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Menschenmenge: "G u t e n M o r g e n , V a t e r O s w a l d ." Dann folgte ihm Alles in die Kirche.

Hier hielt der Herr Pfarrer Roderich nach vollbrachter Taufhandlung eine schöne Predigt über die Pflicht öffentlicher Dankbarkeit des volkes gegen eine gute Obrigkeit. Er schien noch nie so begeistert und salbungsreich geredet zu haben. Wort auf Wort traf die Herzen. Es war im ganzen Volk die tiefste Andacht und wachsende Rührung. Jeder hielt an sich, seine Tränen zu unterdrücken. Als nun aber der Herr Pfarrer aus Schlussgebet kam, und er da die bebende stimme zu Gott erhob für die gute Obrigkeit von Goldental, wobei Jeder im Stillen an Oswald dachte; als nun der Herr Pfarrer selber die Bewegung seines Gemüts nicht länger zurückzwingen konnte, und ihm unter Tränen der Name Oswald entschlüpfteda ward lautes, heftiges Schluchzen in der ganzen Kirche. Da nun dachte Jeder an das Alles, was dieser Oswald der Gemeinde getan und gestiftet; Jeder erkannte in ihm den Urheber des allgemeinen Glückes. Der Pfarrer konnte nicht mehr reden. Er schloss; er sprach den Segen über die fromme und dankbare Gemeinde. Niemals war in Goldental mit höherer Inbrunst ein Gesang gesungen worden, als diesmal aus dem Anhangbüchlein der Vers: Für das Leben der Obrigkeit! – gegen Himmel stieg.

Der gute Oswald, sehr verlegen und beschämt, und doch froh gerührt, konnte kaum aufsehen, da er aus der Kirche ging, und begab sich, tief sein Haupt gesenkt, durch die grüssende Menge zu seiner Elsbet. Er konnte kaum reden. Zum Mittagsmahl waren bei ihm seine Schwiegerältern und der Herr Pfarrer, der Schulmeister und die beiden Mitvorgesetzten. Die erzählten, dass fast in allen Häusern des Dorfes Gastmähler gehalten würden, wozu Einer den Andern eingeladen habe; die Aermern speiseten bei den Reichern. Oswald schüttelte den Kopf und sprach: "Das ist mir der Ehre allzuviel; ich habe es nicht verdient."

Doch die allgemeine Freude machte auch ihn wieder froh und wohlgemut. Er ging gegen Abend, begleitet von seinen Gästen, hinaus ins Dorf, und ging da von Haus zu Haus, und setzte sich zu jeder Familie einige Augenblicke und dankte Allen für so viel Liebe. Goldental war voller Fremden; denn man wusste in der Stadt von dem Feste, und wer konnte, eilte nun hierher, Zuschauer zu sein. Bis in die späte Nacht währte der Tanz der Jugend, man hörte aller Enden Musik und Gesang vor den Häusern, unter der Linde, unter den Blumenkränzen und in den Gärten.

Man sprach und spricht noch lange zu Goldental von diesem schönen Tage. Und Oswald hiess seit demselben nur V a t e r O s w a l d , und die liebenswürdige Elsbet hiess M u t t e r E l s b e t h .

Wahrlich, wahrlich, was im Leben Gutes gesäet wird, das findet endlich immer seinen schönen Aerntetag. Denn es lebt uns ein guter Gott, ein Vergelter voller Barmherzigkeit und Liebe.