habt mein Zutrauen getäuscht, ich habe Euch meine königliche Gewalt übergeben, mir bleibt nur mein ritterliches Herz, einer von uns beiden ist der Erde überzählig, zieht lieber Graf, dass Gott zwischen uns blutig richte, wer hier herrschen soll." – Der Graf zog zwar seinen Degen, aber von dem früher gewohnten Gefühle übernommen, dies sei sein Herr, legte er den Degen zu dessen Füssen, kniete nieder und sprach: "Ich habe Euch nicht kränken wollen, gnädiger Herr, verzeihet meiner Jugend und der Freiheit, der Ihr uns überlassen hattet, wo ich in leidenschaft irrte." – Der König setzte ihm einen Fuss in den Nakken, erhob sein Schwert und sagte: "Der Übermut deiner Diener hat mir heisses Pech auf den Nacken geschüttet, als ich ruhig dem Freudenfeuer zuschaute, an dir will ich mich rächen, dein Tod ist in diesem Augenblick ein Schwung meines Arms! Ich will nicht deinen Tod, doch gedenke dieses Augenblicks künftig und schwöre mir ritterliche Treue!" – Der Graf hob die Hand auf und schwor ihm einen Eid der Treue, da gab ihm der König seinen Degen zurück und befahl, ihn als Herrn in die Mitte der Grafen zu führen, die in dem schloss versammelt wären. Das Bild stellt dar, wie der König ihm den Fuss in den Nacken setzt und sein Schwert erhebt:
Der vor allen hochgestanden,
Ist am tiefsten nun gebeugt,
Also geht der Stolz zu Schanden
Und vor Gottes Macht sich neigt.
Wer mit Mut dem Rechte dienet,
Ist erfüllt von Gottes Macht,
Was er schafft, auf Erden grünet,
Was er störet, sinkt in Nacht!
Und woran er zu erkennen,
Ist die sichre Mässigung,
Rache will er sich nicht gönnen,
Ihm genügt die Besserung.
Sechstes Bild
Der Graf, von der Würde des Königs in seinem leichtsinnigen Herzen frisch erschüttert, meinte sich ernstlich ihm anschliessen zu müssen, er schilderte ihm die Verwirrung, die Bedrückung des Landes, den Trotz der meisten Grafen, die sich gewiss der Rückgabe aller Gewalt in seine hände widersetzen würden. Er wolle deswegen den Saal mit bewaffneten Dienern besetzen, dass die Grafen nicht zu ihren Waffen kommen könnten und sich in die notwendigkeit seiner Anerkennung ohne gewaltsamen Widerstand ergäben. Für diesen Rat ernannte ihn der König zum Nachfolger in der Regierung, wenn er, der letzte des altschwäbischen Hauses, ohne eigne Kinder sterben sollte. Diese Gnade befeuerte den Grafen, er bewaffnete schnell die besten Leute; der Saal, wo die Ritter bankettierten, ward von ihnen besetzt, als der König, die Krone auf dem haupt, das Schwert in der Hand, von vielen bewaffneten Fackelträgern umgeben, an seiner Seite der Graf in den Saal trat. Da war grosses Erstaunen, insbesondere als der König nicht freundlich, sondern mit harter Belehrung ihnen ihre Fehler verwies, sie bedrohete, alle entaupten zu lassen, wenn sie nicht in Reue und Demut ihren Übermut büssten. Sie sahen den Grafen und dessen Leute auf der Seite des Königs, sie fühlten sich verloren, wenn sie widerstehen wollten, sie knieten nieder, gaben die Regierung in seine Hand zurück und liessen sich an ihren alten Rechten genügen und huldigten ihm von neuem. Und als nun dies grosse Werk für das Land geendet war, da befahl der König zu neuer Überraschung des Grafen, die geraubte Jungfrau in den Saal zu führen. Und bald trat sie mit dem Morgenstern in den Saal, der die Decke der wunderbaren Nacht lüftete, und alle waren erstaunt über ihren Glanz, vor allen der König, der sie jenem liebreichen Knaben ähnlich fand, der ihn aus dem wald zurückgeführt hatte und der noch immer wie ein wunderbarer Engel in seinem Andenken erschien. Der König kündigte ihr Freiheit an, zugleich bat er, Im ihren Namen und ihr Geschick zu vertrauen, dass er für ihre Sicherheit sorgen könne. Da nannte sie sich die Tochter des unglücklichen Herzogs David, aus Ungerland, der im Kampfe gegen Attila seiner zwölf Söhne, seines Landes und Verstandes beraubt, ich unter dem Namen eines Meistersängers in dieses Königreich Schwaben geflüchtet und sie einem Nonnenkloster in Schutz gegeben habe; sie bat um Freiheit, ihn aufzusuchen, für ihn zu sorgen, er König fragte zagend, ob sie ihr Gelübde im Kloster schon abgelegt habe. – Sie antwortete mit niedergeschlagnen Augen, ass sie noch kein Gelübde abgelegt habe und auch keines ablegen werde, seit sie erfahren müssen, dass nicht die Klostermauern, sondern ritterlicher Mut sie gegen Gewalt geschützt habe. Darauf kniete der König vor ihr nieder, ergriff ihre Hand und zeigte ihr einen Goldring. Und sie steckte ihren Finger hinein, denn ihre Augen verstanden sich und nannte ihn ihren lieben Ritter, denn sie wusste nicht, dass es der König sei. Als aber jetzt die Grafen ihr mit gebeugtem Knie die Hand küssten und das Heil ihrer neuen Königin ausriefen, da erkannte sie die hohe Würde ihres Verlobten, wie sie sein hohes Herz erkannt hatte, sie verbarg ihr Antlitz auf einer Brust und segnete alles Unglück, in welchem der Himmel geprüft, ob sie dieses Glück ertragen könne, wobei sie ihres Vaters gedachte, wie er sich dieser Rückkehr zum alten Ansehen eines Hauses freuen werde. Das Bild zeigt, wie sie den Finger in den Ring steckt, die alten Reime sagen:
Seht der neue Tag zieht prächtig
In die Herzen, in die Welt,
Alle sorge dunkel nächtig
Hat zum Grafen sich gestellt.
Wer verlor auch mehr als der Graf, ausser der