Mut, uns zu begleiten, aus Scheu vor den Chickasaws und den Irokesen, welche unsere Grenznachbarn sind. Zephyrine und Philippine waren die ersten, welche sich erboten, mit uns die Gefahr zu bestehen, sie wollen ihren Hühnerhof Corallys Sorgfalt übergeben; auch die mutige Rosalva und die sanfte Marie werden sich an uns anschliessen, indem die Liebe für ihren William über der letzteren natürliche Furchtsamkeit siegt. Wir werden in einer Barke den Schawanoe hinauffahren, so weit er schiffbar ist, um so auf die leichteste Art unsere Lebensmittel mitzuführen und eine Partie Tabak, welcher, beiläufig gesagt, ganz vortrefflich geraten ist, als Geschenk für die Wilden, wenn uns benachbarte Stämme begegnen sollten. Alles ist Leben und Bewegung zu dieser kleinen Ausflucht, es wird gebraten und gebacken, als gelte es eine Reise um die Welt; und doch werden wir kaum zehn bis zwölf Meilen machen, aber ganz durch Einöden und auf mancherlei Krümmungen. Unsere Schiffahrt und unsere Wanderung sind glücklich vollendet. Ellison war auf beiden unser Führer, Marie blieb mutig an seiner Seite, John und Humphry begleiteten uns. Nach einem Wege von andertalb Meilen floss der Schawanoe durch einen dichten Wald oder kam vielmehr aus ihm uns entgegen, und an einigen Stellen fassten blühende Wiesen die Ufer ein. Als wir gegen Abend an einer derselben gelandet waren, bemerkten wir in dem nahen Gebüsch einige Wilde; John wurde ihnen entgegengeschickt, aber die Nacht brach an, ohne dass er zurückkehrte. Wir gerieten in die lebhafteste Unruhe, schliefen nur abwechselnd und wenig und erwarteten mit sehnsucht den Morgen. Herrlich ging die Sonne über der Wildnis auf, und vielartige Papageien durchhüpften die Zweige und sonneten am Morgenstrahl ihr buntes Gefieder; für uns Unruhige ging die Schönheit dieses Schauspiels fast verloren. Endlich, nach mehrstündigem Harren und nachdem man den Saum der Gebüsche vergebens durchspäht hatte, jauchzte uns der sehnlich Erwartete aus weiter Entfernung zu. Bald wurde er, in Begleitung von wohl zwanzig Wilden, sichtbar, zu deren einige Meilen entferntem Lager man ihn gestern abend geführt hatte. Die Wilden gehörten zu dem Stamm der Chickasaws, und ihr Oberhaupt befand sich unter ihnen. John konnte sich notdürftig mit ihnen unterreden, obgleich ihre Mundart etwas von der des Stammes abwich, welcher ihn unter sich aufgenommen hat. Sie hatten die Tätowierung erkannt, welche er bei der Aufnahme erhalten, und behandelten ihn als Bruder. Wir wurden von ihnen sehr freundschaftlich begrüsst, und sie rauchten mit unseren Männern die Bundespfeife. Von ihnen erfuhren wir, dass eine Tagereise jenseits des Flusses sich Salzquellen befinden, aus welchen sie eine Menge Salz gewinnen, welches freilich noch einiger Reinigung bedarf, dann aber vortrefflich werden wird. Sie schenkten uns einen Beutel voll, und wir gaben ihnen dagegen Tabak, Backwerk und einiges buntes Töpfergerät, mit welchem Tausche sie höchst zufrieden schienen. Sie erklärten uns für viel bessere Nachbarn als die, welche mit ihnen gegen Süden grenzen, wahrscheinlich die Spanier. Von jenen, klagten sie, wären ihnen die Pocken mitgeteilt worden, welche jährlich so viele ihrer Brüder hinrafften und ihrem ganzen Geschlechte den Untergang drohten. Salvito liess sich mit ihnen über diesen Gegenstand, mit Johns hülfe, in ein langes Gespräch ein. Er suchte ihnen den Nutzen der Kuhblatternimpfung begreiflich zu machen und liess sie die Narben sehen, welche wir fast alle davon an den Armen tragen. Die Sache schien ihnen am Ende einzuleuchten, und auf Salvitos Zureden entschlossen sich einige der jüngern und die Weiber, welche diese Krankheit noch nicht gehabt hatten, sich impfen zu lassen. Salvito trug, aus löblicher Vorsicht, ein Gläschen mit Lymphe und das nötige Impfgerät bei sich. Ehe wir Abschied nahmen, um den Fluss weiter hinaufzufahren, versprachen wir ihnen, auf dem Rückwege hier wieder anzulegen, und liessen uns dagegen das Wort von ihnen geben, sich alsdann wieder einzufinden und sowohl alle Kinder ihres Stammes als auch die Erwachsenen, welche die Krankheit noch nicht gehabt hatten, mitbringen zu wollen. Auf unsrer Fahrt belustigte uns der Fischfang einige Stunden, auch schossen die Jäger mehrere Wasservögel; um Mittag landeten wir, das Mahl zu bereiten, und schifften erst in der Kühle des Abends weiter. Nicht lange mehr vermochte, am folgenden Tage, der seichter werdende Fluss unsre Barke zu tragen; wir verliessen sie daher, verteilten die Lebensmittel und wanderten fröhlich neben dem Ufer hin. Nach Eintritt der Nacht machten wir uns das Vergnügen, bei Fackelschein Krebse zu fangen. Malerisch schön wirkte die Erleuchtung gegen die dunklen Waldgruppen, und Pinelli konnte sich nicht entalten, das herrliche Nachtstück aufzunehmen. Der nächste Morgen führte uns einen Haufen Irokesen zu, welche der Rehjagd wegen den Grenzwald zu besuchen kommen. Ihnen hatte ehemals diese ganze Gegend gehört und war ihnen späterhin von der Ohio-Gesellschaft abgekauft worden, da ihre Bevölkerung abgenommen hatte. Sie kannten noch alle Wege durch den Wald und die Wechselplätze des Wildes; in ihrer Begleitung gingen wir ein beträchtliches Stück in diese kaum durchdringliche Wildnis hinein. Diese Uramerikaner, welche man Wilde nennt, sind äusserst gutmütige Menschen, und ihre Sitten beschämen die der Europäer. In dem nördlichen Kanada mag die Not und die rauhere natur sie wohl gefühlloser und roher machen, doch hier trifft man nur Züge der sanftesten Menschlichkeit. In der Kultur sind sie freilich rückwärtsgegangen, wie ihre Sagen und die Denkmäler am Ohio deutlich beweisen. Schauderhafter Gedanke, wenn einst Europas Verfeinerung auch so bis auf die schwächsten Spuren verschwände! Und doch liegt in dem ewigen Wechsel der Dinge nur zu viel, was