dem Schöpfer der Welten für dies kleine Asyl und flehten ihn, uns hier lange und glücklich vereinigt zu erhalten. Dann traten wir alle aus unsern Hütten und gingen vereinigt zu der grossen Halle, welche die gemeinschaftliche Küche und den Versammlungssaal entält. Auf dem Herde wurde das Feuer entzündet, Weihrauch und Mais hineingestreut und weihend der Herd mit Milch und Wein besprengt. Nun wurde das Mahl gemeinsam bereitet und gemeinsam an der langen, mit Blumen bestreueten Tafel verzehrt. Der Mond blickte hell durch die offenen Fenster und leuchtete uns erst spät zu unsren verschwiegenen Hütten. Mit der Sonne dem Lager enteilt, kleidete sich jeder, nach Übereinkunft, in die gewählte LandesGlänzend in der Morgensonne, lag auf einer sanften E w i g e n , E i n z i g e n ; ein breiter Marmorrand schliesst oben die Vertiefung ein, wo die Opferflamme lodert. Hier hingen wir unsere Kränze an dem Altar und den Säulen auf, Mucius zündete das Feuer an und sprach: "Wir weihen diesen Tempel dem Ewigen, dem Schöpfer und Regierer des Weltalls, der in jeder Menschenbrust wohnt! Ihm weihen wir unsere Herzen! Wir erkennen, dass menschliche Vernunft sich nicht bis zu ihm erheben kann, sowenig als wir uns von der Ewigkeit und Unendlichkeit einen klaren Begriff zu machen vermögen, dass also die verschiedenen Vorstellungen und Myten der Völker menschliche Erkenntnisse sind und mehr und minder irren, dass aber in allen eine und dieselbe Wahrheit herrscht. Er ist unser Schöpfer und Erhalter, der Geber alles Guten, i h m sind wir Dankbarkeit und Ergebung schuldig." Wir knieten alle um die heilige Flamme, und im stillen, heissen Gebet erhoben sich unsre Herzen zum Ewigen. Fröhlich kehrten wir zurück zum einfachen Frühmahle. Dann durchgingen wir unsere nächsten Umgebungen, ein wahres Paradies, in welchem sich fast alle Zonen des Erdkreises zu verbinden scheinen. Italiens Orangenbäume duften dicht neben den deutschen Eichen; die Dattelpalme Asiens und der südliche Kokos verschmähen die Nachbarschaft der nordischen Tanne nicht, und Libanons Zeder prangt neben den heimischen Tulpenbäumen, Zypressen, Lerchenbäumen und Pappeln; Ahorn, Buchen, Platanen und die weisse Birke, der Sumach und die Tamarinde, Kastanien-, Nuss- und Mandelbäume stehen einzeln und gemischt in malerischen Gruppen. Alle Obstarten der bekannten Welt gedeihen hier in einem hohen Grade der Veredelung. Kirschen, Aprikosen, Apfelsinen, Pfirsichen, Pflaumen, Birnen, Äpfel, Pisang und Bananen gibt es in grosser Menge; Stauden- und Rankengewächse, voll Blüten und Beeren, laden alle Sinne zum Genuss. Myrten und Rosengesträuche bilden die Hecken um die umhegten, mit Sorgfalt angelegten Pflanzungen, wo Vanhusen die köstlichsten Ananas und Melonen zieht. Auch den Kaffeebaum und die chinesische Teestaude hat der Mühsame hierher verpflanzt, und es ist Hoffnung zu ihrem Gedeihen. Der Mais steht mit seinen breiten Blättern in Manneshöhe da, und das wallende Korn neigt die schweren Ähren zu Boden. Kartoffeln und Yams wetteifern an Ergiebigkeit; die Baumwollenstaude, Lein und Hanf streiten um den Vorzug; auch die feineren Gemüse fehlen nicht, und was mich vor allem entzückt, ich habe den Öl- und den Maulbeerbaum meiner Provence und die köstlichsten Rebenhügel wiedergefunden. Wir könnten hier ebenso wie Moses' erste Menschen ein Leben ohne Mühe und Arbeit führen; für alle unsere Bedürfnisse hat die überreiche natur im Überfluss gesorgt. Die Dattel, der Kokos, die Kartoffel, die Yams, die Kastanie würden uns nie Mangel leiden lassen; die saftigsten Früchte wachsen ohne Pflege, der Zuckerahorn und die Palme bieten ihren süssen Saft, der Schawanoe führt die schmackhaftesten Fische und Krebse, die Herden und das Geflügel suchen und finden leicht ihre Nahrung, und die Wälder wimmeln von wild. Das wahre Glück kann nur bei den Tätigen wohnen, und das wohltuendste Gefühl ist das Gefühl des erfüllten Berufs. Wir haben daher unsre Zeit klüglich zwischen Arbeit und Erholung und die verschiedenen Zweige der grossen gemeinsamen Haushaltung wieder unter uns geteilt. Mucius, Walter und Ellison haben die Besorgung des Ackerbaues übernommen, Pinelli, Stauffach und Vanhusen warten der Baumpflanzungen, der Gartengewächse und der Rebenhügel, Salvito und Dupont führen die Aufsicht über die Herden, und Frank und Antonio sorgen für Wildbret und Fische. Die beiden Mütter haben sich das Küchengeschäft nicht nehmen lassen, die rasche Terese und ich besorgen die Milchkammer, Zephyrine und Philippine den Hühnerhof, Rosalva und Fanny sammeln die Früchte ein, und die Bereitung der Baumwolle, des Leins und Hanfs steht unter Mariens und Luciens Aufsicht. Jeder ist nach seiner besonderen Neigung und Fähigkeit angewiesen, und hüpfend und singend wird die leichte Arbeit vollbracht. Die neuen Maschinen, über deren Verbesserung und Vermehrung Frank, Walter und Antonio vieles beraten, haben die meisten Geschäfte weniger beschwerlich gemacht. Die verschiedenen Arten der Pflüge machen die Hacke fast entbehrlich, und an Zugstieren haben wir Überfluss.
Mein Milchgewölbe ist in einer Felsengrotte, durch welche eine immersprudelnde Quelle sich ergiesst. Bei der jetzigen Hitze stellen wir die Gefässe mit Milch auf vierundzwanzig Stunden in den flachen Bach, um dadurch das zu schnelle Gerinnen zu verhüten. An einer tieferen Stelle desselben werden die leeren Gefässe gespült, nachdem sie zuvor in heissem wasser gereinigt sind. Wenige Schritte davon bildet der Bach einen Wasserfall, welchen Frank zur Treibung eines Rades benutzt hat und dadurch die Buttermaschine in Bewegung setzt. In diesem wird auch die Butter gewaschen, dann unter eine Presse gebracht und, mit einem kammähnlichen Instrumente, von allen Fasern gesäubert. So ist die Mühe nicht gross, mit welcher wir