er endlich genug wusste, sprach er: "Ich weiss genug, um ihm den Hals zu brechen. Er muss vor Gericht, und seine eigene Schwiegermutter, die Müllerin, soll wider ihn zeugen und vor Gericht bekennen, was sie von ihm weiss. Als Vorsteher ist es meine Pflicht, zu reden. Ich kann das nicht länger dulden, ohne verantwortlich zu werden."
Also machte er sich eines Sonntags auf und legte seine Staatskleider an, setzte den dreieckigen Hut recht majestätisch auf, nahm das spanische Rohr mit dem silbernen Knopf, und ging mit breiten Schritten zum Dorf hinaus nach der Stadt. Er sagte aber keinem Menschen ein Wort davon, dass er im Sinn habe, dem Oswald bei der hohen Obrigkeit böses Spiel zu machen. Denn er fürchtete, wenn der Hexenmeister Wind davon bekäme, der könne ihm Schaden zufügen, ehe er noch zur Stadt gelangt wäre.
Und wie er auf der Landstrasse allein ging, sprach er im Eifer laut mit sich selber, als wenn er schon vor einem Herrn Ratsherrn stände; und er lief dabei immer schneller, und fuhr im Zorn bald mit der rechten, bald mit der linken Hand in der Luft herum, wie ein Pfarrer auf der Kanzel. Bei diesem Eifer kam im Laufen der lange Stock zwischen die Beine, also dass er stolperte, und über den Stock auf den Erdboden fiel. Der Hut flog weit hinweg, die Nase schlug sich platt, und seine Beine stiegen hoch aufwärts, als wolle er gar auf den Kopf stehen. Er stand ächzend und fluchend auf, und nahm seinen Hut aus dem Staube. An seiner Stirn aber schwoll eine Beule, als wollte ein Horn heranwachsen, und seine blutende Nase war blau, wie eine dicke Pflaume. "Das hat mir gewiss der Oswald angetan!" dachte er, und fürchtete sich, weiter zu gehen, damit ihm nichts Schlimmeres begegne.
Indem er noch mit dem Schnupftuch das Blut von der Nase wischte, kam die Strasse daher in vollem Galopp ein Herr zu Pferde, Hut und Rock mit goldenen Tressen besetzt. Der hielt vor dem Löwenwirt still und fragte hastig: "Wohnt dort im dorf ein gewisser Herr Oswald, und ist er zu haus?"
Der Löwenwirt sprach: "Ja, warum denn?"
Der Fremde rief: "Der Erbprinz will ihn besuchen." So sprach der Fremde und jagte davon nach Goldental.
Der Löwenwirt sperrte vor Verwunderung Maul und Nase auf und sagte: "Wa – wa – was? Der Erbprinz? Ein Prinz zu dem Oswald?" Wie er dies sagte, fuhr im Galopp ein prächtiger Wagen mit sechs Pferden daher, schöne Bediente vorn und hinten auf. Darin sass ein junger Herr im blauen Oberrock, der hatte auf der Brust einen silbernen Stern. Der Wagen fuhr vorbei nach Goldental.
"Der Blitz und der Hagel!" schrie Brenzel: "Der Prinz will gewiss bei mir einkehren. Ich bin nicht zu haus, und nun fährt er zum Adler!" Brenzel lief, was er konnte, ins Dorf zurück. Da geriet ihm abermals im vollen Sprung der lange Stock zwischen die langen Beine, dass er wiederum zu Boden fiel, wie ein Baum. Alle Rippen krachten ihm im leib, und seine Staatskleider waren grässlich gesalbt. Er hinkte fluchend und langsam zum dorf. Da er vor seinem haus keinen Wagen sah, ward er voll Gift und Galle, denn er dachte, der Prinz sei beim Adlerwirt Kreidemann eingekehrt. Er hinkte also weiter, aber er sah auch keinen Wagen beim Adler. So ging er in sein Haus zurück, und keine Seele war darin. Er legte andere Kleider an und wusch sein Gesicht, und erschrak, wie er sich mit der faustdicken Nase und gehörnten Stirn im Spiegel erblickte, wiewohl man im Spiegel wegen des Fliegenkotes nicht viel sah. Nun wetterte er, wie ein grimmiger Löwe, auf seine Leute, die alle davon gelaufen waren. Da kam die Magd ganz odemlos und rief: "Herr, beim Schulmeister ist ein lebendiger Kaiser angekommen, oder wohl gar ein König! Das ganze Dorf ist vor Schulmeisters Haus zusammengelaufen."
Brenzel wusste nicht, was tun; ging endlich aber doch hinaus vor Schulmeisters Haus zu den Leuten. Nach einer halben Stunde kam der Erbprinz aus der Haustür, und hatte Oswalden an der einen und Elsbeten an der andern Hand, und war gar freundlich mit ihnen. Und wie er in den Wagen gestiegen war, reichte er ihnen Beiden noch einmal die Hand zum Abschiede, und dann fuhr er im sausenden Galopp davon, Reiter voraus. Alle Bauern hatten die Hüte ab und vor Erstaunen das Maul auf.
Nun war's im ganzen dorf ausgemacht, der Schulmeister könne mehr als Brod essen. Der Prinz komme zu keinem Dorfschulmeister, bloss um ihn zu besuchen, und sei um nichts und wieder nichts so freundlich mit ihm gewesen. Grosse Herren brauchen viel Geld, und dazu brauchen sie Schatzgräber und Goldmacher und desgleichen. Grosse Herren seien nicht immer die frömmsten, das wisse man wohl, und machen sich nichts daraus, wenn sie schlimm aus der Welt gehen, sobald sie nur gut in der Welt leben können.
Diese und andere Reden gingen von der Zeit an im dorf, und vielen verlumpten und verarmten Bauern im kopf herum. Und Viele wurden vertraulicher und sprachen Einer zum Andern: "Wüsste ich nur, wie es anfangen, ich machte mir nichts daraus. Ich verschriebe