Der Kaiser trug über seinem, mit Gold eingelegten Panzer einen roten, mit grossen Perlen und grünen Edelsteinen gestickten Waffenrock, auf seinem Helme den zweiköpfigen Adler, der in der Krone wie in einem Neste seine Jungen ausbrütete – ein Zeichen, dass er diesmal die Nachfolge im Reiche für seinen Sohn Karl vermitteln wollte. Er ritt ein ganz weisses Ross mit leibfarbenen Nüstern und Augenwinkeln in goldnem Zaumzeuge, ein Panterfell seine Satteldekke, das mit schweren, goldnen, betroddelten Gitterbändern um den Leib des Pferdes angezogen war. Der Kurfürst Joachim war dagegen einfach in einem Marderpelz gekleidet, sein Ross war schön, aber etwas scheu, so dass er sich manchmal von der Seite des Kaisers abwandte. Der Bräutigam, Herr Kasimir, liess sich in einem leibfarbenen, seidenen, mit Hermelin aufgeschlagenen, mit Silber gesticktem kurzen Mantel sehen, einen grünen Kranz auf dem haupt, aber seine Schönheit, seine Freudigkeit war sein bester Kranz, so dass ihm jeder die schöne Braut gönnte, der das unzählige Volk, wogegen alle Hartschierer zu schwach, mit Freudengeschrei entgegen jauchzte, sie recht in der Nähe zu sehen.
Sie war in ihrem Wagen so nahe an Bertold gedrängt, dass er wie einer der Fürsten zu ihrer Begrüssung entgegen geritten schien. Er sah die steigende Röte ihrer Wangen unter dem Kranze von Edelsteinen; das klopfen ihres Herzens bebte in dem Blumenstrausse, der auf der reichen Silberwoge ihres Busens unterzusinken schien. Bertold hörte deutlich, dass sie nach Herrn Kasimir fragte, den sie bis dahin nur im Bilde gesehen, das auf ihrem Herzen an goldner Kette hing, und Bertold meinte, sie frage ihn und zeigte nach der andern Seite des Wagens, der nach beiden Seiten offen, nur oben mit goldnem Teppich gedeckt war. "Auf der andern Seite wartet seine Hoheit!" sprach er; er wusste es genau, denn ein Nachbar hatte es ihm kurz vorher erzählt. – "Dank, Dank, Ihre kurfürstliche Liebden", sagte die Braut, fräulein Susanna von Bayern, die ihn für den Kurfürsten Joachim hielt und sich jetzt an der Schönheit Kasimirs weidete, indem sie bescheiden die Augen mit einem Wadel von Pfauenfedern deckte. Der Bräutigam beugte vor ihr ein Knie, nachdem er vom Pferde gestiegen, die Braut reichte ihm den Mund, dann lockte sie der Kaiser auseinander, indem er in den Wagen stieg und ihnen sagte, sie würden einander noch lange genug sehen, auch sprach er: "Nicht wahr, liebe Tochter, wir haben gut gewählt, wir gedenken heute bei euch beiden, dass wir auch einmal jung waren und freiten, und in der Welt wie in einem Baum voll reifer Kirschen gegen die Sonne gedeckt zu sitzen glaubten, aber die Kirschenzeit ist kurz, am Ende beisst man mit stumpfen Zähnen die Kerne auf, die man erst weggeworfen, und die Jahre vergehen wie die Tage, sonst war mir die Sonne zu warm und jetzt zu kalt." Er winkte zum Fortfahren und die schöne Braut reichte Bertold die Hand, als einem Verwandten, dem sie sich freute verbunden zu sein. Der Kaiser blickte sie befremdet an und fragte: "Wäre dies wohl einer meiner lieben Vettern aus Bayern, den ich noch nicht kenne?" – "Ich meine, es sei Herr Joachim, kurfürstliche Gnaden von Brandenburg, unser künftiger lieber Herr Vetter!" "Wir irren, liebe Tochter", antwortete der Kaiser, "dort reiten Seine Liebden von Brandenburg. Wer seid Ihr, guter Herr?" fragte er Bertold. Und Bertold antwortete noch freundlicher, von dem Händedruck erwärmt: "Der glücklichste Bürgermeister aus Waiblingen." – "Nun du ehrlicher Schwabe", sprach Maximilian, "Gott segne dir den Händedruck meiner schönen Schwestertochter bei deiner Frau!"
In dem Augenblicke bewegte sich der Wagen fort und Bertold versank in ein stummes Nachsehen, nicht allein, weil er gewünscht hätte, der Augenblick möchte immer und ewig währen, sondern auch, weil es ihn recht kränkte, dass er noch keine Frau besitze. Aber kaum waren die sechs Prachtwagen, die dreihundert bayrischen Ritter mit ihren Reisigen und Trabanten vorüber, so riss der unglaubliche Volksstrom den Bürgermeister aus den Gedanken und mit sich fort nach dem feld an der Stadt. Jedermann wollte der Trauung in der Ulrichskirche beiwohnen, nur Bertold wusste nichts von der Ursache dieser Eile und widersetzte sich dem Drange, um Fingerling zu erwarten, der unbemerkt schon früher von ihm fortgetrieben war. Den Fussgängern widerstand er auf seinem starken Rennpferde, aber die Reiter, die nachfolgten, zogen ihn unwiderstehlich dem Tore zu, umsonst lavierte er von einer Seite zur andern, wie ein Schiff, das mit halbem Winde fährt, die Volksmenge trieb ihn fort, wie ein höheres Geschick. Am Tore stieg der Drang aufs höchste, denn die kaiserlichen Trabanten hinderten den Eintritt, damit Julia Peutinger, das geehrte vierzehnjährige Kind des Stadtschreibers, ihre lateinische Rede an der Spitze vieler hundert weiss gekleideter Jungfrauen Augsburgs ungestört vor der Braut halten konnte. Kaum war die Rede geendet, das Kind im Wagen der Braut aufgenommen, die vornehmsten Jungfrauen in die nächsten Häuser zur Sicherheit gebracht, während der Brautzug hereinfuhr, so schloss sich das Tor mit vieler Gewalt und die neugierige Menge war wie ein Feind ausgeschlossen. Gleich verbreitete sich der gute Rat unter dieser Menge, ans nächste Tor zu eilen, um dort noch zur Kirche zu gelangen. Da war aber grosse Eile wegen des Umweges nötig und um so ärger wuchs das Gedränge, Reiter stürzten, Wagen