viere Raum hatten, zierten das grösste, mit achteckigen Steinen gepflasterte Zimmer. "Hier ist das Schlafzimmer für die Gäste", sagte der Ehrenhalt, "lasst Euch ja nicht merken, dass Ihr eigentlich hier mehr zu befehlen hättet, sonst müsst Ihr hier bleiben gegen Euren und meinen Willen." Anna erbleichte etwas, sie schrieb es dem mit Kaliums bestreuten Boden zu, auch war mit Wacholder geräuchert, weil das Zimmer so lange unbewohnt geblieben. Anna sah zum Fenster hinaus, um eine gewisse Beklemmung ihres Herzens aufzulösen, aber sie musste es vor aufbringendem, üblen Geruche schliessen. "Ihr müsst Euch nicht verwundern", sagte der Ehrenhalt, "da unten ist der grosse Hundestall, doch wenn er Euch lästig, so schaffen die Knechte morgen alles fort. kommt heute zu dem Oheim im zweiten Anteile, doch muss ich Euch vorher sagen, die vielen Kinder, die da herumfaulenzen, sind keine echte, das ist so uneheliches Zeugs, von ihm und der Frau Ita, seiner Ausgeberin, und Gott weiss von wem noch sonst; haltet Euch die vom leib, die schnüffeln und betteln überall, sind wild- und Fischdiebe, wie keine auf der Welt; wenn der alte Graf ihnen nicht täglich die Haut gerbt, so behält der erste Anteil nichts."
Nachdem Bertold und seine Frau angemeldet waren, so traten sie in das Zimmer des alten Oheims, der ihnen wie ein ernstes Knochengerippe von einem Riesen der Vorzeit entgegen trat und sie feierlich, doch verlegen, nicht als Verwandte, sondern als Fremde begrüsste. Es wollte sich kein Gespräch anknüpfen, der Alte brummte einige unverständliche Höflichkeit, während Bertold und Anna mit Verwunderung das Zimmer überblickten. Ein kleines Mädchen futterte da unzählige, junge Hühner, während die alten Gluckhennen gegen einander eiferten, eine Mästgans wackelte auch herbei und die Nudeln, mit denen sie genudelt werden sollte, dunsteten mit schrecklichem Geruch von dem scharf geheizten Stubenofen, in welchem gebacken wurde, während die Fenster gegen die Sommerhitze verschlossen waren. drei alte, fette Hunde, deren Haar vom steten Liegen abgerieben war, bellten von den schmutzigen Polsterstühlen, indem sie sich ausstreckten, an der Decke wankte ein grosser Wermutbüschel mit den Fliegenleichen und eine Wetterdistel drehte sich, als ob sie ein nahes, böses Wetter verkündigte. Sollte dies aber aus einer Weltgegend kommen, so musste es zunächst von Frau Ita ausgehen, die im Hintergrunde den geschundnen, blutigen Körper eines Hasen spickte. Dies Ungewitter mit starken Schlägen traf aber ein etwas erwachsenes Mädchen, das sich an Anna heran geschlichen hatte und ihr die Röcke sacht von der Seite ein wenig aufhob um zu sehen, von welchem Zeuge ihre Unterröcke wären, denn das erklärte sie jetzt unter der peinlichen Backengerichtsordnung der Mutter, als einzigen Grund ihrer heimlichen Bestrebungen. Der alte Rappolt wollte gern Frieden stiften, drückte aber dabei vorsichtig wie eine Katze, die Schläge fürchtet, die Augen zu, auch wurde seine Vermittelung abgewiesen. Dagegen stiftete sich sogleich Friede, als ein junger, derber Bursche Frau Iten mit den Worten in die hände griff "Mutter, Sie ist verrückt, was sollen die fremden Leute von Ihr denken, Sie meint noch immer, dass Sie die Schweine unter sich hat, geh Sie mit Ihrem Küchenschmutz in die Küche." Frau Ita entschuldigte sich und ging fort, der alte Rappolt sah mit dankbarer Rührung den höflichen Jüngling an und erklärte sich offner gegen Bertold. Die gute Frau sei sehr heftig, aber sie sei sein einziger Trost, er müsse beherrscht werden, Gram nehme ihm die Besinnung, und ohne ausgezankt zu werden, komme er zu keinem Entschlusse. Sie sollten sich vor den Kronenwächtern in acht nehmen, fuhr er nach kurzem Stillschweigen fort, eben so auch vor den andern. Er habe einen schönen Sohn von seiner verstorbenen, geliebten Frau gehabt, mit Namen Friedrich, den hätten sie zuerst auf der Kronenburg erzogen, der sei von einem fremden Ritter in das wasser gestürzt worden, er habe es unter der Hand erfahren. Darauf er nach langen Jahren Zwillingssöhne, Anton und Konrad bekommen. Bald hätten ihm die Kronenwächter seinen kräftigen, hell gelockten Anton genommen und der sei entflohen, kein Mensch wisse wohin, nun sei ihm nur noch Konrad übrig, der sei ein dürrer Neidhart von Jugend an gewesen und werde jetzt auf der Kronenburg erzogen, wolle da nicht mehr gut tun, sie würden ihn auch bald bei Seite schaffen. Als er dies beendet, fiel er in ein Weinen und der Bastard riet Bertold fortzugehen, "denn", sagte er, "kommt Vater auf die alten Geschichten, da weiss er nicht mehr, was er will, da kann die Mutter kaum mit ihm fertig werden, da will er Waffen anlegen und darf doch nicht heraus. Er hat einmal in seinen frühern Jahren die Kronenburg verraten wollen, ist im unterirdischen Gange im Sperrwasser gefangen und aufgefischt worden, seitdem musste er hier hocken. Sie wollten nur Söhne von ihm haben, dann, sagten sie, wollten sie ihn hinrichten. Wie ginge er so gerne auf die Jagd, aber er darf nicht heraus, da sieht er drüben die Hirsche am Gebirge sich sonnen, seht Ihr, wie er hinsieht, er kennt alle am Geweihe, er darf aber nicht heraus. Das hat ihn so unsinnig gemacht." – "Aber hört er denn nicht, was du jetzt sprachst," fragte Bertold, indem er mit Annen fortging. – "Kein Wort hört er, wenn er