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verbunden, der alte Spuk mit den Hohenstaufen und ihren vermeintlichen Abkömmlingen, die überall und nirgends stecken, sinkt wie die Stunde schlägt."

In diesem Augenblicke wurden sie durch ein Lärmen vor dem Fenster gestört, das Volk schrie und lachte, alle traten an die Fenster. Sie sahen Kunz von Rosen, den Hofnarrn des Kaisers, der wie ein Huhn, das Enten ausgebrütet hat, neben dem Brunnen umher lief, in welchem drei Bettelmönche umher schwammen und sich wie gebadete Mäuse heraus arbeiteten. Kunz kam dann heran und erzählte, mit welcher Begierde die Mönche dem Essen zugesehen und auf den Zehen am rand des Brunnens gestanden hätten. Er habe sich zu ihnen gestellt und getan, als ob er das Gleichgewicht verliere, einer habe sich am andern fest gehalten, einer den andern hinein geworfen, "so geht's den deutschen Fürsten bald auch", damit schloss er. – "Aber wirst du auch Ablass bekommen?" fragte Marx. – "Den habe ich schon, seht da in der tasche, auf eine Sünde, die ich mir vorgenommen, den hatte ich eben von ihnen gekauft", antwortete Kunz. "Der eine graue Esel predigte heute, so wie der Pfennig in des Papstes Kiste falle, so müssten bei dem Silberklange die Teufel eine erlöste Seele loslassen. Ich antwortete ihm darauf aus der Menge: Der Papst sei grausam, dass er bei seinem Reichtum nicht alle Tage eine Million in den Kirchenkasten würfe, dass es recht klappere, er könne sie alle Abend wieder heraus nehmen, so hätte er keinen Schaden und die armen Seelen hätten den Nutzen." – Jetzt rief der Kaiser den Kunz ab und dieser tat so eilfertig, als ob etwas Wichtiges bevorstehe, warf aber im Vorbeigehen ein prachtvolles, venedisches Trinkglas vom Kredenztische, das der Augsburger Rat dem Kaiser verehrt hatte. – Die Ratsherren sprangen erschrocken und zornig auf, viele nannten den hohen Preis des Glases, andre suchten die Stücke auf, als ob sie das Glas wieder zusammen leimen wollten, andre baten beim Kaiser, den Narrn zu strafen, der sich so ungeschickt durch kluge Leute dränge. Kunz warf sich vor dem Kaiser nieder und fragte ihn, ob wohl einer von diesen, die sich für klug hielten und ihn für einen Narrn, so wie er zu ihm durch den Graben geschwommen wäre, ihn zu sehen, ihn zu retten, als er in den Niederlanden gefangen sass. – Maximilian klopfte ihm freundlich die Backen und sagte: "Mit den Narren ist immer am meisten auszurichten in der Welt, darum nimm den Titel für keinen Tadel: Ihr Herren beruhigt euch, ich habe das Glas verloren, aber ich will nicht vergessen, dass ihr es mir geschenkt habt. Wäre es von Silber gewesen, da könnten wir die Stücke noch brauchen und doch kostet es so viel, wie das feinste Silber und das Geld kommt unsern Feinden, den Venezianern zugute." – Bei diesen Worten merkten die Ratsherren, dass Kunz nur ausgeführt hatte, was seinem Herrn durch den Kopf gegangen, sie konnten nichts darauf entgegnen und der Kaiser hob mit einem Trunk auf das Wohl aller Jungfrauen der Stadt Augsburg die Tafel auf. Diese Gesundheit trank Bertold mit Innigkeit herunter.

Vierte geschichte

Die Ringe

Ehe Bertold sich auf den Weg machte, sein Geschick zu erfahren, trat ihn Treitssauerwein an und flüsterte ihm ins Ohr, er möchte sich bereit halten, am nächsten Morgen mit dem Kaiser zu sprechen, der ihn zu einigen Nachforschungen ausersehen habe. Bertold fragte bestürzt, ob er sich vielleicht vorbereiten könne auf diese Unterredung, wenn er ihm den Gegenstand der kaiserlichen Wissbegierde anzeigte. Der Geheimschreiber meinte, es würde wohl von den versteckten Hohenstaufen die Rede sein, für die unter den Bauern ein Anhang gesammelt werde. Mit diesem Worte entliess er ihn und Bertold ging doppelt angeregt durch die Stadt zu den stillen Vorstadtgassen. Als er sich dem kleinen haus näherte, das mit Weinreben bezogen, durch kleine Blumengärten vor den Fenstern gegen Neugierde gesichert war, da sah er am Fenster eine seltsame, zweifelhafte Erscheinung. Er sah seinen Becher abwechselnd erscheinen und verschwinden! – Lag dieses Glanzspiel in seinen Augen, wallte die Luft von der Sonne erhitzt? Jetzt war er verschwunden, und schon wollte er sich traurig zum Stadttore zurück wenden, da blickte er noch einmal nach dem haus, wie zum Abschiede und sah den Becher vor dem Fenster. Er nahte sich jetzt schnell und sah, dass Anna mit der Mutter und Fingerling am Fenster stand, dass die Mutter den Becher neckend zurückzog, wenn jene beiden ihn hinaus gestellt hatten und seine sorge löste sich in lebhafte Freude. Er sprang eilig ins Haus, dass ihn keiner bemerkte und lauschte nun durch die offene Stubentüre. Die Mutter sagte, Anna sei jung und unbesonnen, sie dürfe nicht gleich dem fremden mann trauen, keiner wisse, ob er nicht zehn Bräute habe sitzen lassen, dann sei er auch älter, wie sie, könne wohl eifersüchtig, böse und herrisch im haus sein und ihr die Armut vorrücken, weil sie ihm wenig mitbringe, vielleicht wolle er sie nur als eine dienende Krankenwärterin seiner späteren Jahre sich annehmen. – Aber Anna schwor, keiner könne das glauben, der Bertold einmal recht angesehen habe, sein Antlitz sei von Ehre, Ehrlichkeit, Milde und Frömmigkeit erhöht und geläutert, dass er ihr jugendlicher scheine, als Kugler und andre, die so lange sich um ihre Hand beworben hätten. Sie schwöre bei der heiligen