schwer helfen. Doch sprach Oswald Allen Mut ein und sagte: "Sparen und arbeiten soll euch mit Gottes hülfe schuldenfrei machen. Folget nur in allen Dingen meinem Rat!"
Nun erst sah er von diesen Leuten, wie schlecht sie gehauset hatten; und dies tat den Leuten nun selbst in der Seele weh. Nun erst erfuhr Jeder, was er nach Abzug aller Schulden von seinem Vermögen, als wahres Eigentum, betrachten könne. Das war oft blutwenig, und ihnen schauderte die Haut vor Angst und Entsetzen darüber. Nun wollten Alle sparen, Alle arbeiten. Aber wie sollten sie es anfangen?
Oswald hatte unbeschreiblich viel Mühe. Aber die Mühe machte ihm Freude, weil er ein wahrer Menschenfreund war. Er machte Jedem ein Haus- und Schuldenbüchlein, worin Jeder den Zustand seines Vermögens deutlich sah. Dann ging er wieder in die Stadt, und suchte für Kinder und Erwachsene Arbeit von allerlei Art. Das gelang ihm nach und nach. Und was so mit Taglöhnen verdient wurde, das musste wöchentlich aufgeschrieben und aufgespart werden. Einige gaben das Geld dem Oswald in Verwahrung; Andere gaben es ihm wöchentlich, um damit nach und nach ein für sie aufgenommenes Kapital abzutragen.
Als dies Mehrere taten, und Oswald am Ende hundert und mehr Gulden beisammenliegen sah, dachte er: "Wozu soll dies Geld da tot und ohne Nutzen liegen? Wenn es jährlich Zins trüge, hülfe es den armen Leuten ohne ihre Mühe schon wieder zu einem kleine Gewinn und verminderte die Schuld."
Also machte er sich ein Buch und schrieb hinein, was Jeder wöchentlich von seinem Verdienst in die E r s p a r n i ss k a s s e zurücklegte. Dann ging er in die Stadt und beredete einen rechtschaffenen Herrn, dass er monatlich das ersparte Geld, wären es auch nur zehn oder zwanzig Gulden, annehmen und auf Zins austun wolle. Es wäre zum Besten armer, sparsamer Leute. Der Herr, welcher ein reicher Kaufmann war und gern das Gute beförderte, nahm das Geld und tat es an Zins, und wenn am Ende des Jahren die Zinsen einkamen, tat er sie wieder als ein kleines Kapital aus, also, dass die Zinsen wieder Zinsen eintragen mussten. Oswald aber schrieb in sein Ersparnisskassenbuch zu haus immer auf, wie viel jeder von seinen Leuten an den Zinsen Anteil habe.
Es war aber ein grosses Glück, dass die Leute und ihre Kinder, da sie Arbeit bekamen, auch arbeiten konnten, und fast nie krank wurden. Das war sonst nicht so. Denn wenn sie sich ehemals am Sonntage vollgesoffen hatten, waren sie am Montage nicht zum arbeiten aufgelegt, und hatten Kopfweh und Uebelkeit. Und weil sie sich insgesammt oft kämmten, wuschen, und gar reinlich hielten, waren sie von allen Uebeln und Krankheiten befreit, welche die natürlichen Strafen und Folgen der Unreinlichkeit sind.
Wie nun Oswald den mit ihm Verbündeten erzählte, dass er eine E r s p a r n i ss k a s s e errichtet habe, und dass das Geld, welche sie ihm wöchentlich zum Aufbewahren brächten, Zinsen tragen müsse, erstaunten sie gar sehr und freuten sich. Und Jeder sah im buch nach, wie viel Geld er schon zusammengebracht habe, und wie viel Zins er am Ende des Jahres dafür zu erwarte habe. Anfangs hatten nur wenige Haushaltungen dem Oswald ihr Geld gebracht. Nun aber sagten es die Einen den Andern. Und wie Einer hörte, der Andere habe schon fünfzehn, zwanzig und dreissig Gulden und mehr zurückgelegt, wurde er missvergnügt und wollte es auch so haben, und nahm sein weniges Geld und trug es auch zum Oswald und sprach: "Ei, Lieber, warum hast du mir nichts von der Ersparnisskasse gesagt? Lege mein Geld, das ich wöchentlich entbehren kann, auch hinein, es sei viel oder wenig. Denn wenn ich es im haus habe, will es sich nicht vermehren, sondern es schwindet immer. Hat man es, so verbraucht man es wieder. Drum besser, aus den Augen, aus dem Sinn! Kann ich's nicht so haben bei dir, so kann ich noch lange nicht an Abzahlen meiner Schulden denken."
So brachte nun Jeder alle Woche Etwas, das er von seinem Verdienst erübrigen konnte, und Einer bemühte sich mehr, als der Andere, in die Ersparnisskasse zu legen. Einige wurden so begierig, dass sie beinahe Weib und Kind hungern liessen, um desto mehr Geld zusammenzuscharren.
Das verdross den Schulmeister, und er hob an zu reden: "Es ist wohl gut, dass ihr mässig seid, aber Weib und Kind müssen nicht hungern. Wer wohlgenährt ist, der hat auch Kraft und Mut, zu arbeiten. Freilich, manche Frau, die auch wohl im feld arbeiten, oder sonst Geld verdienen könnte, muss jetzt zu haus bleiben, und ihre Zeit beim Kochen verlieren. Wäre für jede Haushaltung von selbst schon Gekochtes da, so würde man kein Holz kaufen und bezahlen, oder es mit Zeitverlust im wald zusammenlesen müssen, sondern man könnte vielleicht sogar jährlich von dem Gabenholz, das die Gemeinde gibt, an Andere verkaufen und Geld daraus lösen. Dabei wäre schön zu sparen. Aber wir müssen das auf andere Weise anfangen."
"Ihr wisset, wir haben in teuern zeiten elende Sparsuppen gegessen. Warum sparten wir damals, d a w i r n i c h t s h a t t e n , und nicht