weit lieber jetzt, w o e t w a s z u s p a r e n w ä r e ? – Wir haben jetzt Erdäpfel, Obst und Mehl und Brod und Fleisch in wohlfeilerm Preis. Wir können jetzt mit demselben Gelde, wie in der teuern Zeit, bessere Kost haben und viel ersparen. Wenn jetzt Einer für uns Alle kocht, ersparen viele Frauen Zeit, und können auf andere Weise arbeiten und verdienen. Unter dreissig Kesseln und Häfen braucht es zwanzigmal mehr Holz an einem Tage, als unter einem einzigen Kessel für dreissig Haushaltungen. Das begreift ihr; dabei ist Gewinn. Aber wo für viele Menschen zusammen gekocht wird, ist auch an Salz und Schmalz und Zutat und Geschirr Ersparniss. Lasset uns einen Versuch machen."
So sprach Oswald. Viele wollten; Andere wollten nicht. Oswald ging zum Müller und beredete ihn, die Sparsuppe zu kochen, und dreimal wöchentlich Fleisch dazu, besonders zum Verkauf. Diejenigen, welche dazu einstanden, sagten, wie viel Suppe und Fleisch sie täglich begehrten; es waren ihrer zuerst siebenzehn Haushaltungen.
Nun musste der Reihe nach jede Haushaltung, eine um die andere, wenn der Tag an sie kam, das Holz zum Kochen, und beim Kochen einen Aufwärter oder Gehülfen geben. Die Müllerin führte beim Kochen die Aufsicht. Alle Tage war Abwechslung in Suppe und Gemüse. Wer kein Geld hatte, konnte seine Portionen mit Mehl, Obst, Gemüs und Erdäpfeln zahlen. Das ward Keinem zu schwer. Nur wer Fleisch nahm, zahlte Geld dafür. – Die Frau Müllerin verstand das Kochen. Die andern Bauernweiber und Mädchen, wenn der Tag an sie kam, da sie helfen mussten, lernten viel dabei, was sie vorher nicht wussten.
So geschah, dass die zusammenstehenden Familien, wozu auch der Schulmeister und der Müller gehörten, besser und nahrhafter assen, als andere Leute im dorf und doch weit wohlfeiler. Alle Tage Suppe und Gemüs dazu, dreimal wöchentlich Fleisch und Braten auf allerlei Art zugerichtet. – Wie dies die Andern sahen, dass es da keine Säutränke oder elende Sparsuppen gab, und dass es noch für kranke Personen und Genesende gesunde Nahrung nebenbei gab, traten sie auch bei, und Viele, die gar nicht zum Goldmacherbund gehörten. Denn sie merkten bald, dass da viel an Holz, Mühe und Zeit, viel an Speisezutat erspart und Alles weit wohlfeiler gemacht werden konnte.
Es wurden für die Garküche der Müllerin endlich der Teilhaber zu viel, obgleich sie täglich mehrere Gehülfinnen erhielt. Da legte der Adlerwirt zu seinem Vorteil auch eine solche Küche an. Aber alle, die zum Goldmacherbund gehörten, blieben beim Müller. Sie hatten die verständigsten Hausväter unter sich ausgeschossen, die mussten den Ankauf der Vorräte und deren Verwendung beaufsichtigen. Denn die Garküche sollte keinem Einzelnen zum Gewinn dienen, sondern Allen zum Vorteil gereichen.
16. Wie sich die Wirtshäuser im dorf
vermindern, und was die alten Bauern dazu
sagen.
In der Küche des Adlerwirts ging es anders zu. Er kochte Sausuppe. Davon wollte Keiner essen. So blieben seine Kunden weg, weil sie nicht ihr teures Geld dafür geben wollten. Sie traten unter einander zusammen, und wollten es machen, wie die Leute bei der Müllerin. Aber es ging nicht, weil keine Ordnung war und weil Einer den Andern betrog. Da lachte der Adlerwirt und freute sich, dass es bei Andern nicht besser ginge, als bei ihm.
Bei ihm ging es aber doch schlechter als bei Andern, weil er ein harterziger, schlechter Mann war. Er hatte viel Geld auf böse Weise zusammengescharrt; aber unrecht Gut gedeiht nicht. Wenn in der teuern Zeit Steuern und milde Gaben für die armen Leute nach Goldental gekommen waren, damit man Sparsuppen kochen und austeilen könne, hatte er die Gemeindsvorsteher beredet, lieber das baare Geld an die armen Leute auszuzahlen. Dann trat er mit dem Löwenwirt zusammen, und sie verkauften den armen Leuten Mehl und Brod in ganz ungeheuerm Preise. So kam das Geld alles wieder in ihren eigenen Sack zurück. Wenn Leute im dorf von ihrem Heu, Vieh oder liegende Gütern aus Not etwas öffentlich an die Steigerung bringen wollten, so trat er mit dem Löwenwirt und andern Vorstehern zusammen, und sie machten Satz mit einander, um alles wohlfeil zu bekommen. Sie boten erst kleine Summen, und legten etwas zu. Dann trat einer nach dem Andern zurück, und bot nicht mehr, weil es zu viel und die Waare zu schlecht sei. So sagte Einer nach dem Andern. Und weil man sie für die verständigsten Männer hielt, getraute sich kein Anderer, mehr zu bieten. So bekamen sie die Sachen wohlfeil. Wenn aber doch ein Anderer klug war und mehr bieten wollte, schreckte man ihn mit Drohworten, zumal wenn ein solcher ihnen schuldig war; und sie sagten: "Hast du Geld genug für so schlechte Waare, und willst du meinen Freund überbieten: so verlange ich, du sollst mir vorher deine Schuld bezahlen."
So machte es der Adlerwirt. Aber unrecht Gut gedeiht nicht. Er war ein stolzer und zornmütiger Mann, und hatte beständig Händel und Prozesse vor Gericht. Sogar mit seinen Brüdern und Schwestern hatte er einen Rechtsstreit gehabt, weil er sie in der väterlichen Erbschaft durch Betrug und List bei der Teilung sehr verkürzt hatte. Viele Leute im dorf waren von ihm durch das Prozessiren zu grund gerichtet worden.
Ueberhaupt war die Streitsucht in Goldental eine Hauptursache von der Verarmung