hexen!" sagte die Löwenwirtin, indem sie eine Prise Schnupftabak nahm, und sich die Nase mit dem Aermel wischte.
"Ja wohl!" sagten die jungen Männer alle: "Die kann es. Wenn Elsbet nicht schon verheiratet wäre, sie würde uns allen die Herzen aus dem leib hexen, so schön ist sie!"
Und die verheirateten Männer im dorf verfuhren gar oft grob mit ihren Weibern, und gaben ihnen Schmähworte und Ohrfeigen, dass sie nicht auch so schön geblieben waren, wie die Schulmeisterin. Dann heulten die Weiber und fluchten und schworen und zerkratzten ihren Männern das Gesicht mit ihren langgewachsenen Nägelkrallen.
Zwei Mädchen, welche Elsbets Freundinnen waren und bald Hochzeit machen wollten, kamen zu Elsbet und sprachen: "Du bist nun seit Jahr und Tag eine Frau, und bist so hübsch wie eine Jungfrau. Und alle Männer bewundern dich, und alle Weiber müssen dich beneiden. O Elsbet, sage uns an, wie du das machest? Denn siehe, du weisst es, sobald bei uns eine Tochter einen Mann hat, wird sie hässlich und wüst, und die Liebe hört auf. So ist es nicht bei dir."
Die junge Schulmeisterin antwortete und sprach: "Ich will es euch sagen. Die Weiber haben allein die Schuld. So lange sie Jungfrauen sind, und den jungen Burschen gefallen wollen, schmücken sie sich, und alles Geld, was sie haben und verdienen, stecken sie in neuen Putz. Da sind sie sauber und glatt, dass ihre Stirn glänzt an der Sonne, und ihr Haar ist wie gemalt. Haben sie endlich einen Mann, da denken sie nicht mehr daran, gefallen zu wollen. Da gehen sie des Morgens lange umher mit Stroh und Bettfedern im ungekämmten Haar; vergessen, sich jedesmal zu waschen, wenn sie unrein werden, und denken, wenn sie recht wüst kommen, das stehe einer Frau gut, und man sehe ihr an, dass sie viel handtiere. Dann muss gespart werden; der Mann braucht Geld, und man kann es nicht mehr, wie als Tochter, in allerlei Putzkram stecken. Das Gewand wird alt und beschmiert und schadhaft; das Ausbessern kostet viel Geld, und Selbermachen hat keine gelernt. So gewöhnt man sich an Lumperei und Sudelei, und die Frau wird vom Unflat entstellt und wüst, weil sie nichts mehr auf sich hält. Und sie wird endlich dem mann selbst gleichgültig oder zum Ekel, und dann kommt der Unfriede ins Haus, sobald die Frau mit Löchern in den Strümpfen geht."
Die Mädchen sprachen: "Elsbet, du hast wohl Recht."
Die junge Schulmeisterin sagte: "Als ich den Oswald nahm, dachte ich sogleich darauf, wie ich ihm beständig gefallen könne, denn ich hatte ihn gar lieb. Und ich nahm mir vor, noch mehr auf mich selber zu halten, als zuvor, und nie vor seinen Augen zu erscheinen, als gewaschen und zierlich, allzeit mit unbeflecktem Gewand. Darum nahm ich sorgfältig meine Kleider in Acht; darum musst' es in meinem Stall und in Küche und Keller so sauber sein, als in einer stube. Der geringste Fleck in meinem Anzuge musste sogleich ausgemacht werden. So blieben meine Kleider wie neu, und ich selber blieb darin meinem mann alle Tage neu."
Die Mädchen sprachen: "Aber Elsbet, die Zeit zerreisst endlich das sauberste Gewand; woher ein neues Kleid anschaffen, wenn der Mann kein Geld gibt?"
Elsbet antwortete: "Ich gebrauche weniger Geld zu Kleidern, als Andere. Denn ich bessere mit wenigen Nadelstichen das kleinste Loch aus, damit es nicht grösser werde. So kostet es nichts als Faden und Zwirn. Andere aber tragen ihr Zeug, bis es alt ist, und lassen daran, was schadhaft ist; dann wird aus einem kleinen Loch ein grosses, und in kurzer Zeit wird alles zu Fetzen, und man muss neues Gewand kaufen, während ich immerfort mein altes trage und damit viel Geld erspare. Hausfrauen, die nicht flicken und nähen können, verschwenden grosses Geld und gehen doch wie aus dem Kot gezogen."
Als Elsbet solche Worte redete, wurden die Beiden Mädchen rot, und fingen an zu weinen und sprachen: "Wir haben nicht so sauber nähen und flicken gelernt, wie du. Das wird uns viel Schaden im haus bringen, und wir sehen viel Leiden voraus, und wir können es nicht ändern." Und die Mädchen gingen traurig weg.
Darauf erzählte Elsbet ihrem mann das Gespräch mit den Freundinnen und sagte, sie wolle beide nähen und flicken lehren, denn es erbarme sie, wenn die beiden Mädchen sollten unglücklich werden.
Oswald drückte seine gute Frau an sein Herz und sprach: "Damit wirst du dir einen Segen Gottes verdienen und selber ein Segen dieses Hauses werden. Nicht nur die beiden Mädchen lehre, sondern Alle, die von dir lernen wollen. Viele Haushaltungen im dorf werden arm und elend bei aller Arbeit und Mühe, weil die Weiber nicht die rechte Haushaltungskunst verstehen. Sie verstehen nicht, ihre Gärten mit allerlei gesundem Gemüse zu bepflanzen, damit sie Abwechslung bei den speisen haben. Wollen sie einmal gut kochen, tun sie viel Speck und Fett und Schmalz und Oel an, und kostet viel, und wird doch nichts Rechtes, sondern ein ungesundes Essen. Die schlechte Nahrung setzt schlechtes Blut ab und böse Säfte. Davon kommen Krankheiten, die kosten viel Geld, und mit dem arbeiten geht es bei