die köstlichste Butter bereiten. Auch für das Käsestellen, -schöpfen und -pressen sind leichte Vorrichtungen erfunden. Nichts gleicht dem Wohlgeschmack unseres Milchwerks und unserer Käse, und Terese und ich freuen uns nicht wenig, wenn bei dem Frühstück alle in laute Lobeserhebungen darüber ausbrechen. Die Herden werden von den Negern mit den ihrigen gehütet, und das Milchvieh wird von den Negerinnen gemolken, dicht neben der Grotte. Stauffach und Walter versichern, dass selbst das Schweizer Vieh der fettesten Alpen nicht so viele und so gute Milch liefere als das unsere. Die Schafmilch ist ganz vorzüglich und der Ziegenkäse unübertrefflich. Dabei bedarf das Vieh das ganze Jahr hindurch keiner Wartung. Nach Johns Aussage fiel den Winter hindurch nicht ein einziges Mal Schnee, einige Regentage bildeten den Übergang der Jahreszeit, darauf folgte Reif und ein leichter Frost, dessen Spuren jedoch die Sonne schon nach wenigen Stunden verschwinden liess. Diese Wintertemperatur dauerte kaum vier Wochen, worauf die Bäume neu trieben und das junge Gras unter dem alten hervorwuchs. Wir werden daher auch nur eine Kleinigkeit an Heu sammeln, welches sonst nie geschehen ist, um den Tieren, zur besseren Erhaltung ihrer Gesundheit, an Regentagen und wenn Reif fällt ein Morgenfutter geben zu können.
Du solltest uns sehen, liebe Adele, wie nett uns die Geschäftigkeit kleidet. Wir vergleichen einander oft mit den Mädchen in der "Odyssee" oder mit Labans Töchtern, wenn wir zum Brunnen gehen und schöpfen und der Lorbeer neben uns säuselt. Zephyrine vorzüglich ist reizend in ihrem gefiederten Reiche, wenn sie mit dem Futterkörbchen hineintritt und das ganze Heer sie jubelnd umringt; Täubchen setzen sich ihr auf die Schultern, und sie koset mit allen auf das anmutigste oder tritt mit dem Ansehen einer Königin zwischen kämpfende Hähne, um sie zu trennen. Die herzige, muntere Philippine erfreut sich an dem Spiel ihrer reizenden Gefährtin, und beide tändeln in Kindesunschuld ihre Stunden hin. Die sanfte Marie und die stille Lucia sondern die Baumwolle, wenden den röstenden Lein und Hanf, bringen ihn unter die Klopf, Schwing- und Hechelmaschinen und freuen sich schon auf die Zeit, wo er als Gewebe, unter ihrer Aufsicht, bleichen wird. Rosalva und Fanny sammeln in der Morgenfrühe Gemüse und Früchte für die Küche und gegen Abend für die Vorratsgrotte. Die Hausmütterchen bereiten das Mittagsmahl, wobei auch wir ihnen beistehen, wenn unsere Geschäfte früh vollendet sind und sie unser bedürfen. Der Mittag versammelt die ganze frohe Gesellschaft unter den dichtbelaubten Platanen um den steinernen Tisch. Die Geräte sind einfach, das Tischzeug fehlt, aber die speisen sind trefflich bereitet. Feine Gemüse, saftiges Fleisch, herrliche Braten von Geflügel und wild, Fischspeisen, Backwerk aller Art und ein Nachtisch der auserlesensten Früchte würden auch dem verwöhntesten Schmecker genügen. Der Becher geht umher und belebt den Scherz. Jetzt ist er noch vom mitgebrachten Vorrat gefüllt, künftig perlt eigener Wein, Palmensekt, Birk- und Ahornwasser darin; jetzt ist Milch und des Quells Kristall an seiner Stelle gesunder.
Die Nachmittagsstunden gehören der Ruhe und der Erholung. Erst wenn die Sonne tiefer sinkt und ein kühleres Lüftchen weht, widmen wir noch eine oder ein paar Stunden der nötigen Arbeit. Mit ihrem Untergange hören die Geschäfte auf, man versammelt sich zur kalten Abendkost, welche aus Milch, Eiern, Butter, Käse, Honig und Backwerk besteht. Darauf wird Musik gemacht, getanzt, gespielt, bis der Mond oder die Sterne uns spät zur Ruhe leuchten. So fliessen unsere Tage einförmig, aber reich an Freuden dahin. Die Einrichtung der Deutschen, wie der Neger, ist der unsrigen gleich. Mucius erwirbt sich um ihre Ausbildung ein hohes Verdienst; er hat einige Tage festgesetzt, wo er ihnen, unter der Form freundschaftlicher Betrachtung, die zweckmässigsten Lehren gibt. Besonders sorgt er für die Erziehung der Jugend und wird eine eigene Bildungsanstalt gründen, in welcher sie für jetzt allein, künftig mit unsern Kindern gemeinschaftlich Unterricht erhalten wird. Der Lehrstunden werden nur wenige sein, und jeder der Männer wird in seinem Lieblingsfache unterrichten. Bei den Alten nehmen wir jetzt selbst in manchen Stunden Unterricht, besonders wir Frauen. Zum künftigen Winter werden wir geschickte Weberinnen besitzen. Das Material fällt uns fast von selbst in die Hand; die Schafschur ist über alle Erwartung günstig gewesen, die Baumwolle von der besten Gattung, der Lein fein und stark; Spinnmaschinen liefern das Garn. Die Witterung ist in den Sommermonden so gleich, dass die Seidenraupe im Freien fortkommt; der erste Versuch damit ist sehr genügend ausgefallen, wir haben keine andre Mühe damit, als die Kokons zu sammeln und sie unter die Haspelmaschine zu bringen.
Bei allen arbeiten, welche viele hände auf einmal erfordern, helfen Deutsche und Neger gemeinschaftlich mit solcher Bereitwilligkeit, dass wir ihre Dienstleistungen eher abzulehnen als zu erbitten haben. Aber auch wir helfen ihnen, wenn es not tut, und wie sie die Güter der natur mit uns teilen, so benutzen sie auch die Vorteile unserer Maschinen- und Mühlenwerke mit demselben Rechte als wir. Wir behandeln sie als Brüder, und sie betrachten die Männer fast wie Väter.
Die Getreideernte ist überreich gewesen. Die Dreschmaschinen sind im Gange, und die Kornmühle klappert, hoch aufgespeichert liegen die goldenen Kolben des Mais; die Trauben schwellen, die Äpfel röten sich und versprechen köstlichen Zider. Wir haben das Erntefest gefeiert und werden noch vor dem Herbstfeste eine Wanderung längs unserer südlichen Grenze hin unternehmen, welche die meisten der Männer noch nicht kennen. Von den Frauen haben nur wenige den