Gebirges sehr ergiebig ist. John wurde sehr bald von ihnen als ihr Bruder erkannt, und die Freude war von beiden Seiten unbeschreiblich. Er zeigte ihnen seine Kinder, und sie erklärten, dass diese auch die ihrigen wären. Sie brachten uns mit grosser Gastfreiheit die Beute ihrer Jagd zum Geschenk; wir bewirteten sie dagegen mit Rum und gekochten speisen und teilten unsern Vorrat an Reis und Zwieback mit ihnen, unsre Männer gaben ihnen den grössten teil ihres Tabaks. Ich schmückte die Weiber mit allem, was ich an Glasperlen, einfachen Ringen, Bändern und entbehrlichen Tüchern besass; das Freundschaftsbündnis war in kurzem auf das engste geknüpft. Sie lagerten sich in unserer Nähe und geleiteten uns heute eine ganze Strecke. Der Abschied schien ihnen sehr wehe zu tun, doch trösteten sie sich mit der Hoffnung, uns bei unserer Rückkunft von dem grossen Wasserfalle, wohin wir nach ihrer Meinung wallfahrten, um den Grossen Geist anzubeten, wiederzusehn. Auch John war geder natur, und er hat mir nachher wiederholt versichert, dass, wenn er nicht Frau und Kinder daheim hätte, er der Versuchung kaum würde haben widerstehen können, mit ihnen in ihr Land zurückzukehren. Ich begreife leicht, wie anziehend diese ungebundene Lebensart für den sein muss, welcher die Sprache dieser Völker kennt und seine Bedürfnisse noch nicht zu weit über die ihrigen hinaus gesteigert hat.
Den 11. Julius
Wir sind heute zu einer mittelmässigen Meierei gelangt, welche an den Ufern eines kleinen Flusses liegt, der sich ungefähr vier Stunden von hier in den Eriesee ergiesst. Der Boden ist sehr fruchtbar, der Mais steht vortrefflich und verspricht einen fünfzigfältigen Ertrag. Obstbäume umgeben die niedere wohnung und verstecken sie fast, alle beugen ihre Zweige unter der Last der Früchte. Kirschen, Aprikosen, Birnen, Melonen sind von ganz vorzüglicher Güte, die Pfirsich rötet sich schon, und der Zider wird gewiss ebenso trefflich und reichlich gewonnen werden als im vorigem Herbste. Wir trinken jetzt davon und werden unser fast geleertes Flaschenfutter damit füllen. Auch herrliches Gemüse gibt es hier. Kühe weiden umher, und an Geflügel fehlt es nicht. Die natur versorgt diese glückliche Familie mit allem im Überfluss, was chentlich bringt der älteste Sohn des Hauses die Produkte, welche man nicht verzehren kann, auf einem einspännigen Karren nach Venago, welches fünf Stunden entfernt ist. Die Familie besteht, samt den Kindern, aus neunzehn Personen, worunter zwei deutsche Knechte sich befinden, welche sich auf sechs Jahre vermietet haben; dies ist bei dem ärmern teil der Ausgewanderten sehr gebräuchlich. Nach Ablauf der Dienstzeit erhalten sie eine Summe Geldes, Vieh, Getreide und dergleichen, um sich anzusiedeln. Bis dahin werden sie völlig zur Familie gerechnet und den Söhnen des Hauses gleich behandelt, genährt und gekleidet. Heiterkeit und Frohsinn malt sich auf allen Gesichtern der hiesigen Hausbewohner, und ich muss sie glücklich preisen in ihrer Abgeschiedenheit, welche sie gegen die tausend Plagen der Gesellschaft sicherstellt. Nur selten kehrt hier ein Reisender ein, wird aber dann auch mit der grössten Gastfreundschaft empfangen, und man gedenkt seiner noch lange. Als etwas Seltenes wurde bemerkt, dass in dieser Woche schon zwei Fremde, nebst ihrem Führer, hier gewesen, welche gleichfalls nach dem Wasserfall wallfahrten. Wie es scheint, waren es Maler, denn der eine hatte die Landschaft gezeichnet und der zweiten Tochter ein kleines Stück von seiner Arbeit zum Andenken geschenkt. Das muntere Mädchen lobt deshalb ihn am meisten, während ihre ältere Schwester seinen schwermütigen gefährten rühmt. Wir haben uns hier mit einer grossen Menge frischer Lebensmittel versehn, es ist mir aber kaum gelungen, den guten Leuten den wahren Wert aufzudringen.
Den 13. Julius
Wir sind nur noch drei Stunden vom Niagara entfernt und hören den Fall wie das Rollen eines mächtigen Donners. Schon gestern den ganzen Tag tönte sein Getöse in der Ferne, und in der Nacht hinderte es mich lange am Schlaf. Wir haben hier haltgemacht, weil ich erst morgen zur Stelle kommen will; ich habe mir dieses grosse fest zu meinem Geburtstage aufgespart. Tausend Erinnerungen und Gefühle werden da auf mich einstürmen an diesem merkwürdigen Tage, wo die Kraft meines Volkes hochaufschäumte, wie diese Flut die türmenden Felsen überwand und dann auch in den Abgrund fiel. Wird dieser mächtigen Welle eine zweite folgen? Es würde mir sehr unlieb sein, wenn ich morgen die beiden Reisenden dort fände, von welchen man in Woodhouse erzählte; ich wäre gern allein. Heute sahen wir in einer ziemlichen Entfernung einige menschliche Figuren auf einer Hügelspitze sitzen. Ismael, dessen Auge am weitesten trägt, behauptete, sie schrieben, wie ich es oft abends Mein Herz fühlte sich zu ihnen hingezogen, so mächtig wirkt der Trieb der Geselligkeit im Menschen überall, und doch möchte ich, wie gesagt, gerade morgen nicht gern mit ihnen zusammentreffen, an einem Tage, wo ich so viel abzumachen gedenke mit meinem eigenen Herzen. Mein ganzes Leben wird mit den Bildern aller meiner Geliebten an mir vorübergehen. Hier will ich das Trauerfest feiern um meine teuern Verlorenen, und hier, wo der rohe Irokese betet zu dem Grossen Geist, will auch ich zu ihm beten, dass er mich erleuchte in dem, was mir not tut. Noch immer erhält sich in mir die Ahndung, als werde hier der Wendepunkt meiner Gefühle sein, kaum werde ich schlafen können vor unruhiger Erwartung. Schon jetzt klopft mein Herz höher und schneller mein Puls – ich bin ein Kind, was wird's denn sein?
Ich muss etwas Kühlendes trinken und