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bald wieder in die Stadt.

"Ach, du armer Oswald!" seufzte Elsbet, wenn sie ihm am Abend vor dem dorf entgegenging und ihn mitleidig bewillkommte: "Warum kümmerst du dich so sehr, armer Oswald, und plagest dich? Du wirst am Ende doch nur Undank und Verdruss von aller deiner Mühe haben."

Oswald sprach: "Undank ist die Münze, womit das Volk am liebsten zahlt. Wer aber einer Gemeinde vorsteht, der soll an seinen Gott und seine Pflichten denken, nicht aber auf Lohn und Dank. Siehst du, liebes Herz, Gott lohnt endlich auch gewiss alles Gute, gleich wie er Böses straft."

So redete Oswald, und tat, was er sollte.

Es ergab sich aber, dass die Gemeinde noch über sechstausend Gulden schuldig war, teils von den zeiten des Krieges und der Teurung her, teils durch die schlechte Haushaltung der ehemaligen Vorgesetzten. – Und Oswald sann Tag und Nacht, wie er diese Last von dem armen Goldental nehmen, oder doch vermindern könne. Und als sein Plan endlich reif war, legte er ihn seinen Amtsgenossen vor; die hiessen ihn nach langer Beratschlagung gut, und sprachen: "Wollte Gott, die Schulden wären abgetan, so wüsste doch auch Jeder wieder, was er Eigenes hätte, und könnte frei atmen, und müsste nicht fort und fort an das Zinsen denken."

Darauf ward eine Besichtigung und Schätzung aller liegenden Gründe der Ortsbürger angeordnet, damit man ungefähr wisse, wie arm oder reich Jedermann sei; und damit Jeder auf gerechte Weise in Zukunft wegen der Steuer angelegt werden könne. Und Jeder musste bei den Gemeindevorstehern angeben und beweisen, wie viel Schulden er auf Haus und Gütern stehen habe; und das ward treulich in ein Buch eingetragen und darnach Jedermann geschätzt.

Dann trat Oswald am Sonntage nach der Kirche mit seinen zwei Beisitzern vor die versammelte Gemeinde und sprach: "Ihr Männer, liebe Mitbürger, unser Dorf hat sechstausend vierhundert Gulden Schulden. Das Geld haben wir teils in den benachbarten Städten zu verzinsen, teils sind wir es hier im dorf uns selber für Heu, Haber, Fuhren und Requisitionen schuldig. Was wir auswärts zu zahlen haben, wollen wir ein andermal besprechen. Jetzt wollen wir abtun, was sich die Gemeinde selber schuldig geworden ist."

"Viele von uns haben an der Gemeinde noch beträchtlich für Stroh, Haber und andere Lieferungen aus dem letzten Kriege zu fordern. Man verzinset ihnen zwar jährlich, aber sie müssen doch allemal erst ihren Beitrag zur allgemeinen Zinssumme geben. Also verzinsen sich im grund Viele nur ihre Sache selber. Das ist mühsam und töricht. Nun haben wir diese Schuld auf alle Bürger, nach Massgabe ihres Vermögens, verteilt. Den Reichen trifft davon mehr, den Armen weniger. So wird die Gemeindschuld in eine Partikularschuld verwandelt. Wer auf diese Art so viel schuldig wird, als er selber zu fordern hat, der streicht Schuld und Forderung, und ist frei, bekommt und zahlt keinen Zins mehr. Wer mehr zu fordern hat, als er durch die Einteilung schuldig wird, streicht erst so viel von seiner Schuld weg, als ihm die Gemeinde selbst schuldig ist, und sagt: 'Wer zahlt mir den Ueberschuss dessen, was mir herausgebührt?' – Antwort: Diejenigen zahlen ihn, die nichts an die Gemeinde geliefert haben im Kriege. Diese sind als Schuldner an die Zugutaber verteilt, und tragen denselben entweder die kleine Summe, die sie trifft, gleich baar ab, oder verzinsen solche zu Vier vom Hundert."

So redete Oswald. Viele verstanden es anfangs nicht recht. Da sie aber einsahen, dass dabei Keiner zu kurz kam, waren sie es sehr zufrieden. Denn die Reichen, welche am meisten zu fordern hatten, die hatten auch nach Massgabe mehr an Abtragung der Gemeindsschuld zu zahlen. So blieb für die Aermern weniger zu entrichten übrig, und Jeder fand die Einrichtung darum billig, weil die Schatzung der Güter und des Vermögens sehr unparteiisch gemacht war.

Am Sonntage darauf ward die Gemeinde abermals versammelt, und Oswald redete also: "Ihr Männer, liebe Mitbürger, es ist uns gelungen, das Geld, was die Gemeinde schuldig ist, in benachbarten Städten zu geringerm Zins zu erhalten, also, dass Goldental jährlich nur zweihundert und zwanzig Gulden Zins zu entrichten hat. Aber es wird manchem Hausvater schwer fallen, den Beitrag zu diesem Zins zu erschwingen aus seinem Gut. Daher ist es besser, es zahle Keiner von euch den Zinsbetrag aus seinem Gut!"

Da erhoben alle Goldentaler ein Gelächter, und sie riefen: "Das lässt sich hören und gefällt uns über die massen."

Oswald erhob die stimme und redete weiter: "Ihr Männer, liebe Mitbürger, wir haben noch ein grosses Stück Gemeinweide. Das ist elendes Land, vom Vieh zertreten, mit alten einzelnen Eichen darauf. Jeder von euch, dem dies Land gehörte, würde es besser benutzen. Aber wer benutzt es jetzt? – Niemand. Denn die Reichen, welche viel Vieh haben und es im Sommer darauf weiden lassen, haben offenbaren Schaden daran. Nicht nur kommen ihre Kühe magerer und hungriger Abends heim, als sie des Morgens hinausgingen, sondern es geht auch für die Aecker aller Dünger vom Vieh dabei verloren. Die Armen aber, die keine Kuh halten können, haben gar keinen Nutzen davon, und müssen ihn den Reichen überlassen. Ist das billig? Warum sollen reiche Bürger mehr Vorteil vom Eigentum der