rechten Zeit abgeschnitten wird, ich habe dabei sehr viel über den Zusammenhang zwischen Kopf und Herz gelernt und dies Mittel schon mehrmals mit Erfolg angewendet." Fingerling sass da wie erstarrt, so ein Mensch war ihm nicht vorgekommen, er konnte kein Wort vorbringen und zog sich ohne den rücken ihm zuzukehren, allmählich zur tür zurück, wo er auf Sixt und dessen dicken Sohn Anton fiel, die leise eintraten. Bertold und Frau Hildegard schämten sich zu erklären, was das alles bedeute, aber sie fühlten sich immer mehr von Fausts Allmacht bezwungen, sie wagten nicht zu widersprechen. "Welch ein prächtiger Knabe", rief Bertold dem Anton entgegen, "aber seine Augen glühen und seine feurigen Wangen glänzen, seine Worte irren und seine arme winden sich jammervoll, er fasst an sein Haupt, es schmerzt ihm, und wenn ich stürbe und hätte dem Knaben das Leben gerettet, es sollte mir nicht leid sein." Doktor Faust legte aber schnell seine Ehrenketten und sein Wams, seine Ringe und seinen Spitzenkragen ab, setzte eine grosse Brille auf die Nase, streifte sein Hemde auf, dass seine Muskeln wie Mäuse unter der Haut spielten, als er die Pumpe nun aus dem Planetenkasten hervorhob und in Bewegung brachte, sie nach der einen Seite an Bertolds Arm, nach der andern auf des betrübten Antons rechten Arm anbrachte. Nun öffnete er mit einem Schnepper die Adern der beiden, wies Sixt und Fingerling an, wo sie das Tretrad der Pumpe bewegen sollten; Frau Hildegard wollte beten, er schlug ihr aber auf den Mund und arbeitete wie ein Rasender, indem er nach allem zugleich sah; Fingerling meinte, er habe doppelte Augäpfel in diesen Minuten gezeigt. Die Hitze des Zimmers mehrte sich so schnell, dass die befrornen Fensterscheiben einen Regen herabtropften und den Lichtstrahlen freien Durchzug, als ob sie auch neugierig würden, gestatteten. Frau Hildegard bemerkte zuerst, wie der Knabe aus der dumpfen Fieberhitze erwacht, fröhlich zum Fenster blicke und von den bunten Wappen in denselben spreche, wahr und richtig wie ein verständiger Sinn sich ausdrückt; dann sah sie mit noch grösserer Freude, wie sich die Wangen Bertolds mit dem edlen Lichte des starken Blutes füllten, wie er kräftiger atme und seine arme unwillkürlich versuche, wie ein erstarrter Vogel die angefrornen Flügel.
Endlich schlug eine Glocke unter der Pumpe, Faust löste die saugenden Schläuche von den Armen der Kranken, verband die geschlagenen Aderwunden, legte die Kranken bequem auf die wohlgepolsterten Bänke, die um das Zimmer liefen, trocknete sich die Stirn, zog aus seiner tasche eine gläserne Flöte und blies so sanft träumend hinein, dass beide Kranke in einen festen Schlummer fielen, auch Frau Hildegard, Fingerling und Sixt sich nur mit Mühe des süssen Schlafs erwehrten. Aber im Augenblicke drangen zwei Arbeiter mit Feuergeschrei ins Zimmer, der Schornstein strecke eine feurige Zunge gegen Himmel. Faust, Sixt und Fingerling, auch Frau Hildegard liefen mit den Leuten fort, so blieben die beiden Kranken allein mit den seltsamen Maschinen und Gemälden.
Bertold wachte zuerst aus dem Schlafe auf und konnte sich nicht gleich erinnern, was mit ihm vorgegangen; er hatte ein Gefühl so frisch wie damals, als sich ihm der Schatz in der Nacht gezeigt hatte, den er auch jetzt wieder erwartete. Da fand er den Knaben Anton und blickte ihn wie einen Segen des himmels, wie einen Schatz an, er fühlte ein lebendiges Wohlwollen gegen ihn, als gehörte er zu ihm, es ging ihm durchs Herz, er müsse ihn an Kindesstatt annehmen, dem er so viel danke, ja er meinte, einige Ähnlichkeit im Knaben mit seinem Bilde, das daneben stand, wahrzunehmen, obgleich jener viel stärker an Muskeln und Knochen, gewaltsamer im Ausdruck, kraushaarig und dreiahrig aus grossem Überfluss der natur entsprossen zu sein schien. Er weckte ihn mit sanftem Streicheln seiner Wangen, der junge Bullenbeisser wachte brummend auf, sprang heftig empor, sah sich um, rieb sich die Augen und setzte sich heisshungrig zu dem Frühstück, das Faust auf dem mit herrlichem Teppich bedeckten, runden, geschweiften Tische, den Adler trugen, hatte stehen lassen. "Im Himmel ist gut Leben", sagte der Knabe mit tiefer stimme, dass die Balken brummten, "und Ihr seid ein recht braver Herr Gott, wie haben mich die Teufel im Fegfeuer mit Hunger und Durst geplagt." – Ehe der Bürgermeister noch antwortete, weil er in stillem Vergnügen den derben, lebenslustigen Bengel beschaute, traten Faust und die Mutter mit Sixt ein, und riefen: "Das Feuer ist gelöscht." – "Recht so", sagte der Knabe, "nun will ich auch meinen Durst löschen", und leerte die irdene, mit Ritterbildern erhaben und bunt überglaste Ehrenkanne. – Meister Sixt trieb ihn aber unsanft von dem himmlischen Mahle und der Junge sagte: "Wenn Er mit in den Himmel gekommen ist, so wird es schmale Bissen geben und mein ganzer Spass ist zu Ende." – "Hört Meister", sprach Bertold, "über den Knaben will ich Euch einen Vorschlag machen, jetzt muss ich zuerst unserm Retter, Erhalter, dem hochverehrten Faust danken, indem ich ihm die versprochne Kette umhänge." – "Gebt her den Quark", antwortete Faust, "ich will sie als ein Angedenken schätzen, sonst kann ich mir Gold genug machen und feineres, als der Bergmann scheidet, ich werde nur freilich etwas stark, die chemische Arbeit macht mir Mühe. übrigens Herr,