schwer;
Es geht nun und nimmermehr.
Oswald wusste das wohl, und war aus Erfahrung
Lass es sein, es ist zu schwer;
Es geht nun und nimmermehr.
Oswald aber dachte: P r o b i e r e n g e h t ü b e r S t u d i e r e n . Er hatte selbst seinen ehrsamen Beisitzern nichts vom ganzen Umfang des Plans erzählt; denn es waren zwar wohlwollende, brave Männer, aber ängstliche, schüchterne Leute. Darum sagte er nie mehr, a l s i m m e r s t ü c k w e i s e t w a s , das eben ausgeführt werden sollte.
Erst wurden die Armen und Bettler mit ihren Kindern aufgezeichnet und in Häusler und Spittler eingeteilt. Nun das ging. Dann wurde für jede Familie ein Vogt ernannt, und ihm vom Herrn Pfarrer erklärt, was er zu tun habe. Das kam endlich auch zu stand. Dann schaffte man Hobel, Aexte, Sägen, auch Spinnund Spulräder, Wollenkarden und ein paar Webstühle aus dem Armengut an. Das war keine Hexerei; eben so wenig der Ankauf von Wolle, das Hanf- und Flachssäen, das Einführen der Spinnerei und die Einrichtung der Spitalküche. So ward allmälig Eins ums Andere ins Werk gesetzt; man fand jedes Einzelne nicht zu schwer; so kam das Ganze zu stand, und die hohe Regierung genehmigte den Plan mit grossermunterndem Lobe. Man hat hintennach erfahren, dass selbst in der Regierung einige Herren den Plan für unausführbar gehalten und bespöttelt hatten, da derselbe schon, ohne dass sie es wussten, ins Werk gesetzt war.
Die meisten Sprünge machten anfangs die Spittler; sie wollten nicht in den engen Zellen schlafen. Man sagte ihnen aber: Arbeitet fleissig, so könnet ihr euch Wohnungen mieten oder Häuser bauen. Sie wollten aber nicht arbeiten, da kamen sie tagelang ins finstere Loch bei kalter, schmaler Kost. Das gefiel ihnen noch weniger. Einige versuchten, ihr los durch Gehorsam zu verbessern, und ergaben sich in ihr Schicksal, zumal in den Wintertagen, wo es auf der Landstrasse auch nicht angenehm zu reisen und zu schlafen war. Als sie einmal bessere Kost und bessere Behandlung genossen und die Arbeit gelernt hatten, und als sie schon in der Ersparnisskasse einige Gulden Eigentum für ihre alten Tage oder für ihre Kinder besassen, blieben sie gern da. Denn sie wollten das kleine an Zins gelegte Vermögen nicht im Stich lassen, und wurden begierig, es zu vermehren. – Andere aber liefen davon und in die weite Welt hinaus, um müssig zu gehen und zu betteln. Nun, dann war's ihr eigener Schade; die Gemeinde hatte nur den Nutzen, sie nicht mehr erhalten zu müssen. Einige von den Weggelaufenen kamen nie wieder zum Vorschein. Das war für Goldental kein Unglück. Andere wurden, als Bettler, von den Polizeibedienten des Landes aufgefangen und wieder zurückgebracht. Die besuchten zuerst das finstere Loch, und dann kamen sie wieder an die gemeine Arbeit, wie zuvor. – Binnen drei Vierteljahren war es mit allen Widerspenstigen in der Ordnung, und es gab keinen bettelnden Goldentaler mehr, ausser einige Weggelaufene in fremden Ländern.
Die Häuslerfamilien wollten sich anfangs auch auf die Hinterfüsse stellen, und den Dreck und Unflat verteidigen, worin sie zu leben gewohnt waren. Und sie klagten und schrien bitterlich über die Harterzigkeit der Goldentaler, die ihnen nicht mehr unentgeltlich wollten zu essen und zu trinken, und ihnen nicht einmal Geld in die hände geben. Allein der Hunger und das finstere Loch machten zuletzt auch die Sprödesten geschmeidig, und die Goldentaler blieben dabei: wer e s s e n will, soll a r b e i t e n ; wer es gut h a b e n will, soll gut t h u n .
Die Verwaltung des Spitals war vorzeiten kostbarer gewesen. Jetzt kostete sie nichts. Nicht der Pfarrer, nicht Oswald, nicht Elsbet wollten sich am Armengut bereichern. Die Spittler selbst mussten die angewiesenen Haus- und Unteraufsichtsgeschäfte verrichten. Ward ihnen solch ein Aemtlein vertraut, war es Belohnung ihres Wohlverhaltens; ward es ihnen genommen, war es Strafe. Einer lauerte dem Andern dabei auf den Dienst. Die Spital-Gärten und Güter gaben Nahrung genug, und auch was die armen Familien am ehemaligen Weidland zum Anteil empfangen hatten, wurde abträglicher, weil es gemeinschaftlich angebaut und besorgt ward. Die Unfleissigen bezahlten dem Spital mit dem, was sie auf dem Pachtland ärnteten, ihre Kost und Kleidung, und was sie noch erübrigten, ward in Geld verwandelt und für sie ein Schatz in der Ersparnisskasse.
Die Männer im Spital stellten sich anfangs zum Hobeln und Sägen, zum Wollekrämpeln und Weben ungeschickt genug an. Aber sie mussten lernen. Ein Meister aus der Stadt brachte das Ding bald ins Geleis; der war ein verständiger Mann und grosser Verehrer und Freund des Herrn Pfarrers. So kostete die Bekleidung der Armen dem Spitalgut wenig, und die Anschaffung von Bänken, Stühlen, Bettgestellen, Schränken und andern Gerätschaften, wie auch Ausbesserung am haus, fast nichts. Die Spittler mussten auch für die Häusler Gerät machen; so ward jede Familie damit wohl versehen und gewöhnte sich an einige Bequemlichkeiten.
So wie das Armengut und Spital dabei gewann, weil so viele hände nur für Kost und Kleidung arbeiteten, so gewannen auch die Häusler und Spittler dabei an Vermögen und Eigentum. Denn was sie ausser den acht üblichen Stunden mehr arbeiteten, konnten sie