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hatten aus Samen Bäume gezogen und Baumschulen angelegt. Jeder wollte es besser machen und besser haben, als der Andere. Im Eifer wurde die Sache oft von Manchem übertrieben.

Nun konnte man sich's in der Stadt wohl erklären, wie die Goldentaler von Jahr zu Jahr immer schöneres und immer mehr Obst hatten, woraus sie bei gutem Jahrgang so viel Geld lösten. Das war kein Hexenstreich. Aber keine grosse Viehheerden haben, und doch viel Käse und Butter machen, das war allerdings ein Kunststück!

Das Kunststück hatte Oswald aber, während seines Kriegslebens, irgendwo in einem dorf gesehen und gelernt, und mit sich nach Goldental gebracht. Es war gar artig. Die Leute wollten anfangs gar nicht daran; hintennach aber wussten sie ihm grossen Dank. Er machte es nämlich so:

Er ging herum mit seinen Verbündeten, die Kühe hatten, und sagte: "Ihr habet von euern Kühen schlechten Nutzen. Man muss von einer Kuh jährlich wenigstens fünfzig bis hundert Gulden baares Geld lösen. Wollet ihr mit mir einstehen, so will ich's machen. Werbet dazu noch Andere an, die Kühe haben. Es gehören wenigstens vierzig bis fünfzig Kühe zusammen; dann geht's."

Als nun die vierzig bis fünfzig Kühe gefunden waren, sagte er: "Nun geht's!" Er kannte einen geschickten, rechtschaffenen Senn, der das Butter- und Käsemachen als ein Meister verstand. Dem versprach er zweihundert Gulden Jahrlohn; dafür musste sich derselbe aber Kerzenlicht, Tücher und Waschlumpen selbst anschaffen, so zum Käsemachen und Reinhalten der Gefässe und der Waare nötig waren. Geschirr und Salz schaffte Oswald auf Rechnung der Teilnehmer an, von denen drei redliche Männer zu Aufsehern bei dem neuen Gewerbe ernannt wurden für das erste Jahr.

Im ehemaligen wirtshaus zum Adler war der beste Platz zum Käsemachen; ein guter kalter Milchkeller, ein grosser Keller in dem geräumigen Waschhaus. Der Eigentümer gab den Platz her, denn er hatte fünf Kühe, und wollte die probe mitmachen und sehen, was dabei herauskomme. – Nun musste Holz auf Unkosten Aller herbeigeschafft werden. Es kam. Dann bestimmte Oswald einen Tag, da mussten Alle, die zur neuen Käserei gehörten, ihre Kuhmilch in äusserst sauber gewaschenen Gefässen bringen. War das Gefäss nicht sauber, nahm der Senn die Milch gar nicht an; das war Gesetz. nachher machte man aber das Gesetz noch schärfer.

Der Senn mass die Milch, und schrieb unter eines Jeden Namen auf, wie viel derselbe gebracht habe. Jeder konnte es für sich auch aufzeichnen. So brachte jede Haushaltung alle Tage Morgens und Abends die Milch ihrer Kühe. Von fremden Kühen aber durfte man bei schwerer Strafe keine Milch bringen.

Die gesammte Milch eines Tages goss der Senn in der Milchkammer zusammen, und bereitete daraus Butter und Käse. Das gab schöne, frische, grosse Ballen; zudem noch Käsewasser, im Sommer ein gesundes, kühlendes Getränk.

Nun war die Frage: Wem gehört die schöne Menge Butter und Käse von jedem Tage? Denn alle Tage war eine solche Partie von der Milch aller Kühe der Beigetretenen fertig. Es hätte sie gern Jeder gehabt, um in die Stadt damit zu laufen.

Das richtete man folgendermassen ein: Alles, was die zusammengebrachte Milch eines einzigen Tages an Butter, Käse u.s.w. abtrug, ward auch nur einem einzigen Teilhaber mit einem Male gegeben, und zwar demjenigen, dem man die meiste Menge Milch in der Käserei schuldig geworden war. – In den ersten paar Tagen freilich bekamen die ersten weit mehr an Käse und Butter, als sie Milch gebracht hatten; denn sie bekamen ja das, was aus der Milch von a l l e n Teilhabern gemacht war. Allein nun wurden sie für so viel, als sie zu viel bekommen hatten, den Uebrigen schuldig, und was sie schuldig geworden waren, ward ihnen von Tag zu Tag an der Milch abgezogen, die sie brachten. Das ging so lange, bis sie alle Schuld abgetan und an Milch wieder mehr zu gut hatten, als die Uebrigen. Dann bekamen sie wieder die an einem Tage bereitete Waare. Unterdessen hatte aber auch der, welcher nur eine einzige Kuh besass, und alle Tage nur ein paar Maas Milch bringen konnte, nach und nach mehr zusammengebracht, als Jeder von den Uebrigen, wie man das wohl im Milchbuche aufgeschrieben fand. Und nun empfing er die Frucht des Tages, bei andertalb Zentner Butter und Käse mit einem Male.

Die Butter konnte Jeder den Tag gleich mit sich nehmen, da sie fertig war; Buttermilch, Käsewasser gehörten ihm auch. Den Käse aber liess man so lange im Keller, bis er gehörig fest und gut war. Allemal an dem Tage, da Einer das Recht hatte, die aus der Milch bereitete Waare zu beziehen, musste er dem Senn bei der Arbeit helfen und ihm handlangen, und saubere Handtücher, Linnen, und was nötig war, herbeischaffen.

Zuerst war den Goldentalern das ganze Wesen bedenklich, und es meinte Jeglicher, er komme zu kurz dabei. Wenn Einer aber seine Menge Käse und Butter empfing, und nun nachrechnet, wie viel Milch er gegeben: so war er hocherfreut. Und es fand sich am Ende des ersten Jahres schon, dass auf diese Weise der mittlere Ertrag und Gewinn von einer Kuh über 166 Gulden jährlich stieg, und zwar nach Abzug aller Unkosten. Das war doch ein schöner Zins!

Nun begriff man auch bald,