so müsset ihr mir vor dem allgegenwärtigen Gott sieben Gelübde geloben, und solche während sieben Jahren getreu halten."
E r s t e n s : Ihr müsset sieben Jahre und sieben Wochen lang alle Wirtshäuser meiden, aber desto fleissiger zur Kirche gehen und Gottes Wort hören, und darnach tun.
Z w e i t e n s : Sieben Jahre und sieben Wochen lang keine Karten, keine Würfel berühren, und nichts, womit man um Geld spielt.
D r i t t e n s : Sieben Jahre und sieben Wochen darf kein Fluch, kein Scheltwort aus euerm mund gehen, auch keine Bosheit, Lästerung und unwahre Rede.
V i e r t e n s : Sieben Jahre und sieben Wochen muss euer Tagwerk Gebet und Arbeit sein. Morgens und Abends sollt ihr feierlich mit Weib und Kindern auf die Knie fallen, zu Gott beten, eure Sünden bereuen. Euere Arbeit sollt ihr mit Fleiss und Treue verrichten, keine Schulden mehr machen.
F ü n f t e n s : Wer binnen sieben Jahren und sieben Wochen sich mit Wein und Branntwein ein einziges Mal berauscht und vergeht, ist aus unserer Gemeinschaft verstossen.
S e c h s t e n s : Auf dem Acker, welchen ihr bauet, soll kein Unkraut wachsen, in euern Wohnungen kein Unflat liegen. Euere Hütten und die Ställe des Viehes und alles Geräte, was ihr habet, soll von Reinlichkeit glänzen. Daran werde ich euch erkennen.
S i e b e n t e n s : Euer Leib soll sein ein Tempel Gottes, darum keusch, züchtig und ehrbar; auch von aller Unreinigkeit frei an Haut und Haar und Gewand. So auch bei Kindern. Das soll unser Zeichen sein.
"Wer nun diese sieben Gelübde geloben und halten will, der trete hervor und reiche mir die Hand zum Bunde. Dem Schwachen wollen wir helfen."
Als Oswald so gesprochen hatte, traten die Zweiunddreissig einer nach dem andern hervor, jeder reichte dem Oswald die Hand über den Tisch voller Gold, und sprach: "Ich will!"
"So gehet denn heim in Frieden und wendet euch noch vor Schlafengehen im Gebet zu Gott, dass er euch Stärke verleihe, das Gelübde zu halten. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn die Zeit erfüllt ist, wird Jeder mehr Gold auf seinen Tisch werfen, als eure Augen hier sehen!" So sprach Oswald, und ermahnte die Leute, von Allem, was sie diese Nacht gesehen und gehört hätten, keinem Menschenkinde etwas zu verraten, ja sogar selbst nie von dem zu reden, noch auf das zu deuten, was diese Nacht angehe.
Damit entfernten sich die Zweiunddreissig in grosser Stille. Unterwegs sprach Keiner mit dem Andern ein Wort. So voll waren sie von allen dem Wunderbaren, das sie vernommen hatten. Sie hatten ganz andere Dinge erwartet zu erleben, und gerade das Gegenteil erfahren. Mancher, wenn er an die Gelübde dachte, fühlte zwar Bangigkeit, denn sie waren auch gar zu streng. Aber das Geheimnissvolle, und die sieben Jahre und sieben Wochen, und die Reden des Oswald, und der Tisch voll Goldes, und der prächtige Offizier mit dem Orden auf der Brust und die schwarze Mitternachtsstunde, das konnte Keiner wieder vergessen, und es war wie ein seltsamer Traum.
14. Die Leute verwundern sich sehr.
"Was gibt's denn, Velten? Kaspar, was gibt's denn?" fragte der alte lahme Wächter, als er am andern Tage durchs Dorf entlang ging: "Was gibt's denn? kommt wieder ein Prinz oder Kaiser, oder gar ein Bürgermeister aus der Stadt? Was ist denn los, dass ihr so aufputzet?" So fragte er, und man lachte.
Es fiel aber wirklich vielen Menschen auf, und war in vielen Häusern ein sonderbares Leben. Da wurden Fenster gewaschen, Fussboden gescheuert, Türen gesäubert, Tische, Schemel und Bänke gefegt. Sogar vor den Häusern wurde Alles in Ordnung gebracht, Schutt und Unflat auf die Seite geschafft, und allem, was herum lag, ein besserer Ort gegeben. Die zweiunddreissig Hausväter wussten es wohl, sagten aber nichts. Denn sie dachten: in sieben Jahren haben wir alle Kisten und Kasten voll Geld.
Als Oswald die Geschäftigkeit der armen Leute sah, sprach er zu Elsbet: "Ich weiss nicht, ob ich darüber traurig werden oder lachen soll. Denn siehe, was die Leute nicht aus eigenem Gefühl, nicht aus Liebe zu Weib und Kind, nicht aus Liebe zu Gott, nicht aus Not und überzeugung früher getan haben, das tun sie jetzt aus abergläubischer Furcht und Hoffnung. Wie töricht sind doch die Menschenkinder! – Aber sie sollen durch den Aberglauben zur erkenntnis der Wahrheit, und durch ihre Verderbteit zur Rechtschaffenheit eingehen."
Die Verwunderung im dorf ward aber von Woche zu Woche grösser. Denn die Wirtshäuser wurden fast leer. Sonntags hörte man auf der Kegelbahn weder Kegel, noch Flüche, noch Gelächter. Kartenspiel und Würfel rührte fast Keiner mehr an. Den Wirten ward im Keller das Bier sauer, weil es Keiner mehr trank. Von Wein und Branntwein hatten sie nur einen geringen Absatz. Die meisten Leute blieben daheim bei Frau und Kindern, oder gingen auf die Felder und besahen ihre wenigen Aecker und berieten, was in der Woche daran zu machen und zu bessern sei. Die, welche vormals zu den lustigen Brüdern gehörten,