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ich rate, Ihr wollt den Jungen haben, den lasse ich Euch nicht, ich brauch einen zum Kräutersammeln und zum Stehlen der Leichen, wenn ich meine anatomischen Untersuchungen fortsetze." – "Ich hätte ihn an Kindesstatt angenommen", sagte Bertold, "aber ich möchte nicht gern Eure unzähligen Menschen wohltätige Versuche stören." – Meister Sixt aber trat zwischen und sagte: "Mit aller Devotion, die ich gegen beide Signorias habe, kann doch aus Dero wohlwollenden Desseins nichts werden, da gedachter Jovane mir von hoher Hand anvertraut ist, ich denselben auch zum Farbenreiben wegen seiner Force wohl applizieren kann so ist es mir nicht möglich, Euch mit demselben ein Präsent zu machen." – "Wenn Ihr mir den Jungen nicht überlasst", sagte Faust grimmig, "so schicke ich Euch zehn schwere Krankheiten über den Hals, Ihr sollt zugleich an Schwindund Windsucht, an Heiss- und Wassersucht leiden." – Da stellte sich der Knabe Anton mit drohender Faust vor den Doktor und rief: "Noch ein Wort, du alter Zauberer, so schlage ich dir die Zähne ein." – "Das ist ein böser Bube", sagte Frau Hildegard, "den leide ich nicht im haus, geht ihr Herren, mein Sohn muss sich noch ausruhen." – "Ihr habt recht", sprach Faust, packte seinen grossen Kasten auf Antons Schultern, "den kleinen Bösewicht will ich mir schon zähmen!" So scheltend zogen die dreie fort und jetzt erst konnte die Mutter den Sohn recht herzlich küssen und ausfragen "Wie ist dir jetzt? Wie war dir? Glaubst du dich gesund? Wird das lange dauern? Ach ich habe kein Zutrauen zu dem grimmigen Doktor; er hatte so etwas Entsetzliches, als er den Knaben forderte, als wäre er ein Teufel, der die Seele zum Lohn nimmt, wer weiss, was er noch von dir fordert?" Aber Bertold wurde wieder müde, verschlief noch den Tag und wachte erst am Abend auf, beruhigte aber die besorgte Mutter gleich mit dem Ausruf: "Ich fühle gründlichen Schlaf, wie einen kräftigen Wein in allen Adern, mir war's im Traume, als erhielte ich mit jedem Augenblicke erfreuliche Nachricht über etwas, was mich lange bekümmert, auch kam es mir vor, als gingen die Uhren rückwärts, so wendeten sich auch die Jahreszeiten in umgekehrter Ordnung um mich her; ich sah schöne Frauen mit Anteil und auch der Schmerz um Apollonien hatte sich gemindert; ich fühle, dass ich ganz gesund werde, dass meine späteren Jahre für alles Versäumte mich schadlos halten; geben wir Gott die Ehre, aber wir sind dem Faust grossen Dank schuldig!" – Die Mutter war so innig erfreut über seine veränderte Gesinnung, dass sie ihm wieder alle Bräute mit allem, was an ihnen zu loben, im gespräche vorführte, auch hörte er ihr diesmal geduldig zu und bekannte, dass eine Heirat ihn sehr glücklich machen könnte, wenn er eine zweite Apollonia auf Erden fände. "Sieh nur um dich", sagte die Mutter, "wähle, welche du willst, es schlägt dir kein Vater seine Tochter ab, die reichsten Geschlechter haben es mir unter der Hand durch arme Witwen sagen lassen, du brauchtest nur anzuklopfen und dir würde aufgetan; ich wüsste keinen schönern Lohn für mich, als wenn ich am Ende meiner Tage ein Kind von dir auf meinen Armen wiegen könnte."

Der Bürgermeister versprach gerührt, das Heiraten in bessere Überlegung, als bisher, zu nehmen und Frau Hildegard ging froh von ihm und liess eine für die Genesung des Sohnes seit lange angelobte, ewige Lampe vor dem Marienbilde am vordern Hausgiebel mit frommen Dankgebete anzünden. Die Stadt lief bei der seltsamen Erscheinung zusammen, erzählte sich von der Heilung des guten Bürgermeisters und brachte ihm unter Begleitung der kunstreichen Stadtpfeifer ein freudiges Lebehoch. Bertold war tief gerührt durch die Teilnahme der Menge, er hätte gern zu ihnen gesprochen, aber die Mutter Hildegard wollte es aus sorge, er möchte sich erkälten, nicht dulden. Es war auch gut, denn sonst hätte er mitten durch den jubel das Geschrei im Ratskeller gehört, was der trunkne Faust in demselben mit allerlei Katzen und Hunden anstellte, die er unter Gotteslästerungen marterte, wie er sich mit dem alten Sixt um Anton zankte und endlich von diesem zum Keller hinausgeworfen wurde und nun auf allen vieren, weil er sich sonst nicht halten konnte, zum Spott der Knaben über das Eis hinkroch, bis ihm einer in einer Seitengasse einen Schweinestall öffnete, wo er mit seinen grunzenden Glaubensgenossen eine selige Nacht verschlief.

Zweite geschichte

Die Reise nach Augsburg

Der Morgen war ein seliges Erwachen für den guten Bertold, die Mutter hatte es ihm schon im Schlafe angesehen, dass er sich wohl befinde, und war gleich heiter und gesprächig. Beide dachten auf schöne Gaben, die sie dem Faust verehren wollten, als die Nachricht kam, er habe sich in grossem Zorn aus der Stadt fortbegeben, nachdem er am Morgen sein Nachtlager kennen gelernt, zugleich beschuldigten ihn die Leute vieler schändlicher Laster. "Wie kann ein Wohltäter der Menschen, mit der höchsten Weisheit und Gnade begabt, solch ein Saumatz sein!" seufzte Frau Hildegard. Aber Bertold, der viel in Römern und Griechen gelesen hatte, suchte ihr deutlich zu machen, wie gerade die allgemeine, wissenschaftliche Ansicht, wenn sie allein herrschend würde, die sittlichen Grenzen des einzelnen Menschen auslösche; er sehe so Mannigfaltiges, Widersprechendes