Ohio zu ziehen, gewinnt immer mehr Festigkeit; selbst Ellison will sein und seiner Schwester Vermögen aus der Handlung nehmen und uns begleiten. Die Männer gedenken noch in diesem Herbst eine Reise dahin zu machen und das Nötige zu ordnen. Wir zärtlichen Dulzineen werden ihre Rückkunft mit sehnsucht erwarten, denn unsre Herzen stehen sämtlich unter Amors Macht, und der Frühling wird mehr als ein Eheband knüpfen. Philippine und Pinelli werden Mucius und mich zum Altar begleiten, wahrscheinlich auch William und die sanfte Marie Frank; Salvito wirbt um Terese Frank, und Antonio, der Veroneser, scheint die schöne Florentinerin Rosalva zu lieben. Noch ein liebendes Paar ist, seit einigen Tagen, zu uns gekommen: Dupont, ein Franzose, ist mit seiner jungen Braut hierher geflüchtet, um ein Bündnis zu schliessen, dem in ihrer Heimat grosse Hindernisse im Wege standen. Er ist Protestant, und die beginnenden Verfolgungen seiner Glaubensgenossen drohten ihn auf immer von seiner katolischen Geliebten zu trennen. Welch ein Verein von jungen, muntern Kolonisten! Noch nie ist wohl ein kleiner Staat unter so günstigen Vorbedeutungen gegründet worden. Die kühlere Herbstluft hat den Fieberstoff zersetzt, und die Besorgnis einer allgemeinen Ansteckung ist verschwunden, es zeigt sich keine Spur mehr davon. Unsre Geliebten sind abgereist, von John und seinen Söhnen begleitet, Humphry ist zu unsrem Schutze hiergeblieben. Wir verlassenen Frauen vertreiben uns die Zeit, so gut es sich tun lässt; wir gehen und fahren aus, machen Musik und arbeiten. An Stoff zur Unterhaltung fehlt es uns nicht. Die furchtsamen Weibchen zittern vor den Gefahren, welche ihre Männer in dem wüsten land treffen könnten, und nehmen mit ihren tausend fragen ihre Zuflucht zu mir, ich bin ihre Heldin, die allen Mut zuspricht. Ich darf reden, meinen sie, denn ich habe ja die Gebirge durchreist, habe die Wasserfälle gesehen und die Wilden, Gazellen und Wölfe, ja selbst in einiger Entfernung einen Bären, und ich lebe noch. Was noch mehr, ich sehne mich in die Urwälder zurück, in die Freiheit des goldenen Zeitalters. Meine Beredsamkeit reisst alles mit sich fort; man wünscht die Zeit herbei, wo der Völkerzug beginnen soll, unfehlbar geschieht dies in den ersten Frühlingstagen. Es scheint, als ob wir auch noch ganz junge Kolonisten mitnehmen sollten. Die junge Frank und Vanhusens niedliches Weibchen sind guter Hoffnung. Wir Mädchen haben uns vereinigt, den kleinen Ankömmlingen eine förmliche Aussteuer zu bereiten, und da ist denn ein Wetteifer im Sticken, Stricken und Nähen, dass es eine Lust ist, unsern emsigen Zirkel zu sehen, welcher sich um den flammenden Kamin bildet oder um den dampfenden Teetisch. Hin und her gaukelt das freundliche Kosen, manch neckendes Wort von den Lippen der schalkhaften Weibchen rötet die Wangen der Mädchen. Zephyrine, meine junge, muntre Landsmännin, vergilt ihnen Arges mit Argem und überflügelt sie oft mit ihrem Witz. Dies liebliche Mädchen hat die Neigung aller im vorzüglichen Masse. Sie nennt sich selbst unser verzogenes Kind, spielt tausend kleine Eulenspiegelstreiche, und wir lieben sie darum nur desto mehr. Sie gleicht ihrem Namensbruder, dem Westwinde, der unter Blumen spielt und Balsamdüfte stiehlt und gibt. Freude über Freude! Unsre Ritter sind glücklich zurückgekehrt und haben die frohesten Nachrichten mitgebracht; alles ist vortrefflich gefunden worden. Ellison und Mucius haben noch einen grossen Bezirk hinzugekauft, wovon der kultivierte teil mit Walters Erbschaft zusammenhangt. John und seine Söhne sind zurückgeblieben, um über die Arbeiter die Aufsicht zu führen, wozu Walter Tagelöhner aus Louisville gedungen hat. Unser Baumeister hat die Risse zu den vorläufigen Gebäuden entworfen, und auch diese werden wir, durch den Fleiss reichlich bezahlter Handwerker, fertig finden. Dann aber werden wir aller Aussenhülfe entsagen, und die junge Kolonie wird für ihre Bedürfnisse selbst sorgen. Hierzu werden alle nötigen Vorkehrungen getroffen. Alles ist voll Leben und Tätigkeit, wir alle sind nur von einem grossen Gedanken begeistert. Mucius entwirft den Plan zu einem kleinen staat, in welchem Freiheit und Gleichheit verwirklicht werden sollen; jeder Abschnitt des Entwurfs wird der Generalversammlung, in welcher auch wir Weiber eine halbe stimme haben, vorgelegt und, nach Stimmenmehrheit, angenommen oder abgeändert, und ich denke, es wird eine Verfassung zustande kommen, woran mehrere Menschenalter nichts zu flicken finden werden. Ewig ist am Ende nichts, selbst das Sonnensystem bekommt nach Jahrtausenden einen andern Polarstern.
Unsre jungen Weibchen sind von zwei muntern Knaben entbunden worden. Wir werden den Tag, an welchem ihnen Namen beigelegt werden sollen, mit der Vermählung sämtlicher Paare feiern und erwarten dazu nur die gänzliche Wiederherstellung der Mütter. Auch wir haben manches zu beschicken für den neuen Haushalt, welcher zwar sehr einfach, aber doch äusserst bequem eingerichtet wird; selbst unsre Kleidung wird gänzlich umgestaltet.
Der Mechanikus ist beschäftiget, unter den erfundenen Maschinen die zweckmässigsten zu wählen; denn in einer jungen Kolonie allein ist es von unbestrittenem Vorteil, Menschenkraft und hände zu ersparen. Es wird jetzt von nichts gesprochen als von Säemaschinen, Dreschmaschinen, Spinnmaschinen, Webemaschinen usw. Auf der andern Seite zieht Walter Erkundigungen ein, wo die besten Arten des Rindviehes, der Schafe usw. zu haben sind. Vanhusen handelt Sämereien, Setzbäume und Pfropfreiser ein. Johns ganze Familie (meine Corally ist verheiratet) nebst noch zwei Schwägern und ihren Kindern rüsten sich zum Aufbruch und werden uns begleiten, sechzehn Neger und Negerinnen, die Kinder ungerechnet. Sie werden ein Dörfchen in der Nähe des unsrigen beziehen und uns beim Feldbau zur Hand gehen, auf welchen