Nürnberg zu Dürer in die Lehre zu bringen, aber das schlug Sixt rund ab, weil er auf die Malerei der dortigen Meister, besonders Albrecht Dürers, gar nichts hielt, sondern das Wohlgefallen der Leute an dessen magern Gestalten für eine Augenverblendung ausgab. Er hatte die vollen sinnlichen Gestalten seiner niederländischen Meister im kopf, so malte er auch seine Heiligen, dass noch ein sehr vollendeter Mensch ausser der Heiligkeit sich in ihnen zur Schau stellte, ein Mensch, der auch zur Sünde den Stoff in sich trug, aber in seinem Ausdruck, die Bändigung der Lust, die Unterwerfung des blinden Triebs zu höherem Zwecke zeigte, der zugleich durchscheinen liess, dass dies alles in ihm kein toter Zwang des Gesetzes sei, sondern ein Drang seiner Seele, ein feuriger Wille, oder was gewöhnlich Glaube genannt wird, dies Vertrauen auf einige Begeisterung des Willens für etwas, das alles wirkt und bildet. So tückisch Meister Sixt die schwächliche Gestalt Bertolds einst aufgefasst hatte, so reich und freudig wusste er die herrlichsten Augenblicke in Annens Gestalt und Ausdruck zu sammeln und fest zu halten, Apollonien gab er dagegen zu viel Böses und Frau Hildegard zu viel Gemeines in den Ausdruck, denn was ihn nicht entzückte, das machte ihn tückisch. Eine Bosheit von ihm war es auch, dass er sie durch das Zugehörige, die Eule bei Apollonien, die Taube bei Almen und den Pfau bei Hildegard, als die drei Göttinnen der Fabel bezeichnete, Bertold aber als Paris hinzufügte, wie er Annen den Apfel reichte. Diese mytische Bedeutung, die niemand in Waiblingen, als Bertold verstand, hatte dieser in Zutrauen auf Anna gebilligt, da er in ihr allerdings etwas von einer Liebesgöttin fand, auch konnte das ganze Bild, das an den zu erbauenden Vereinigungsbrunnen (der nach Bertolds Zeichnung in das Bild eingetragen war) den Zuschauer versetzte, eben so gut für eine Verherrlichung der Gartenlust, die Bertold geschaffen, gelten; so wurde es auch von den Frauen, von allen Basen und Vettern, von Rittern und Knappen aufgenommen.
Zu keiner Angelegenheit verhielt sich während dieser Arbeit unser alter Sixt seltsamer, wie zu dem Bergbau am Brunnen, der inzwischen schon mit verschränktem Holze ausgesetzt war und durch ein Drehrad mit zwei Pumpen seines wilden Gewässers entledigt wurde. Er konnte ihm seine Bewunderung nicht versagen, begriff aber nicht, was da vorgehe. Dass da unten in der Tiefe einer arbeite, kam ihm nicht in den Sinn, sondern er meinte, das mache sich alles von selbst durch die mirakulöse Maschine. Er spritzte deswegen eines Morgens sehr unbesorgt sein warmes wasser, worin er die Pinsel, Farbenscheibe und Farbenbeutelchen ausgewaschen, in den Brunnenschacht. Er hatte den Tag sehr viel an einem roten Kleide Annens gemalt, das warme wasser war wie Blut gerötet und der Bergmann erschrak bei seinem Grubenlichte nicht wenig, als ihm rotes, warmes Blut über den Kopf rann, er glaubte, dass ihm eine Ader an einer Kopfwunde, woran er schon einmal todkrank gelegen, wieder aufgesprungen sei. Er stieg entsetzt und gar unerwartet für Meister Sixt, wie ein Schornsteinfeger für den Storch, der ruhig über dem Schornstein nistet, aus der Tiefe. Meister Sixt machte ein Kreuz mit seinem Pinsel und wäre schnell dem Berggeiste entwischt; der aber hatte ihn schon in seinen schwarzen Fäusten und sagte ihm in seiner breiten Mundart, er solle ihm einen Arzt bestellen, ihm sei eine Ader gesprungen. Meister Sixt versprach alles, um dem schwarzen, blutigen mann zu entkommen. Er lief fort und begegnete in der Strasse einem Geistlichen, dem Pfarrer Sprenger, der die heilige Speise zu einem Kranken getragen hatte; den sandte er gleich zum Trost des armen Bergmanns. Dann lief er zum Bader, dass er sich mit chirurgischem Verbande einstelle, und begleitete diesen zum kranken Bergmanne. Der gute Bergmann hatte inzwischen schon alle seine Sünden gebeichtet, wie er hie und dort Erze bei Seite geschafft und an die Chimisten verkauft habe, er war seiner Sünden entledigt und die heilige Speise ihm gereicht worden. Der Geistliche suchte ihm noch Mut einzusprechen, aber der Bergmann blieb dabei, ihm würde im Himmel auch nichts geschenkt werden; er werde "ta prav tonnern" helfen müssen. Da trat der Chirurg hin, wusch den Kopf ab, setzte seine Brille auf, schüttelte mit dem kopf, sah wieder, roch wieder und brüllte endlich zornig: "Meister Sixt, ich schlage Euch alle Rüben im leib zusammen, hier ischt keine Wunde, das ischt kein Blut, sondern riecht wie Malerfarbe, Ihr habt mich zum Narren brauchen wollen, mein gang kostet einen Gulden, die Ehrenerklärung kostet auch einen Gulden, und wenn ich Euch nicht totschlagen soll, so kostet's noch einen Gulden." – Der Geistliche, als er dies vernahm, sprach Fluch und Bann über den dürren Meister aus, dass er mit dem Heiligsten seinen Spott treibe. – Meister Sixt krähte dazwischen von seinem point d'honneur, indem er einen kleinen Degen zog, ihn habe der schändliche Bergmann angeführt, er sei unschuldig; der Bergmann aber schalt grimmig auf den Maler, er habe ihm ein Fieber in den "Leip" gejagt, er habe ihn mit "Treck gesalpt". Schon hatte der Bergmann mit seinem Fäustel den kleinen Degen des Malers in die Luft geschnellt und wollte ihn damit weiter auspochen, da trat Bertold aus dem haus, ermahnte ihn zum Frieden, liess sich den Vorgang erzählen und erklärte allen den seltsamen Irrtum, worin sie sich vergebens ereifert