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, kauft sich eine Bibel und Gotteswort ins Haus. Wer nicht bei den Zechern um teures Geld Kopfweh kauft, freut sich daheim bei Weib und Kind unentgeldlich. Wer dem Wirt kein Geld zahlt, behält es im Sack. Es ist mehr Ehre, im eigenen Keller eine Flasche Wein, als im Wirtskeller ein ganzes Fass voll zu haben."

So redete Oswald, und die alten Bauern nickten mit dem Kopf, denn sie merkten wohl, er habe nicht Unrecht. Aber der Löwenwirt wollte bersten vor Zorn, zumal, da er hörte, dass Oswald den goldenen Löwen ein Raubtier geheissen hatte. Und er würde dem Oswald gern einen Prozess angehängt haben, wenn es möglich gewesen wäre. Aber der Schulmeister war klug, nahm sich in Acht und ging dem grimmigen Löwen überall aus dem Wege, und liess denselben brüllen und schmähen.

17. Vom Blitzstrahle im Pfarrhause und dem

neuen Herrn Pfarrer.

Zu dieser Zeit war in einer Nacht ein erschreckliches Gewitter. Der ganze Himmel stand in Flammen. Der Donner rollte, dass die Häuser bebten und die Fenster klirrten. – Wenn die Bauern das ganze Jahr ruchlos blieben, so beteten sie doch allemal beim Gewitter recht laut, und bereuten ihre Sünden von ganzem Herzen so lange, bis das Wetter vorüber war. Dann lebten sie wieder wie vorhin.

Plötzlich fuhr mit entsetzlichem Krachen und Prasseln der Blitz ins Dorf. Er fiel wie ein Feuermeer auf das Pfarrhaus; doch zum Glück zündete er nicht und beschädigte Niemanden. Aber am folgenden Morgen sah man, wie der Blitz das ganze Dach zerschmettert hatte, und der alte Herr Pfarrer war vom Schrecken so hart befallen worden, dass er nach wenigen Tagen starb.

Da schimpften die Goldentaler auf die Regierung, und sagten: "Die Regierung ist an dem ganzen Unglück Schuld. Denn hätte sie nicht verboten, beim Hochgewitter mit der Glocke zu läuten, so wäre das nicht geschehen. Sonst hat man doch das Wetter, wenn es kam, wegläuten können; jetzt ist das verboten. Die grossen Herren haben keine Religion mehr im leib. Nun haben wir das Unglück." – So sprachen die Goldentaler.

Oswald aber sagte: "Wie denket ihr doch in euerm Herzen so töricht, und sprechet mit euerm mund so lästerlich. Die Regierung hat den Blitz nicht auf das Dach des Pfarrhauses gezogen, sondern der metallene Knopf mit der eisernen Wetterfahne hat es getan. Denn es hat Gott in die natur des Blitzes gelegt, immer dem wasser oder den Metallen auf der Erde nachzugehen, besonders den metallenen Spitzen. Das hat Gott getan, auf dass der Mensch erkenne, wie er sich vor der Gewalt des Blitzt verwahren könne. Denn sobald der Blitz Metalle findet, an denen er bis in den Erdboden dringen kann, ist er unschädlich."

So sprach Oswald, und führte die Bauern auf das Dach des Pfarrhauses. Da sahen sie Alle in dem vergoldeten Knopf kleine eingeschmolzene Löcher, und sahen, wie der Blitz den aufrechtstehenden Nägeln der Hohl- und Eckziegel am dach nachgelaufen war, bis unter das Dach zu einem Eisendraht, an welchem man vor der Haustür zu klingeln pflegte, wenn man zum Herrn Pfarrer wollte. Weil nun der Blitz solch einen eisernen Weg zur Stunde gefunden, war das übrige Haus von ihm verschont worden, und ein kalter Schlag geblieben, wie die Bauern sagten. Er wäre aber, hätte er jenes leitende Eisenzeug nicht gefunden, wohl leicht ein gar h e i ss e r Schlag geworden.

Oswald sprach ferner: "Weil die Kirchtürme hohe Spitzen tragen und viel Eisenwerk im inneren, geschieht es oft, dass der Blitz sie trifft. Und weil daher schon mancher arme Mensch beim Gewitterläuten erschlagen worden ist, hat die hohe Obrigkeit das unnütze und abergläubige Läuten verboten."

So sprach Oswald; und weil er merkte, dass sich seit der Zeit viele Leute vor dem Blitzstrahl mehr als vorher fürchteten, tat es ihm leid. Und er sprach: "Angst und Schrecken beim Gewitter sind ein Unglück; das Gewitter selbst ist ein Segen des barmherzigen Gottes für die Länder, deren Lüfte er reinigen und deren Boden er befruchten will. Darum legt euern Kummer ab. Gehet hin, befestiget auf dem Giebel eures Hauses eine eiserne Spitze, eines Schuhes hoch; knüpfet daran einen eisernen Draht, nicht dicker als die Spule einer grossen Schreibfeder, der muss über das Dach herab bis zur Erde gehen in eine feuchte Stelle. So habet ihr dem Blitz einen Weg gemacht, auf dem er unschädlich zur Erde fährt, wenn der Draht ein einziges Stück ist von oben bis unten, und ihr ihn sauber haltet von allem Rost und Schmutz. Ein Blitzableiter ist ein F u r c h t a b l e i t e r , und bewahrt zugleich Haus und Dorf gegen ein mögliches Unglück und Feuersbrunst durch den Strahl."

Also redete der Schulmeister, und setzte auf sein eigenes Haus eine Eisenspitze mit dem daran herabhängenden Draht (denn Elsbet fürchtete sich stark bei Gewittern). Der Müller hatte dergleichen schon längst in der Stadt gesehen und tat es auch. Viele Bauern folgten dem Beispiel nach, denn es kostete nicht viel und half doch zur Beruhigung.

Andere aber nahmen in ihrer Dummheit daran grosses Hinderniss und sagten: "Heisst das nicht, unserm Herrgott nach den Augen stechen und ihm gesetz vorschreiben? Kann er nicht mit seinen Blitzen treffen, wen er will? Werden die vielen Wetterstangen nicht die fruchtbringenden Gewitter verhindern und schlechte Witterung machen