Lärmen mit uns zu beschauen. Ja in der Nacht ging mir das Herz auf gegen dich und es zuckte mir in dem arme, was hilft's verhehlen, Gott weiss es doch und schreibt sich alles auf." – BERtOLD: "Du wolltest der guten Frau um den Hals fallen, die Sünde vergibt der Küster." – MARTIN: "Nein Bertold, ihren Mann wollte ich zum Turm hinunterwerfen, er stand auf der Mauer und blies das neue Jahr an, er wollte sich recht hören lassen, da tratest du zwischen uns und so wurdest du mein guter Engel und bist es immer geblieben und hast bei Hildegard für mich geworben. Das kam alles vom Zinngiessen." – HILDEGARD: "Habe dich damals am Fenster nicht beachtet, aber den Zinnguss habe ich aufgehoben, wie ich alles aufhebe; seht da drei Kirchtürme im Zinn, was deutet mir das?" – MARTIN: "Der eine bedeutet deinen ersten Mann, der zweite deutet auf mich und der dritte, das ist dein dritter Mann Bertold." – HILDEGARD: "Der Tod ist der dritte Mann." – BERtOLD: "Hör Martin, ich mag auf deinen Tod zu meiner Seligkeit nicht warten; dir schadet's noch nicht, wenn du ein paar Stunden mit offner Brust im Schneegestöber auf ein wild lauerst, ich muss mir schon Kopf und Füsse warm halten, am Schreibtische altert ein Mensch früher, als auf dem Rosse." – MARTIN: "Mit dem Reiten und Fechten ist es jetzt aus, bin ärgerlichen Gemüts und das gedeiht nicht im Alter; kann ich die Armbrust nicht mehr spannen und keinen Vogel im Fluge sehen und treffen, dann stösst mir der Gram das Herz ab. Sieh Bertold, so gräm ich mich auch, dass wir von einander ziehen sollen und haben so lange mit einander Haus gehalten, ich sorgte fürs Wildbret und du für die Fische aus dem Ratsweiher. Es liegt wenig daran, ob einer in Seide oder nackt, wie auf dem Schlachtfelde begraben wird, aber dass wir nicht in alten Tagen einsam leben müssen, davor behüte der Himmel jeden. Hör Bertold, wir sind heute bei deinem Wein lustig, sei künftig auch vergnügt bei unserer alltäglichen Hausmannskost, zieh herauf zu uns, Hildegard wird dir mit keiner doppelten Kreide anschreiben." – BERtOLD: "Du kannst meine Gedanken lesen, dachte schon lange daran, ob ich mir nicht dort auf der wüsten Brandstelle ein Haus in eurer Nähe errichten könnte, wo wir zusammen aus einer Kasse lebten und mit einander teilten, was wir verdienen." – MARTIN: "Damit alles gleich wird, teilen wir auch die Frau." – HILDEGARD: "Sonst bin ich mit allem zufrieden, aber das ist gegen die zehn Gebote." – MARTIN: "Und er soll dein Herr sein, hat der Pfarrer gesagt und dabei bleibt's, Bertold schläft hier, du nennst ihn Du wie mich, du sorgst für ihn wie für mich und schlägst ihm nichts ab, er wird nichts Ungebührliches von dir fordern. Und hier ist deine Schlafstelle auf der alten Wurfschleuder, die doch nimmermehr gebraucht wird, hier ziehen wir eine Wand von Latten und du überziehst sie mit Papier, so hast du dein Haus da drin und dein Fenster und deine Schreibereien liegen da ungestört und wenn wir Nachts nicht schlafen können, so können wir wie bisher mit einander reden; du sagst, was du Neues gelesen und ich, was ich in jungen Tagen bei dem Franzosen und Italiener erlebt habe." – BERtOLD: "Du sprichst wie aus himmlischer Eingebung, wie kann ich mich widersetzen. Seht, da kehre ich meine tasche um in den Topf, das ist meine ganze Habe, so tut desgleichen und so lange der Topf nicht leer ist, greife ich dreist in eure Schüsseln." – MARTIN: "Halt Bruder, du hast schon zuviel voraus, gleiche Brüder, gleiche Kappen, fort mit den Batzen, bis ich auch welche verdient habe und gleich einlegen kann." – BERtOLD: "Hör nur, da ruft's vor dem Tore, da kommt ein reiches Trinkgeld, das setzest du gegen meinen Sparpfennig, was der bringt, gehört uns auch zusammen." – MARTIN: "Das wird nicht viel sein, aber du sollst deinen Willen haben; rückt nun den Tisch, hebt den Eimer über, nun lasst die Winde langsam ablaufen: das musst du alles lernen, Bruder Bertold, wenn du mit uns im Adlerneste hausen willst, die Krähen werden dir oft genug den Käse vom Brot stehlen."
Bertold hatte das alles schon gelernt und während Martin die Winde in Ordnung brachte, hatte er schon den wohlbeschlagnen Eimer auf die andere Rolle übergelegt. Frau Hildegard erinnerte Martin, seinen Schafpelz anzuziehen, er aber lachte und sprach: "Hab eher im Schnee geschlafen, als wären's Daunen, als ich noch bei den Kronenwächtern diente, doch halt, davon darf ich nicht schwatzen, ich hab's geschworen." – Der Reiter unter dem Tore fluchte, dass es so lange daure, und Martin wollte ihm eben in alter Kriegsmanier antworten, da bat jener sorglich, er möchte den Eimer nicht anstossen lassen, es sei zerbrechliche Ware darin und Martin verschluckte seine Antwort und sprach: "Zu meiner Hochzeit hättet Ihr wohl das Fluchen vergessen können." – Der Reiter schrie herauf: "Nimm das, was im Eimer