Vollkommenheit zu bereiten versteht, und wie schon erwähnt, wird in dieser Jahreszeit Bier gebrauet und getrunken werden; mit dem Frühlinge kehren wir zur Milch zurück. Noch ist beschlossen worden, bei dem nächsten Frost Eis von dem nahen Gebirge zu holen und in der tiefsten Grotte des Felsens einen Eiskeller anzulegen, damit wir, in grosser Hitze, uns an Gefrorenem laben können. Am 14. Julius dieses Jahres wurde mein Geburtstag dadurch gefeiert, dass die Grundgesetze der Kolonie allen Einwohnern der drei Dörfer im Tempel vorgelesen und dann in einem Behältnisse unter dem Altare niedergelegt wurden. In jedem Jahre sollen sie an diesem Tage aufs neue verlesen und so soll dieser uns allen merkwürdige, mir aber insbesondere beziehungsreiche Tag auf ferne zeiten hin geweiht werden. Dieser gesetz oder vielmehr Grundsätze, einfach wie unsere ganze Einrichtung, sind nur wenige. Sie bestehen in Anerkennung eines einigen Gottes, welchen der menschliche Verstand sich nicht klar darzustellen vermag; sein Dienst ist die Erhebung des Herzens zu ihm, die Ergebung in seinen Willen, Vertrauen, Dankbarkeit gegen ihn und das Streben, gut und menschlich zu handeln; kein Götzendienst, kein Symbol soll die erhabene idee des Einigen entweihen. Seine Propheten und viele der Heiligen waren achtungswerte Menschen, deren Andenken uns teuer bleiben wird. In ihnen lebte die reine idee, mehr und minder klar, sie strebten, sie dem volk mitzuteilen, welches sie aber nur wenig verstand und die reine Wahrheit bald wieder mit bunten Zieraten umhing; sogar den Propheten, welcher sich ihm zeigte, oder dessen Bild höher hielt als den Geist, den niemand darzustellen vermag, und so den göttlichen Menschen zum Gott erhob.
Der Tempel ist der Ort, wo jede feierliche Handlung stattfindet. Hierher bringen wir am Frühlingsfeste die schönsten Blumen, am Erntefeste die vollsten Ähren aller Art, umhängen damit Säulen und Altar und werfen davon, mit Weihrauch vermischt, in die leuchtende Flamme. Am Herbstfeste brennen Oliven, Kastanien und Datteln auf dem Altar, er wird mit Traubensaft besprengt, und am Neujahrsfeste lodert höher die Flamme, von Zweigen aller Art und den köstlichsten Herzen entzündet. Lobgesänge, zum Preise des Ewigen, werden in Chören gesungen, und um den Altar kniend, steigt unser vereintes, heisses Gebet zu dem Allgütigen auf. Diese Abschnitte der vier Jahreszeiten und das Stiftungsfest sind die einzigen verordneten öffentlichen Feste. Ausserdem steht es bei jedem einzelnen, sooft er hierzu Beruf fühlt, den Ewigen anzurufen und zu ihm zu beten. Für die Abteilung der Woche haben wir die Mosaische Einrichtung beibehalten, nach sechs Arbeitstagen folgt ein Ruhetag. Sobald am Sonnabende die letzten Strahlen des Lichts hinter den blauen Gebirgen verschwinden, verlässt jeder sein Tagewerk und trägt sein Arbeitsgerät zu den Säulen des Tempels. Hier lehnt der Pflüger seine Pflugschar und das Joch seiner Stiere an, der Schnitter hängt hier seine Sichel auf, die Binderin ihren Rechen. Jeder kniet oder setzt sich auf die Stufen nieder und dankt dem Ewigen für seinen Beistand im stillen oder lauten Gebet, je nachdem er sich allein oder in Gesellschaft befindet. Der Feiertag wird mit Unterhaltungen und Spielen hingebracht; kein Geschäft wird vorgenommen, die Wartung des Viehs und die Beschickung des Herdes ausgenommen, wobei wir alle gemeinschaftlich helfen. Am Montage holt jeder, in aller Frühe, sein Gerät aus der Obhut des Tempels und fängt sein Wochenwerk mit dankbaren Gedanken an Gottes Schutz und Führung an. Kein Priestertum soll je die lautere Quelle unserer Überzeugung trüben. – Du schüttelst misstrauisch den Kopf, Adele! Oh, ich weiss wohl, man glaubt, die Lehre des Deismus könne in einer grösseren Gesellschaft nicht Anwendung finden, ein Wahn, welchen wir einst widerlegen werden. Warum besteht sie denn unter tatarischen Horden, bei einem geringen Grade von Bildung? Und das Priestertum? Die Pennsylvanier haben keines und sind so brav und gut, dass sie der Welt als Muster aufgestellt werden könnten. Von ihnen haben wir entlehnt oder sind mit ihnen zusammengetroffen; nur ihr finstrer Ernst findet bei uns keinen Eingang. Griechenlands kindlicher Frohsinn spielt um unsren Tempel;
"... schöne lichte Bilder
schweben selbst um die notwendigkeit,
und das ernste Schicksal blicket milder
durch den Schleier sanfter Menschlichkeit."
Der zweite Grundsatz unserer Verfassung ist völlige Freiheit und Gleichheit der vereinten Familien; nie soll darin ein Oberhaupt herrschen, und wäre ein solches einst, zu besonderem Zwecke, notwendig, so wird es gewählt, und dann erlischt seine Würde mit Erreichung des Zweckes. Alle Angelegenheiten werden durch Stimmenmehrheit entschieden. Die Verwaltung der Geschäfte der Kolonie wird verteilt, der Überfluss zu gemeinschaftlichen Zwecken verwendet. Am Genuss hat jeder gleichen Anteil und gleiches Recht. Der Gebrauch des Geldes ist im Umkreise des Staates untersagt, auch ausser demselben hat niemand Eigentum, alles ist Gemeingut. Kein Mitglied darf, vor dem vollendeten zwanzigsten Lebensjahre, die Grenzen der Republik verlassen, die Kolonie aber nur bis zu einer bestimmten Anzahl von Einwohnern wachsen; übersteigt sie diese, so bilden die älteren Söhne eine neue in dem grossem Umfange der Besitzungen. Es wird, zu diesem Endzweck, jährlich eine Anzahl Morgen von uns urbar gemacht; schon jetzt haben wir mehr, als wir bestellen mögen, und es wird manches Ackerstück in Ruhe gelegt. Die Töchterkolonien führen eine eigene Ökonomie, sind aber im übrigen, durch gleiche Grundsätze und gleiche Vorteile, auf das engste mit der Muttergesellschaft verbunden; ihr etwaniger Überschuss fliesst zur allgemeinen Kasse. Alle Menschen ausser den Grenzen unserer Republik werden als unsere Brüder betrachtet. Ihre Lebensweise passt nicht zu