ihren Vorteil fleissig zu sein. Die Köchinnen hatten es eben so. Elsbet führte die Oberaufsicht der Spitalküche. Hier unterrichtete sie zwei arme Frauen im Kochen. Eine andere Spittlerin hatte Aufsicht über Wäsche, Kleidung und Gerät der Spittler. – Also wurden sämmtliche Spittler zwischen F u r c h t d e r S t r a f e und H o f f n u n g d e s N u t z e n s gestellt und zu ihrem eigenen Besten hingeleitet.
Und Arbeit gab es für die Armenhaushaltung vollauf im ganzen Jahr. Vor allen Dingen mussten Spittler und Häusler gemeinschaftlich nicht nur die Gärten und Felder des Spitals bestellen, das Getreide, Kohl, Rüben, Bohnen, Salat, Erdäpfel, Flachs, Hanf, Oelpflanzen u.s.w. bauen, sondern auch gemeinschaftlich ihr von der Gemeinde empfangenes Pachtland bearbeiten. Doch behielt jeder Besitzer den Nutzen von seinem Stückchen Gemeinlandes, also dass er, nach Abzug dessen, was er ebenfalls der Armenanstalt noch für Nahrung, Kleidung und Obdach schuldig geblieben, das Uebrige verkaufen lassen konnte von seinem Vogt; der Gewinn kam in die Ersparnisskasse.
Ferner mussten die M ä n n e r Strassen verbessern; Brunnen reinigen; feuchte, moosige Stellen des Waldes durch Abzugsgraben trocken legen; für das Spital und die Häusler Holz fällen und spalten; im wald leere Stellen mit jungen Tannen, Buchen und Eichen besetzen, und sonst allerlei Maurer- und Zimmermannsarbeit zur Ausbesserung des Spitals oder der Häuslerwohnungen verrichten. Bei schlechtem Wetter oder im Winter hatten die Männer noch weit mehr zu tun. Da mussten die, welche mit Drehbank, Hobel und Säge etwas umzugehen wussten, Haus- und Küchen- und Feldgerät aller Art verfertigen. Andere lernten aus Wollen- und Leingarn ein ländliches Halbtuch weben, das sehr dauerhaft war, oder aus Hanf- und Flachsgarn Leinwand verfertigen. Immer waren einige Webstühle Winters und Sommers in Bewegung.
Die W e i b e r , selbst die Kinder der Häusler und Spittler, mussten, wenn es an Leuten mangelte, bei der Feldarbeit helfen; ausserdem bei dem Reinigen und Ausbessern der Wäsche und Kleider sämmtlicher Häusler und Spittler tätig sein; Wolle, Hanf und Flachs spinnen, oder für die Weber spulen; Strümpfe und Kappen stricken, Bettzeug und Hemden nähen, und dergleichen mehr. Alle arbeiteten für Einen, und Einer für Alle. Die Leute befanden sich dabei so gut, dass nachher noch ein paar Familien freiwillig zur Armenanstalt übergingen, da sie vorher aus Furcht erklärt hatten, sie könnten sich ohne allen Bettel und ohne Unterstützung von der Gemeinde erhalten.
Diese Einrichtung war darum sehr vorteilhaft, weil die V e r w a l t u n g nun keine Unkosten verursachte. Denn der Spittlermeister, die Unteraufseher und Köchinnen, die Mägde, Holzspalter u.s.w. kosteten nichts. Es waren Spittler. Der Pfarrer, die Vormünder, Oswald und Elsbet nahmen für ihre Liebeswerke keinen Lohn. Der brave Schulmeister, Johannes Heiter, führte unentgeldlich die Buchhaltung und Rechnung über Einnahme, Ausgabe und erspartes Vermögen der Spittler und Häusler mit ungemeiner Pünktlichkeit.
Ferner: die ganze Wirtschaft erhielt sich selbst. Die Leute pflanzten und kochten ihre Nahrung selber; spannen, woben und schneiderten ihre Kleider selber aus selbstgezogenem Hanf und Flachs; verfertigten ihre Tische, Bänke, Stühle und Holzteller, Schränke u.s.w. selber; besserten Zimmer, Gebäude und Geräte selber aus. Es wurde bald mehr Nahrung gewonnen, mehr Garn und Tuch und allerlei Gerät verfertigt, als verbraucht. Das wurde verkauft zum Nutzen der Anstalt, und für das Geld wieder eingekauft, was man an Wolle, Eisen u.s.w. nötig hatte. Die fleissigern Häusler verdienten noch ausser den gesetzlichen Arbeitsstunden durch mancherlei Arbeit oder Taglohn ein schönes Stück Geld. Das ward ihnen an Zins gelegt oder angewandt, um ihnen zur Vervollkommnung ihrer Nebenarbeiten das fehlende Werkzeug und rohe Stoffe zu verschaffen. Schon im zweiten Jahre brauchte man den Zins vom Armenfond nicht mehr ganz.
Weil die Leute bei einfacher Kost viel arbeiteten
und Männer und Weiber ohnedem fast beständig getrennt lebten, verging ihnen die Ueppigkeit von selbst. Zudem war ein Gemeindsgesetz: es konnte Keiner heiraten, als der, welcher sich ausser der Armenanstalt, ohne hülfe der Gemeinde, ernähren konnte.
Das Beste, was man noch rühmen musste, war die
Gottesfurcht, welche allmälig bei diesen einst verwilderten Leuten immer mehr Eingang fand. Und auch das war ein Verdienst des Herrn Pfarrers. Denn alle Uebrigens stand jedem Spittler und Häusler vollWas die Goldentaler Armenanstalten vorzüglich z u m a c h e n . Es sorgte Niemand für sie; sie mussten f ü r s i c h s e l b s t s o r g e n u n d a r b e i t e n . Hier war keine stillsitzende Lebensart, hier keine ungewisse, leichte Fabrikarbeit, wodurch arme Leute zu schwerer Arbeit nachher untauglich werden, hier gab es keinen leichten Verdienst, wo junge Mädchen und Knaben bald eben so viel Geld gewinnen können, als die Alten, was dann zur Ueppigkeit, zu frühen Heiraten und zur Vermehrung des Lumpengesindels beiträgt. Hier musste Jeder seine Kraft für das anstrengen, was ihm lebenslänglich wohltat, wenn er es konnte; er musste graben, hacken, säen, pflanzen, dreschen, zimmern, hobeln, spinnen, weben, schneidern.
28. Probieren geht über Studieren.
Lass es sein, es ist zu