zu arbeiten", meinte Bertold, "Euer Gefühl kann irren." – "Herr", sagte Faust ergrimmt und seine schwarzen Augäpfel traten hervor, wie Kugeln, die er eben fortschiessen wollte, "Herr Bürgermeister, ich wünsche Euch alle Pestilenz auf den Hals, ich kuriere Euch nicht, wenn Ihr einen elenden Gauner von Rutenschläger befragen wollt, wo ich Euch schon Bescheid gesagt habe. Ihr müsst hier einen Brunnen graben, oder ich schreie in der ganzen Stadt, der Bürgermeister ist ein toter Mann, der nur durch Bürgerblut lebt, und ihr braucht nur sein Blut dem Anton abzuzapfen, so muss er wie ein Blutigel, dem Salz aufgestreut wird, auch sein Blut entlassen. Nun Herr, habe ich Euch in meiner Gewalt, es ergibt sich keiner umsonst dem Teufel." – Bertold sagte ihm, er sei trunken. – Faust antwortete: "Trunken bin ich, denn jetzt sind es gerade siebenundzwanzig Jahre, als ich zum letztenmal nüchtern war, aber im Wein ist Wahrheit, wenn das Wort heraus ist, so gehört's einem andern, und wenn ein Ding geschehen ist, so verstehen's auch die Narren, der Balbier lässt sich mit dem abgeschnittenen Haar nicht bezahlen; wüsste ein Mensch recht, wer er wär, er würde fröhlich nimmermehr, aber der Wein macht lustig, das ist seine Gerechtigkeit." – Bei diesen Worten winkte er einem verschmitzten, bleichen Knaben, der auf ihn an der tür wartete, liess sich eine grosse Henkelflasche von ihm reichen und wankte langsam dem Ratskeller zu, indem er zuweilen anhielt, um mit hülfe des Knaben, der beide arme unterstemmte, die grosse, geflochtene Flasche ihrer letzten Tropfen in seinen Mund zu entledigen.
"Es ist ein seltsames Vieh, unser Doktor", sagte Bertold zu Apollonien, die sich über ihn verwunderte, "aber ein Ingenium hat er, wie keiner, wenn er kaum seinen weg sehen kann, da errät er am besten alle verborgne Übel und hier hat er eine ausserordentliche Quelle entdeckt, wo wir einen Brunnen nötig haben. Ich kann nicht ruhen, bis ich Arbeiter finde, das Werk anzugreifen; ich sehe in Gedanken den Rand des Brunnens, die Sitze umher von Marmorstein, auf denen wir täglich mit einander frühstücken, wenn hell und herrlich der Morgen, und wenn er von Annen mit den ersten Gaben des Jahres, mit Krokus, Schneeglöckchen und Veilchen bekränzt wird, wenn wir unsre Kinder dabei taufen lassen; wenn bei Feuersgefahr dieser Brunnen die Stadt rettet, dann werden sie gern das kleine Gässchen geopfert haben und werden es mir danken."
Um keinen Widerspruch zu erfahren, eilte er, aufgemuntert von Apollonien, zu seinen Arbeitern, die Gasse wurde geschlossen, die Mauern durchbrochen, ehe noch die Sonne sank und Fingerling ihm sagte, dass die Zünfte einen Verdruss empfänden und zusammen gekommen wären, dass er eine solche gewaltsame Änderung und Zueignung ohne sie vorgenommen habe, nur ihre alte anhänglichkeit halte sie ab, sich heftig dagegen zu erklären. Er meinte aber die guten Leute zu kennen, er wusste, dass sie einer grossen, öffentlichen Lustbarkeit nicht widerstehen könnten und bat Fingerling, alle Zünfte mit Frauen und Kindern zu seinem Hochzeitfeste einzuladen, zugleich sollte er die Angelegenheit des Brunnens hin halten; wenn sie erst ein paar Wochen daran gewöhnt wären, würden sie einigen alten Weibern zu liebe, die das Linnen trügen, ihm diesen Gipfel des häuslichen Glücks nicht wieder entreissen.
Anna und Hildegard vernahmen nichts von der Sache, die erstere war allzu glücklich mit der Musterung aller Kostbarkeiten und Künstlichkeiten beschäftigt, welche die fürstliche Mutter dem haus zur Überfüllung aller Zimmer verlassen hatte. Kaum gönnte sie sich Zeit zum Mittagessen, die neugierige Anna; wäre Bertold nicht mit seinem Brunnen beschäftigt gewesen, es hätte ihn kränken müssen, dass die Begierde auf Wirtschaftsgeräte, die sie bald als Eigentum betrachten sollte, ihre Aufmerksamkeit von ihm für den ganzen Tag abgelenkt hatte. Mit rastlosem Eifer wurden alle Zimmer, alle Schränke gemustert, und Frau Hildegard selbst hatte die Freude, manches durch die Berührigkeit Annens wieder zu sehen, was ihr zu schwierig war aufzuheben, selbst manches noch zu entdecken, wovon sie bisher keine Kunde gehabt hatte. Immer höher stiegen sie und kamen im Boden an eine kammer, von der Frau Hildegard selbst nichts wusste. Da aber die tür verschlossen war und kein Schlüssel unter allen sich dazu vorfand, so wurden alle durchversucht, ob sie passten. Endlich fand sich ein Schlüssel von dem Zimmer Bertolds, der auch hier aufschloss, aber die Erwartung war betrogen, die kammer schien nichts zu entalten als einen mottenfrässigen, grünen Wams, den Frau Hildegard bei näherer Betrachtung für den grünen Schreiberwams, für die erste Gabe Apolloniens erklärte. Der wurde von Annen mit Hildegards Einwilligung gleich bei Seite geschafft, damit diese Erinnerung, von der er oft sprach, keine neue Neigung und Eifersucht erwecken könnte. Nun fand sich noch ein eiserner Kasten in einer Ecke, in welchem Anna nichts fand, als ein türkisches Messer mit einem Drachengriff und einem ledernen Beutel, beides war seltsam schön gearbeitet und gefiel ihr, sie meinte, es brauchen zu können. Aber Frau Hildegard gebot ihr beides hinzulegen, sie wolle ihr ein besseres Messer kaufen, das sie in der Wirtschaft brauchen könne und der Beutel scheine ihr ohnehin verstockt zu sein. Doch Anna dachte sich schon als Herrin des Hauses, glaubte das alles schon ihr Miteigentum, wollte mitgeniessen, was ihr gefiel, und