machte Hauptleute aus denen, die schon bis 10 und 20 abzählen und anführen konnten; liess sie marschiren, links und rechts schwenken, und mit ihren einzelnen Reihen bald ein Dreieck, bald ein Viereck, bald einen Kreis u.s.w. bilden. Das gab immer jubel; und immer neuen Wechsel der Spiele. Niemand war dabei besser mit Rat und Tat zur Hand, als der würdige Pfarrer.
Seitdem ist in Goldental allezeit eine Bewahrschule der unmündigen Kleinen beibehalten worden. Schon nach Jahr und Tag gaben die älteren gern einen geringen Beitrag zum Wochenlohn der Lehrerinnen, oder Abwärterinnen. In Ferkelhausen und andern benachbarten Dörfern folgte man dem Vorgang der Goldentaler bald nach; denn man sah, wie dort die Kinder, auch die ärmsten, viel reinlicher, gehorsamer, gesünder und verständiger wurden, als anderswo.
So musste das Unglück einer Feuersbrunst und eines ertrunkenen Mägdleins, zum grossen Glück und Segen vieler Haushaltungen gereichen.
20. Was man von den Goldentalern im land
redet.
In der Stadt und in den umliegenden Dörfern gab es über die Goldentaler mancherlei Gespräch. Diese Leute hatten bisher immer Lumpen geheissen, waren als Saufbrüder bekannt, als lüderliche Vögel, als Schuldenmacher, denen man keinen heller anvertrauen mochte. Nun war es gar sonderbar, dass es bei ihnen im dorf gar nicht aussah, wie bei armen Leuten. Ihre Häuser waren sauber und reinlich; eben so Alles in schönster Ordnung auf der Gasse, hinter den Häusern und in den Gärten. Es war bei ihnen artiger, als in den reichsten Dörfern. Man sah im Sommer die Männer, Weiber und Kinder schon früh Morgens auf den Feldern. Da trugen und streuten die Einen den Dünger, Andere jäteten Unkraut aus. Immer hatten diese Leute etwas zu tun. Und es war eine Lust, sie arbeiten zu sehen. Es ging ihnen alles gar geläufig von der Hand. Brauchte man in der Stadt Taglöhner, so fragte man am liebsten nach Goldentalern. Gingen die Bürgerfrauen zum Einkaufe auf den Markt, so gingen sie am liebsten zu den Goldentalerinnen. Denn diese waren immer sehr nett, in frischen weissen Hemden, und reinlichen Kleidern und saubern Händen, dass sie rechte Lust machten, von ihrem Gemüs, ihrem Gespinnst und andern Waaren zu kaufen.
Die Goldentaler waren arm, das wusste man wohl. Aber sie verzinsten jedesmal ihre Schulden richtig auf den Tag. Und was gar ausserordentlich war, sie hatten in der Stadt kleine Geldsummen an Zins ausgetan. Das brachte den Leuten Kredit und Glauben. Wenn der Pfarrer R o d e r i c h und der Schulmeister O s w a l d für einen Goldentaler gutsprachen, lieh man lieber einem solchen, als einem aus andern Gemeinden. Und man lieh das Kapital lieber um einen sehr mässigen Zins aus, weil man vorher wusste, dass es sicher stehe und richtig verzinset werde. Das schaffte den Goldentalern gar ansehnliche Vorteile. Denn sie kündigten ihre Kapitalien ab, wo sie grosse Zinsen zu bezahlen hatten, und nahmen da Geld auf, wo sie es in niedrigerem Zins erhielten.
Man urteilte allerlei über das Dorf. Man sagte wohl, es sei da ein braver Pfarrer, ein sehr verständiger Schulmeister. Allein Vielen war doch die Sache ein Rätsel. Denn ein Pfarrer und Schulmeister können doch auch nicht Alles; und jeder Pfarrer im land glaubte so klug zu sein, oder auch noch klüger, als die Beiden in Goldental waren. Das machte viel Kopfbrechens. Die Bauern in der Gegend sagten geradezu, das Ding gehe nicht mit rechten Dingen zu. Man hatte etwas vom Oswald gehört, und er könne Gold machen, und lehre es in seinem dorf Den und Diesen. Und man neckte und höhnte die Goldentaler damit, sie könnten Gold machen.
In der Tat war es auffallend, dass die Goldentaler Dinge zu Markte brachten, man wusste nicht, woher sie Alles hatten. Ihr Gemüse, ihr Obst, ihr Flachs, ihr Hanf, ihr Getreide, Alles war gut. Die Kinder handelten sogar mit den schönsten Blumen und brachten solche in die Stadt. Honigwaben, ausgelassenen Honig und Wachs hatten sie mehr, als weit umher alle übrigen Dörfer zusammen. Man wusste sehr gut, sie besassen keine ansehnliche Viehheerden, viele Haushaltungen hatten etwa jede ein Paar Kühe und ein Paar Ziegen. Demungeachtet brachten arme Leute, die bloss eine Kuh hatten, zentnerschwere Käse und grosse Ballen der reinsten Butter zum Verkauf. Es war ganz unbegreiflich, wie eine Kuh so viele Butter und Käse liefern konnte. Ebenso hatten die Goldentaler jederzeit im Herbst die feinsten Obstsorten, schmackhafte Aepfel und Birnen, wie Niemand anders. Woher kam das so plötzlich in wenigen Jahren?
Die Goldentaler mussten oft selbst bei sich lachen, wenn man ihr Dorf im Scherz das G o l d m a c h e r d o r f nannte. Denn der Oswald verstand sich auf die Obstbäume, und wo er in den Gärten der vornehmen Herren in der Stadt gute, feine Obstarten wusste, ging er und bat um Zweige. Dann hatte er seine jungen Leute an der Hand, die von ihm das Pfropfen, Zweien und Aeugeln gelernt hatten. Recht wie ein Gärtner gingen sie damit um. Sie hatten wirklich besondere Messer dazu. Nun wollte der Nachbar links und der Nachbar rechts in seinem Garten und auf seinem feld bessere Frucht vom Baum. Da ward nun okulirt und gepropft nach Herzenslust. Manche Bauern hatten sich junge Wildlinge aus den Wäldern geholt und veredelt. Andere