hätten, zahlte dem Wundarzt eine kleine Entschädigung, verehrte dem Geistlichen Tuch zu einem Mantel, schickte Sixt zum Bilde fort und trieb den Bergmann an die Arbeit, die ihrer Beendigung nahe schien und die viel Menschen nötig hatte, weil die Pumpen Tag und Nacht beschäftigt werden mussten.
Der Bergmann wollte sich zwar weigern, gleich nach solcher "Unortnunge und pöser Warnunge", wie er sich ausdrückte, fort zu arbeiten, aber Bertold stellte ihm vor, dass die Arbeit durch den Felsen wahrscheinlich noch an dem Tage zu der grossen Quelle führe, auf die alle Vorzeichen deuteten. Der Bergmann dachte seines Berufs und der Vergebung seiner Sünden, er stieg ein in die Tiefe: das Unheil war so tief verborgen, er musste es doch zu Tage fördern. Bertold hörte den Bergmann aus der Tiefe gar herrlich singen und dachte wohl an Luters Brief und wie dieser fromme Bergmannssohn für die sehnsucht der Welt nach tiefer Erkenntnis sein Leben daran setze, eine Quelle des Glaubens zu entdecken, nachdem aller andrer Glaube, wie er bisher gebraucht, als getrübt befunden worden. ängstlich fragte er den Bergmann, ob auch keine Gefahr ihm drohe, es sei ihm so bange. – "Eine feste Burg ist unser Gott", antwortete der alte Hauer, "ich lass mich nicht zum zweitenmal von blinder Furcht abtreiben, es muss hindurch, der Fels mag hier noch so fest sein, ich habe gebeichtet und gebetet."
Beruhigt ging Bertold zu seiner Anna, fand aber dort einen sehr schmerzlichen Brief des guten Treitssauerweins; er schrieb ihm: dass der Kaiser täglich schwächer werde, dass ihm seine grossen Bestrebungen lächerlich dünkten, dass er viel von den Kronenwächtern vernommen und sich lächelnd geäussert habe, dass er sich gerade an den Unrechten gewendet, als er Bertold zu Nachforschungen aufgefordert habe, er möchte wohl selbst zu ihnen gehören. Das habe er als Freund bestritten, aber der Kaiser sei nun einmal altersschwach und beschaue täglich seinen Sarg, den er bei sich führe. Als er von Augsburg ohne Prunk ausgezogen, habe er sich bei der Rennsäule auf dem Lechfelde umgewendet, lange mit seinen weisen, gütigen Augen die Stadt beschaut und endlich mit bebendem, tiefem Atem gesprochen: "Nun gesegne dich Gott, du liebes Augsburg und alle frommen Bürger darin, wohl haben wir manchen guten Mut in dir gehabt, nun werden wir dich nicht mehr sehen!" – Wo die Tonkugel eines Knaben und wo die Geschützkugel zur Ruhe kommen, sind beide gleich machtlos, von dem Leben nimmt der Bürger und der Kaiser mit gleichem Gefühle Abschied; dass aber ein Kaiser nach so gewaltigem, sausenden Laufe durch die Welt und ihre geschichte noch so menschlich mit der Stadt reden konnte, in der er wenige frohe Tage lebte, die Treue rührt tiefer, als das Angedenken mancher grossen Tat.
Bertold erinnerte unter solchen Betrachtungen seine Anna an jedes gute Wort des Kaisers und beide sassen fest verschlungen aneinander in Tränen, als sich ein Lärmen hören liess nach der Hofseite, als ob ein fernes Geschütz abgefeuert würde. Bertold hörte gleich darauf ein Geschrei der Arbeiter am Brunnen, er lief ans Fenster und erblickte eine Wassersäule, die sich über den Brunnen erhob und sich dann senkte; das wasser aber floss dann wie aus einem überkochenden Kessel aus dem Brunnenschacht die enge Gasse zwischen den beiden Hofmauern nach der Rems hinunter. – "Gott, Gott", rief er, "unser armer Bergmann!"
Mit diesem Ausruf eilte er aus dem Zimmer hinunter die Treppe, über den Hof zum Brunnen hin: "Helft, helft!" schrie er zu den Arbeitern, aber da war schon alles versucht, den armen Bergmann heraus zu ziehen, es fehlte nur an Haken um bis zur Tiefe des Brunnens zu gelangen. Die Leute berichteten, dass sie einen Schall in der Tiefe gehört, als ob er den Durchbruch eines Felsenstücks, woran er lange gearbeitet, zu stand gebracht, aber mit einem furchtbaren Bullern, das leichte Steine fortgeschleudert, habe sich eine Wassersäule erhoben, gewiss habe er ein grosses Wasserbecken im inneren des Bodens geöffnet, und sei vom Felsenstück niedergedrückt worden, sonst würde ihn der Strom emporgetragen haben. Kein Schwimmer könne da niederdringen, so lange der Wasserstrom mit solcher Gewalt ausströme, die Haken möchten ihn nicht erreichen, selbst von langen Bäumen, er sei verloren; ein Glück für ihn sei es, dass er gebeichtet habe und gespeist sei. Die Leute sahen darin eine besondre Absicht und Gnade des himmels, dass der Maler den Geistlichen herbeigeführt habe. Das war kein Trost für Bertold, er suchte umher nach Rat und hülfe, aber vergebens, zugleich schämte er sich des Vorgangs vor den Frauen und vor der Stadt. Er gab den Leuten Geld, dass sie dies Unglück verschwiegen, auch im haus sagte er nichts von dem Vorgange, sondern berichtete nur die Erscheinung der von Faust vorausgesagten grossen Quelle. Alles eilte verwundert dahin, der Bergmann schien vergessen. Heimlich bestellte Bertold, so wenig er sonst darauf gehalten, Seelenmessen für ihn zu lesen; so verschmähen nur wenige, was ihnen angenehm im Glauben ist, nur das Unbequeme veranlasst den Zweifel und die Untersuchung.
Aber die Arbeiter schwiegen kaum so lange, als dies Geld währte, das er ihnen geschenkt, bald war die geschichte ein Märchen der Stadt, es hiess, der Bergmann habe kostbare Edelsteine im grund des Brunnens gefunden und sei von Bertold herabgestürzt, um dies zu verheimlichen, er werde es künftig schon herausarbeiten. Niemand sagte ihm