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des Dorfs gewesen. Denn so lange die Leute noch im Wohlstand waren, wollten sie grosstun; wer einen Prozess zu führen hatte, meinte, er habe etwas Grosses und Ehrenvolles, weil Jedermann mit ihm davon sprach. Dann kamen arglistige Advokaten und hetzten noch mehr auf, weil sie gern durch die Dummheit und Prozesswut der Bauern Verdienst hatten. Die prozesslustigen Leute waren dann so sehr auf ihre Sache erpicht, dass sie tausendmal schworen, lieber Alles daran zu setzen, als nachzugeben. Das gefiel den Advokaten sehr wohl. Da wurden die Prozesse durch allerlei Kunst in die Länge gezogen, Jahr ein Jahr aus; da wurde replizirt, triplizirt, appellirt und den einfältigen Leuten das Geld aus dem Sack herausgeführt, bis der Handel zehnmal mehr gekostet, als er wert war. Wer dann verlor, schimpfte über Parteilichkeit der Richter und sog an den Hungerpfoten. Die Advokaten aber assen Braten.

Seit Oswald ins Dorf gekommen, hatte er viele Leute vom Prozessiren abgehalten. Denn wenn ihn Einer um Rat befragte, richtete er es immer so ein, dass die Sache in der Güte abgetan wurde. Und er redete und sprach: "Einst fanden zwei Hunde, die sich auf einem schmalen Steg über dem wasser begegneten, ein Stück Fleisch auf dem Brücklein. Und sie gerieten in Streit, wem es gehöre." Ein dritter Hund, der das Fleisch auch gern gehabt hätte, kam dazu und sagte bald diesem, bald jenem ins Ohr: "Gib nicht nach. Es gehört dir von Rechtswegen allein!" Also fingen die Beiden an, sich zu raufen und zu beissen, bis Beide in der Balgerei hinab ins tiefe wasser fielen. Dann ging der Dritte gemächlich zum Fleisch und frass es, und sah zu wie die Andern schwammen. So geht es den streitführenden Parteien in Prozessen.

"Rechtaberei kostet viel Geld, und bringt Spott und Schande nach. Wer einen Prozess anhebt, hat schon die Hälfte von dem verloren, was er gewinnen will. Boshafte Advokaten sind wie die zwei schneiden einer Scheere; sie vereinigen sich, um das zu trennen, was man zwischen beide legt. Wenn du am Ende Alles gewinnst, hast du doch mehr verloren, als dir ersetzt werden kann: Zeit und Arbeit, wohl gar an der Gesundheit Schaden genommen durch Verdruss und Aerger, Furcht, sorge und schlaflose Nächte."

So sprach Oswald. Der Adlerwirt aber fragte ihn nie, sondern hatte fast alle Jahre einen neuen Prozess. Die vielen Unkosten und Geschenke an Advokaten und Schreiber, die vielen Läufe und Gänge und Reisen brachten ihn nach und nach um das Seinige. Als er nun einen Streit gegen eine benachbarte Gemeinde verlor, den er mit derselben wegen einer alten Eiche geführt hatte, von der er behauptete, sie stände auf seinem land und gehöre nicht der Gemeinde, so kam er in grosse Not. Denn die Eiche hatte ihn über tausend Gulden gekostet, und er wusste nicht, woher das Geld nehmen, weil er mehr auf Haus und Land schuldig war, als man glaubte. Und da er überall Geld aufnehmen wollte und nichts erhielt, gerieten die in Sorgen, denen er schon schuldig war. Und sie begehrten zurück, was sie ihm geborgt hatten. Also blieb ihm nichts übrig, als all sein Gut den Gläubigern heimzuschlagen. Er musste Haus und Hof verkaufen. Das war die Folge seiner Prozesssucht.

Weil er seine Felder schlecht besorgt hatte, gingen sie in mässigen Preisen ab. Da die Leute nicht mehr häufig ins Wirtshaus gingen, weil sie entweder kein Geld hatten, oder keins versaufen wollten, brachte auch die Wirtshausgerechtigkeit nicht viel ein. Der Käufer des Hauses, als er sah, dass Niemand bei ihm einkehren und Geld verzehren wollte, stellte das Wirten ganz ein. So blieb nur der Löwenwirt noch Meister; denn die andern Wirte und Bier- und Weinschenken hatten gar nichts mehr zu verdienen, und die Wirtschaft schon früher aufgegeben.

Einige alte Bauern schüttelten den Kopf und sprachen: "Es ist doch böse Zeit und wir sehen wohl, unser armes Dorf geht gänzlich zu grund. Vorzeiten hatten drei Wirte und noch einige Bier- und Weinschenken bei uns vollauf zu tun; jetzt ist kaum Nahrung für einen einzigen vorhanden! Wohl ist das eine Schande für unser Goldental, und ein Beweis, wie schlecht es bei uns steht."

Oswald aber sprach zu ihnen und sagte: "Mit nichten, ihr guten Leute! sondern nun habe ich Hoffnung, dass es bei uns bald besser gehen werde. Ich bin viel in der Welt umhergereiset, und habe viele Dörfer gesehen. Wo die meisten Wirtshäuser waren, da habe ich immer die meiste Armut gefunden. Und wo kein Wirtshaus war, als etwa, Reisende zu beherbergen, da sah man einen gewissen Wohlstand in den Häusern. Die Wirte hängen nicht umsonst in ihre Schilde das Bild eines R a u b t h i e r e s aus, Löwen und Adler, Bären und Falken, – die Tiere leben von Gut und Blut der Gemeinde. Sie hängen ein goldenes Kreuz aus, weil sie Gold haben wollen, und den Leuten Kreuz und Kummer dafür lassen. Sie hängen einen goldenen Engel aus, aber es ist ein böser Engel, der Rekruten wirbt für das Zucht- und Armenhaus und gefängnis.

Wir haben im dorf nur noch ein Wirtshaus, aber nur zu viel daran. Stände es nicht da, ständen die Nachbarshäuser besser. Wer am Wirtstische die Spielkarten nicht braucht