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Als er sein Geschäft hier vollendet hatte, ging er fort und zu den übrigen einunddreissig Bundesgenossen und sagte ihnen dieselben Worte, wie dem Löwenwirt und bat um fünfhundert Gulden, wo möglich in Gold. Und Jeder freute sich, dem wackern mann endlich einmal einen Freundschaftsdienst erweisen zu können, und versprach, ihm das Geld zu bringen. Er bestellte Jeden auf den folgenden Tag des Abend um die achte Stunde zu sich.

Und sie kamen um dieselbe Stunde, da es schon dunkel war, zu ihm. Er führte sie Alle in sein Zimmer, aber es war noch kein Licht angezündet. Die Leute wunderten sich in der Stille über die Menge der Anwesenden. Oswald ging, um Licht zu holen. Und als er wieder in die stube trat, mit zwei brennenden Kerzen in der Hand, erblickten sie ihn wieder, wie sie ihn schon einmal gesehen hatten, in prächtigen Offizierskleidern, mit hohem Federbusch auf dem Hut, einem Orden auf der Brust und einem langen Säbel an der Seite. Sie sahen einander verwundert an, und sahen, wie vor sieben Jahren, dieselben Gestalten, in demselben Zimmer, um denselben Tisch, auf welchen der Offizier die Kerzen niedersetzte.

Oswald sagte darauf: "Habet ihr mir gebracht, liebe Freunde, um was ich euch gebeten habe, so leget es hier auf den Tisch."

Da traten sie Alle, Einer nach dem Andern, zum Tisch, und Mehrere bedauerten, ihm die Summe nicht in Gold zahlen zu können. Er sagte darauf liebreich: "So ist's gleichviel. Gebet, wie ihr es habet." Und sie schütteten Gold, Andere Silber auf den Tisch, Andere legten ihm gute Kapitalbriefe und Zinsschriften hin.

Darauf erhob Oswald die stimme und sprach: "Erinnert euch, es ist die Zeit der Prüfung vorüber, und die sieben Jahre und sieben Wochen sind zu Ende, von denen ich euch geredet. Und ihr habet mehr Geld auf diesen Tisch geworfen, als ich vor sieben Jahren und sieben Wochen vor euern Augen ausschüttete. Damals waret ihr kaum im stand, fünfhundert rote Kreuzer auszuleihen; in der Stadt hätte sie euch Niemand anvertraut. Jetzt habet ihr binnen vierundzwanzig Stunden Jeder fünfhundert Gulden aufgebracht, also dass sechszehntausend Gulden hier plötzlich auf dem Tisch beisammen sind. Also ist die Prüfungszeit vorüber, und ich habe euch die Kunst gelehrt, Gold zu machen. Und nun werdet ihr verstehen, was ich sagte, da ihr das erste Mal hier standet. Ich sagte aber: die Kunst ist selbst mehr noch, als das Gold, wert; denn diese Kunst ist die beste W e i s h e i t d e s L e b e n s . Bleibet euern Gelübden und Gott getreu, und euer Glück und Wohlstand wird wachsen von Tag zu Tag. Wer vom Gelübde lässt, der lässt von seinem Glück. Präget dies Gelübde euern Kindern ein, und lasset sie es halten, so werden sie Fülle haben. Nun habe ich mein Wort gelöst, das ich euch gegeben. Ihr seid darum reich, weil ihr wenig bedürfet und viel erwerbet, und weil ihr Zutrauen geniesset bei den reichen Leuten, dass ihre Geldsäcke euch offen stehen. So habet ihr Gold machen gelernt, wie Ehrenmänner Gold machen sollen. Oder habet ihr anderes erwartet?"

Sie lächelten allesammt und sprachen: "Ei nun, wir haben wohl längst schon vermerken können, wie du es mit der Goldmacherei gemeint hast. Doch als wir einmal zur rechten erkenntnis gekommen waren, schämten wir uns auch des dummen Aberglaubens, der uns vormals betörte, und wussten es dir im Herzen Dank, dass du uns auf bessere Bahn gebracht. Ohne dich und deine hülfe wären wir aber doch nie dahin gekommen."

Oswald freute sich dieser Worte und der dankbaren Herzlichkeit, mit der ihm Jeder die Hand drückte und schüttelte. Und er stellte ihnen ihr Geld wieder zu, weil er es nicht hatte gebrauchen, sondern nur ihre Zuneigung auf die probe setzen wollen. Sie aber sagten: "Gebiete über uns, wie du willst, Tag und Nacht. Denn wir Alle sind dir unser Hausglück schuldig. Sprich, wir sollen für dich durchs Feuer gehen, wir werden gehen. Sprich, wir sollen für dich sterben, und wir werden den Tod nicht fürchten."

Und wie sie sich so traulich und herzlich um ihn drängten, betrachteten sie sein schönes Kleid und den Orden auf der Brust, und hätten gern erfahren, was das bedeute.

Er antwortete: "Ich danke es euerm alten Schulmeister, meinem seligen Vater, noch in der Erde, dass er mich in vielen nützlichen Dingen und sogar im Feldmessen unterrichtete. Denn als ich unter die Soldaten kam, half es mir, nebst redlichem Sinn und herzhaftem Betragen, dass ich meinen Kameraden vorgezogen ward. Ich tat meine Pflicht und ward zuletzt Rittmeister. Und als ich in einem Treffen, da sich der Erbprinz zu weit vorwagte, denselben mit seinem Gefolge von feindlichen Reitern umgeben sah, drang ich blitzschnell mit meiner Schwadron unter die Feinde, und rettete den Prinzen. dafür empfing ich diese Wunde hier auf der Stirn, und dieses Ordens- und Gnadenzeichen auf der Brust, und als ich den Abschied beim Friedensschluss nahm, einen anständigen Jahrgehalt auf Lebenszeit. Auch hat der Erbprinz, als er unser Land durchreisete, mich nicht vergessen, und mich, wie ihr wisset, sogar im Vorbeireisen einmal besucht."

"Da ich aber heimkam nach