andres mehr, was dem Grünewald schon zu Kopf steigen konnte, aber er antwortete mit der "Schwabenbeichte"; sie sangen von der vierbeinigten, bayerischen Nachtigall, er achtete dessen wenig, denn wie er mehr trank, ging es ihm immer trauriger zu Herzen, dass Anna sich an dem Tage vermähle und dass er nicht der Bräutigam sei. Kaum merkte der Oberpfeifer Haring, dass er traurig wurde, so hielt er das für Verzagteit und rückte mit lustiger Bosheit gegen ihn an. Er hatte eben das Geschichtlein des Mantels von dem Kunstgenossen erfahren, gab sich das Ansehen, welsch reden zu können, indem er viel Schimpfworte aller Völker in allerlei fremdes Geschrei einmischte und sprach zu einem Schüler so erzählend, indem er abwechselnd auf den Mantel des Sängers hinwies, auch wohl den Mantel anfasste, doch halb verstohlen, und Geld zählte. Grünewald merkte nun wohl, dass er verraten sei, die Beschämung erregte seine Galle. Um Haring zu ärgern, machte ihm Grünewald boshaft nach, wie er beim Blasen seine Backen dehne und nichts heraus bringe. Haring schlug ihm auf die Bakken, dass der bayerische Wind hinaus fahre. Grünewald zog sein Messer, die Kunstpfeifer rissen es ihm fort, drängten auf ihn ein, er war zur Rataustüre hinaus gedrängt, ehe er zur Besinnung kam. Der Stadtpfeifer warf ihm ein Becken auf den Kopf und rief ihm zu: "Gott geleite Euch." Darüber lachten die Weiber am Brunnen gar unmässig und Grünewald wollte wieder die Treppe hinanstürmen und neues Geprassel von Töpfen stürzte über ihn her, ehe Bertold und der Ehrenhalt es hindern konnten. In seinem Rausche, glühend und kühl durchnässt, lief er hastig am Markte umher und regte alle Jammertöne seiner Ziter, die ihm um den Leib hängen geblieben. Ernst sprachen die Sterne zu ihm und mit Trauer die hohen Häuser, er hätte immer wieder zu Annen hinaufstürmen mögen, die Beine trugen ihn aber unsicher, wohin sollte er sich wenden? Er sank an der Ehrenpforte nieder, über der Anton die letzten Bretter seines Malergerüstes befestigte. Da sich inzwischen nach Wegnahme der Tische in den Rataussälen, alles zum Reihentanz geschickt hatte, also die Pfeifer und Fiedler vollauf zu tun hatten, die Weiber am Brunnen aber an die Fenster neugierig sich drängten, so hatte er Musse, seinem Geschicke nachzudenken, wenn er nur Vernunft dazu mitgebracht hätte, aber sein Nachdenken bestand immer nur im Erzählen. Erst sprach er mit sich selbst, dann stieg Anton vom Gerüste herunter, und er fand an dem Maler einen gutmütigen Zuhörer. Er berichtete diesem, dass er gar berühmt und geachtet sei, so wenig es ihm jetzt einer ansehe und so wenig Ehre ihm der verdammte Stadtfiedler übrig gelassen "Wenn ich so ein Glas zu viel getrunken habe", sagte er endlich, "da kommt es mir immer vor, als ob ich ein Kaisersohn und einst in einem gläsernen schloss bei einem Löwen gewohnt habe, doch will mir das kein Mensch glauben." – "Ich glaube es Euch wohl", sagte Anton, "aber seid froh, dass Ihr aus dem Neste fortgekommen seid." – "Warum das, was wisst Ihr davon?" fragte Grünewald. – "Ich meine nur", antwortete Anton, "das Schloss hätte in Stücken gehen und Ihr drein treten können." – "Meinetwegen", antwortete Grünewald, "mag es nur so ein Traum mit dem schloss sein, aber das ist gewisslich wahr, dass ich, wie Moses auf einem Baumaste schwimmend bei Bregenz ans Land getrieben bin und da hat mich leider keine Königstochter, sondern ein alter Hofnarr zu sich genommen, der hiess Konrad Naftsger aus Limpurg, von dem habe ich Ziterspiel und Meistergesang gelernt, habe schon dreimal im Wettgesang das Gehänge gewonnen und bin in Nürnberg zum Meister gemacht. Da gaben mir alle Ratsherren ein grosses fest und die Stadtpfeifer bliesen vor meinem Fenster. Oft ist der Herzog von Bayern Abends zu mir gelaufen, ein Buhlenlied sich zu bestellen, und manche Fürstin drückte mir die hände. So schlecht, wie hier, ist's mir noch nirgends ergangen und ich kann nicht glauben, dass ihr hier sonderlich lustig seid." – "Wir sind hier nach unsrer Art auch recht lustig", meinte Anton, "aber grob sind wir auch ein wenig." – "Es scheint mir", sagte Grünewald, "als ob die Leute hier gar nichts von zierlichen, ritterlichen Festen wissen, ihr seid hier wie die Böhmen." – "Wie sind die?" fragte Anton. -"In Böhmen ist es noch schlimmer, davon hat Konrad, mein Meister erzählt, ich muss es Euch schon vorsingen, auf dass Ihr daraus erseht, wie es mir nicht allein bei solchen Fressgelagen übel ergangen ist, und dass ich armer Narr mich endlich auch trösten kann."
Der Böhmen König gibt ein fest;
Auf goldnem, reichbesetzten Tisch
Steht ein verstecktes Narrennest,
Ein ungeheurer Riesenfisch.
Der König schneidet in den Bauch,
Da springt ein kleiner Kerl heraus,
Bekleidet nach Prophetenbrauch
Und gibt sich für den Jonas aus,
Und küsst des Königs Gnadenhand,
Die aus dem Fische ihn befreit,
Das Kerlchen spricht so schlau gewandt,
Dass es den König recht erfreut.
"Wer bist du Zwerglein", spricht der Held,
"Sei mir willkommen bei dem Schmaus,
Was treibt dich in die weite Welt,
Wo bist du kleiner Mann zu Haus?"
Er spricht "Ich bin