahre gesichert sein würde. Wir schikken die Hälfte nach Louisville, auch Tabak und Farbekräuter, mit deren Erzeugung Stauffach sich emsig beschäftigt; er hat uns schon die schönsten Garne und Gewebe gefärbt. Frank erwirbt sich um das Maschinenwesen unsterbliche Verdienste, Antonio hat einen Speicher im rein antiken Stil erbaut, Vanhusen und seine Gehülfen haben uns die seltensten Früchte und Blumen gezogen, die herrlichsten Gruppen von Bäumen auf Bergen und am rand der Savannen gepflanzt, auch mancherlei Heilkräuter, nach Salvitos Anweisung, angebauet. Dieser Schutzgott unserer Nachbarn hat seine versprochene Reise den Schawanoe hinauf gemacht, und das von ihm, durch Rat und Tat, gestiftete Gute ist nicht zu berechnen. Seine chemischen Kenntnisse kommen uns überall zustatten, besonders bei der Kelter. Unser Wein verspricht ganz vorzüglich zu werden, selbst der Palmensekt und das Birkwasser sind ziemlich haltbar.
Die Feldbauer, nebst ihren weissen und schwarzen Gehülfen, haben Überfluss erzeugt, Maria und Lucia bleichen das schönste Gespinst im Sonnenstrahl und im Schimmer des Mondes, und die Seidenwürmer haben mit uns um die Wette gesponnen; auch von ihrer Arbeit werden Proben nach Louisville gehen. Das Vieh gedeihet herrlich. Mein Milchgewölbe hat Überfluss, ungeachtet mehr als die Hälfte des Mutterviehes die Kälber grossgesäugt hat. So im Schosse des Überflusses, liebend und geliebt, frei und im Frieden mit der ganzen Welt, ruhig in die Vergangenheit, heiter in die Zukunft blickend, gibt