– und Apollonia noch verwunderter Annen, – der alte Ehrenhalt lachte recht von Herzen. – "Warum lacht Ihr, Alter?" fragte Bertold, "dass ich so eifrig bin, mir hier gleich ein Brunnenhaus fertig zu denken, woran noch mancher Meissel stumpf wird. Ihr sehet hier noch Stangen, ich sehe schon die Blumenkrone in Marmor über dem Brunnen, ich sehe schon die Morgensonne von jener Seite, wie sie die Fenster durchleuchtet, ich meine das Tal dort wird noch freundlicher scheinen, weil es weniger blendet." – "Herr", antwortete der Ehrenhalt, "Eure Absicht finde ich gar wohl erdacht, aber ich wundre mich, dass Ihr diese Arbeit so wenig kennt nach ihrem Werte und ihrer Seltenheit, dass Ihr es für eine blosse Artigkeit Eurer Braut haltet. Solche Fenster möchte der Kaiser sich wünschen und sie nicht bereit finden; dieser mühsam zusammengebrachte Reichtum an Schmelzfarben steht keinem Glasmaler so zu Gebote und die Fertigkeit in der Benutzung aller ihrer Mischungen und Überlagen fordert ein vieljähriges Nachdenken. Hier ist nicht wie in gewöhnlicher Glasmalerei mit Schwarz geschattet, ein jeder Schatten sinkt in seiner eigentümlichen Farbentiefe. Ehrt dies Geschenk, das erste, womit die Kronenwächter Euch ein Zeichen ihres Vertrauens geben." – "Wer erlaubt Euch hier einzudringen?" unterbrach ihn jetzt die alte Frau Hildegard, "jetzt erkenn ich Euch, wie oft habe ich Euch abgewiesen." – "Lass ihn", sagte Bertold, "seid nicht böse, guter Mann, die Mutter meint es gut mit mir und fürchtet Euch wegen Martins Tod; Eure Gabe lerne ich jetzt erst recht bewundern, Ihr habt diesen Abend seltsam verherrlicht, Ihr sollt Zeuge sein meiner Freudentage und Ihr werdet Euch scheuen, ein Glück zu stören, um Greuel hoffnungsloser Erwartungen zu säen." "Greuel?" fragte der Ehrenhalt ernst. – "Ich sage Euch meine Ansicht", antwortete Bertold, "verhehlt sie nicht den Kronenwächtern. Ich meine, dass ein hochberühmtes Geschlecht nach Gottes Weisheit von der Höhe schwindet und dem gemeineren Platz macht, wenn seine Fortdauer Greuel brütet. Denkt Euch, der vielfache Mord, an welchem mein Vater untergegangen, wäre von dem herrschenden Geschlechte vor den Augen der Welt begangen, welch ein Vorbild den Völkern; jetzt schwindet er in der Unbemerkteit, nur denen verderblich, die sich darin verwickelt finden." – "Woher aber diese Greuel?" antwortete der Ehrenhalt. "Fühlt Ihr solche Frevel in Eurem Blute? Seid Ihr nicht mild und schaffend in Eurem Kreise gewesen, und war nicht eben so Euer Vater? Berührt Euch aber der Gedanke Eures Sturzes ernstlich, und das wird keinem fehlen, dann lernet Euch selbst fürchten; fiele die wärmende Sonne zur Erde, sie würde uns verbrennen. Als Euer heiliges Geschlecht herrschte, gab es ein reines, keusches Rittergeschlecht, aber die jetzt den Namen tragen, sind es nicht. Nicht die sind Ritter, welche mit goldnen Spornen einherstolzieren, die von den Kaisern mit Gunst und Torheit zu Rittern geschlagen sind. Die echten Ritter sind vom harten Geschick geschlagen und geprägt, ihr Sporn ist die Treue und ihr Schwert der Glauben an das ewige Bestehen der Geschlechter und dass dieselbe Herrlichkeit aus dem Stamme immerdar wiedergeboren werde, wie Ihr das wasser dieses Brunnens ruhig abfliessen lasst und immerdar auf die Dauer und Gabe der Quelle rechnet. Doch Herr, es ist nicht gut einen zu wecken, ehe er ausgeschlafen hat, Ihr müsst noch ausschlafen von dem Siechtum, das Euch lange zu ritterlichen Taten untüchtig machte, auch wollen die Kronenwächter noch nichts mit Euch, sie senden Euch nur eine kleine Freundesgabe, dass Ihr Eure Abkunft nicht vergesst, denn in diesen Bildern ist viel von Eurer Abstammung erzählt und hier sind die Reime, die Euch hierüber weitere Auskunft geben." – Mit neugierigem Stolze griff Anna nach dem buch und sagte: "Es ist mein, denn seine Ehre ist auch meine Ehre jetzt; aber die Züge dieser Handschrift müssen gar alt sein, ich kann sie nicht lesen. Herr Ehrenhalt, schenkt uns noch einen Bericht aus diesem buch, es scheint gar lang und Ihr werdet uns das mehr in der Kürze berichten können, da das Abendlich bald zu verlöschen droht." "Tut es alter Herr", sagte Bertold, und bot ihm einen Becher alten Neckarwein an, "wenn Ihr ein ritterlicher Diener seid, so dürft Ihr schönen Jungfrauen so etwas nicht abschlagen." – "Euer Wein ist klar, wie der Jungfrauen Angesicht", antwortete der Ehrenhalt, "und was Ihr begehrt, ist unsre stete Unterhaltung in den einsamen Wachtstunden, bald sprechen wir von den wohlbezeugten Geschichten des Hauses, von Barbarossa und Konradin, bald von den Hausmärchen aus den zeiten des Attila, von denen hier eins abgebildet ist. Es berichtet von einem der alten schwäbischen Könige, aus dem haus der Hohenstaufen, dessen Name verschieden angegeben wird, hier aber soll er in Waiblingen sein Hoflager gehalten haben. Waiblingen war damals eine grosse Stadt." – "Das wissen wir aus der Chronik", sagte Bertold. – Nun erzählte der Ehrenhalt das Hausmärchen nach Ordnung der Bilder, die er nach einander, wie er in der Erzählung fortschritt, gegen die Sonne stellte, dass jeder ihre Bedeutung zugleich erschaute.
Erstes Bild
Es war nun der dritte Tag, dass der König dem wunderbaren, kleinen, wie Silber blinkenden Vogel über Höhen und Tiefen bis zum Anfang des dichten Schwarzwaldes nachschlich. Der Vogel schien aber