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halbes Klafter Holz zu. Ferner sagt er: Wir müssen das vom Stock ausgeschlagene Laubholz. wie Buchen, Erlen, Hagebuchen, Espen, Ahorn, dreissig Jahre alt werden lassen; grosse Eichen, Buchen, Tannen und was zu grobem Bauholz dient, muss siebenzig, hundert und mehr Jahre alt werden. Folglich, wenn wir gehörig holzen, so müssen wir alle niedere Laubholzwaldungen in d r e i ss i g P o r t i o n e n einteilen, und alle Bauholzwaldungen in hundert und mehr Portionen. Wenn wir nun alle Jahre von jeder Art nur e i n e Portion nehmen, so hätten wir natürlich alle Jahre gleich viel Holz, und schlügen nicht zu viel und nicht zu wenig, und wir und unsere Nachkommen hätten allezeit altes, reifes Holz zu schlagen. Ferner sagt er: Wir hätten im Tannenwald so altes Holz, dass, wenn wir nach der Ordnung holzten, vieles davon überalt und faul werden würde. Wenn wir dies in einigen Jahren wegschlügen, würde in hundert Jahren da wieder für unsere Nachkommen hundertjähriges Holz stehen. – So ist denn mein Rat und der Rat der ehrsamen Beisitzer: Wenn wir uns im Gebrauch alle Jahre hundert Klafter absparen, so sind tausend Klafter ungefähr das Ersparniss von zehn Jahren. Statt nun zehn Jahre zu warten, holzen wir das Ersparniss in zwei Jahren ab, bezahlen unsere Schuld, behalten den Zins im Geldsack für uns, und behelfen uns zehn Jahre lang in jeder Haushaltung mit zwei Klaftern nebst Reiswellen." Als die Gemeinde diesen Vorschlag angehört hatte, erhob sich wieder Streit und tobendes Geschrei. Die Meisten hätten gern zwar den Zins behalten, aber auch das Holz. Man stritt bis es Nacht ward, und kam zu keinem Schluss und lief auseinander.

25. Es geht immer besser.

Die wohldenkenden und verständigen Männer im dorf schüttelten den Kopf und sagten: "Das Ding mit den Holzsparen setzen wir bei dieser hartnäckigen Gemeinde nie durch." Oswald aber lachte und antwortete: "Nur Geduld! Gutes Ding will seine Zeit haben. Die Leute müssen das Ding erst besprechen, beschlafen und sattsam verdauen. Goldental ward nicht in einem Tage gebaut. Unsere Bauern, wenn ihnen ein nützlicher Vorschlag gemacht wird, der ihnen neu ist, sind wie die Kinder, wenn sie einen unbekannten Mann erblicken. Die laufen erst schreiend und erschrocken davon; nachher schauen sie ihn aus der Ferne an; dann kommen sie wieder einen halben Schritt näher, wenn sie merken, dass er nicht beisst; endlich spielen sie mit ihm und werden gute Freunde."

So redete Oswald. Unterdessen ward zur Erbauung des Waschhauses und der Backöfen Anstalt gemacht. Man fällte Holz, brach Steine, führte Leimen und Kalk und Ziegel herbei, Alles durch gemeines Werk. Die Haushaltungen, welche einen Back- und Dörrofen gemeinschaftlich haben wollten, traten zusammen, beredeten die Reihenfolge im Gebrauch des Ofens, und bestimmten den sichersten und bequemsten Platz. Oswald liess einen sehr verständigen Maurermeister kommen, der die besten Vorteile bei Feuerherden und Oefen anzubringen wusste. Er selbst besuchte verschiedene Dörfer, um dasige Einrichtungen kennen zu lernen und das Beste davon für Goldental zu benutzen. Gegen den Herbst waren das Waschhaus und die Oefen schon aufgerichtet und zum grossem Vergnügen der Goldentaler in vollem Gebrauch. Jetzt spürten die Haushaltungen in der Tat, dass dabei viel Holz erübrigt werde und grössere Sicherheit vor Feuersbrunst sei.

Aber Eins folgt aus dem Andern. Manche Leute kamen nun von selbst auf den Gedanken, die unflätigen grossen Stubenöfen wären nicht mehr so notwendig wie ehemals; man könnte kleinere haben, die weniger Holz frässen. Oswald und der Herr Pfarrer hatten solche kleine Stubenöfen, welche sogar auch zum Kochen bequem eingerichtet waren, in ihren Stuben. In der Stadt sah man fast überall dergleichen. Der ehemalige Löwenwirt Brenzel hatte sich auch schon solche angeschaut, damit es bei ihm städtischer aussehe. Es war Gewinn dabei. Man konnte das ersparte Holz verkaufen und Geld daraus machen. Keinem kamen die Worte Oswalds wieder aus dem Sinn: H o l z verbrennen heisst Geld verbrennen! Man scheute nur die Unkosten für das Umsetzen und Abändern der Oefen.

Doch verschiedene von den zweiunddreissig heimlichen Genossen des Goldmacherbundes, auf welche Oswald noch immer durch sein Ansehen grossen Einfluss hatte, liessen auf sein Zureden ihre Oefen schon im Herbst verändern, besonders da er einigen der Unbemitteltsten dazu etwas Geld vorschoss. Ein geschickter Mann aus der Stadt richtete Alles höchst vorteilhaft und einfach ein. Nun hätte man sehen sollen, wie die Nachbarn und Nachbarinnen aus allen Winkeln des Dorfes kamen, die neuen Stubenöfen, als wahre Wundertiere, zu beschauen. Alle lachten darüber, Alle spotteten und tadelten. Hintennach, da der kalte Winter mit Eis, Sturm und Schneeflocken ins Dorf einzog, verwunderten sie sich, dass die kleinen, von den Wänden freistehenden Oefen doch so warme Stuben machen konnten. Als aber im Frühjahre viele von den Besitzern dieser Oefen Holz verkauften, kam den Uebrigen die Sache sehr annehmlich vor. Die alten, ungeheuern Oefen verloren ihre alten Verteidiger, und zuletzt wollte Jedermann in der stube ein kleines Wundertier haben. Viele, welche die Einrichtung bei den Andern gesehen hatten, bauten sich sehr kunstvoll die Oefen selbst auf, und sogar noch mit kleinen Verbesserungen, die allgemeinen Beifall hatten. – Im Frühjahr ging der Weibel herum von Haus zu Haus und sagte: Geld her; der Zins von der Gemeindsschuld soll bezahlt werden, darum bezahlet den Zins vom Pachtlande, das