herrschaft, auch die Geliebte und nicht durch Gewalt, sondern durch ihre Neigung zum Könige.
Siebentes Bild
Die schöne Braut war von Müdigkeit überwältigt, im Gemache der Mutter eingeschlummert und ihr Schlaf war lang. Der König gönnte sich nur kurze Rast, es trieb ihn die sehnsucht nach dem alten Sänger, der gleichsam eine Seele seines Volkes, unbewusst sein Schicksal gelenkt hatte. Er sorgte für die Sicherheit seine Braut und zog mit den rüstigsten Grafen und den wegkundigsten Gebirgsjägern in den grossen Schwarzwald. Er selbst ging voran weil er an den bedeutendsten Punkten Zweige eingebrochen hatte auch fand er bald diesen seinen Weg, den ihm der Knabe gezeigt hatte, nur fehlten jetzt alle die Brücken, auf denen er über Abgründe sicher hingeschritten. Diese Verbindungen schienen mit Absicht vernichtet zu sein. Aber der König liess sich dadurch nicht abhalten; die Gebirgsjäger, obgleich sie diesen wilden teil des Waldes nur selten berührt hatten, wussten doch aus ihrer Erfahrung guten Rat, die schroffsten Felsen zu umgehen und Wege zu bahnen die Jäger erlegten die zornigen Bewohner der Wildnis, die ihnen nahten, Bären, Wölfe, Luchse. Zwei Tage arbeiteten sie mit frischem Mute, aber am dritten wurden alle stiller und langsamer mancher meinte, es sei unmöglich, dass der König in einer Nach diese Wege gewandelt sei, er müsse wohl geträumt haben. Darum waren alle sehr überrascht, als sie wirklich beim Aufgange de dritten Tages in einer grünen Fläche, die von hohen Eichen um geben war, eine wunderbare Kapelle erblickten, die aus hoch stämmigen, weiss blühenden Rosenbüschen geflochten, von Epheu umrankt, ein Kreuz über der Erde bildete. Der König ging voran um den alten Freund durch die Zahl der Gäste nicht zu erschrecken ihm folgten die andern. Als aber der König die tür öffnete, sah er einen einfachen Altar, wo wenige Tage vorher der Alte geschrieben hatte, ein Kreuz bezeichnete ihn und die Morgensonne glänzte prachtvoll hinüber. Alle knieeten nieder, der König beschloss, dem Erlöser hier, wo er vom Trübsinn zur Freude erlösworden, eine Kirche zu erbauen. Und als er über die Art diese Baues nachsann, erblickte er auf dem Altar den Bau vieler Bienen, welche in ihrem Wachs die Kapelle im kleinen nachgebildet hatten.
Gleich der freundlichen Kapelle
Ist der Wachsbau ausgeführt,
Von dem Turme bis zur Schwelle
Gleiches Mass darin regiert.
Einsam bauten diese Bienen
Wohl schon manche liebe Zeit,
Dass sie diesem Altar dienen,
Dass ein Schränklein sei bereit,
Um das Heil'ge drin zu stellen
Und des heil'gegen Nachtmahls Brot,
Das der Priester den Gesellen
Bei des Baues Gründung bot,
Denn da flogen sie zur Sonne,
Wie ein Kreuz geordnet hin,
Dass Vertrauen mit der Wonne
Sel'ger Tränen weicht den Sinn.
Dreifach wird die Kirche schimmern
In dem Wachs, im Rosendach,
Aus Granit die Werkleut zimmern
Nun die Wölbung auch danach.
Die beiden Kapellen und die Gründung der Kirche zeigt das Bild, alle dreie einander gleich, nur in verschiednem Masse.
Achtes Bild
Nachdem der Bau angeordnet und die Arbeiter bestellt waren, zog der König heim, indem er überall den Weg zu dieser Wallfahrtskirche eröffnen liess. Acht Tage nach seinem Auszuge traf er zum schloss des Grafen ein. Da trat seiner freudigen Ungeduld die liebliche Braut weinend entgegen und klagte, sie habe ihren Vater nur wieder gefunden, um sein Ableben zu betrauern. Die Vorsteherin des Klosters habe sie zu ihm geführt, aber er habe, einem Toten ähnlich, wenn gleich noch atmend, in seiner Hütte geruht. Zwar hätten die Nachbarn, welche ihm gern aufwarteten, weil er ihnen zum Lohn schöne Geschichten erzählte, behauptet, er sei nicht tot, sondern schon oft in solche Entzückung verfallen, aber sie könne nicht mehr an diesen Trost glauben, diese Störung seines Lebens dauere zu lange. Hierauf führte sie den bestürzten König nach dem saal, wo der Vater unter einer Purpurdecke auf weichen Kissen ruhte. Wie sie nun die Decke mit abgewendetem gesicht aufhob, rief der König: "Frommer Sänger, du hast mich ins Leben zurückgeführt und bist selbst zu den Toten gegangen, warum sahest du nicht die Freude deines Werkes, ehe deine Augen sich schlossen." – So war es nun heraus, der Vater seiner Braut, der alte Herzog war eben der Meistersänger, dessen Schauspiele und Gesänge die Stadt erfreuten, eben der, welcher den König aus seiner Trägheit erweckt hatte. Das Seltsame aber war, wie er nach der Wildnis gekommen, da die Nachbarn versicherten, er habe an jenem Tage schon in der Verzückung auf seinem Bette gelegen. Wie nun der König jener Ähnlichkeit der zwölf Knaben mit seiner Braut gedachte, da fiel ihm ein, ob es wohl die zwölf Söhne gewesen sein möchten, welche die Hunnen umgebracht hatten? Es schauderte ihm, als ob er im Schwarzwalde schon über die Grenzen des Lebens hinüber gestiegen gewesen, aber durch Warnung in dessen Mitte wieder zurück getreten sei. Da traten die beiden treuen Begleiter seiner Jagd, die beiden Ritter, welche erkrankt gewesen, in abgetragenen Wämsern, wie es sich an Höfen wohl nicht ziemte, in den Saal, begrüssten den König mit Freudentränen, erzählten, wie sie ihn so lange vergeblich gesucht hätten, bis sie ihn endlich durch den Fang zweier Vögel, unter denen auch der, welchem der König so lange nachgeschlichen, zur Heimkehr veranlasst worden wären. Dieser Fang, der ihnen so leicht geworden, da die Vögel mit einander gespielt und sie nicht wahr genommen hätten