, dass Frau Hildegard, die sonst wohl ihren Platz zu behaupten wusste, verlegen an ihren Armen auf – und niederstrich, als hätte der Beichtvater sie beim Fluchen über ihre Mägde angetroffen. Nun sprach Faust den Kranken lateinisch an, der ihm die Antwort in gleicher Sprache nicht schuldig blieb, und daran hatte Frau Hildegard ihre Freude, sie meinte immer, ihr Sohn wisse alles und noch etwas mehr. Doktor Faust berechnete nach dem Geburtstage die Konstellation an der Maschine und den Pulsschlag nach einem Perpendikel, den er schwingen liess und erklärte dem Bürgermeister, er könne ohne Transfusion des Blutes nicht vierzehn Tage leben. "Aber ich habe schon dreissig Jahre so kränklich fortgelebt, warum sollen diese vierzehn Tage mehr über mich vermögen, als dreissig Jahre?" fragte Bertold. "Die Konstellation ist zu Ende", schrie der Doktor, "es stürzt bald alles zusammen, wie an einem Gewölbe, dem der Schlussstein entnommen wird." Die Mutter erkundigte sich, was es denn eigentlich mit dieser Transfusion auf sich habe, wie sie gekocht und abgedämpft werde. – "Ihr Narrn", sagte Faust, "wisst ihr hier in dem Loche noch nichts von meiner neuen Heilart, mit der ich den König von Portugal und die Königin von Neapel verjüngt habe; durch eine grosse Saugepumpe ziehe ich das alte Blut aus den Adern des Kranken, indem ich junges, überkräftiges Blut gleichzeitig durch ein Druckwerk in dessen Adern ergiesse; das Fass ist oft noch gut, wenn auch das Bier verdorben ist, so ist's auch mit dem Menschen; die Kunst des Arztes besteht darin, im alten Menschen einen neuen zu erbauen." – "Da soll ich also wieder zum kind werden!" rief Bertold. – "Gewissermassen", fuhr Faust fort, "fanget Ihr ein neues Leben an, wie ein Mensch sich neu und frisch fühlt, der von einer Fussreise heimkehrt und weisse Wäsche angelegt hat; dreitausend habe ich erneut und jene Mühle, in der die Alten jung werden, von der das Volk erzählt, die Auferstehung selbst ist nur als Nachbedeutung meiner wunderbaren Kunst zu betrachten." – "Ich habe sie oftmals mit grosser Admiration verifiziert gefunden!" meckerte der Maler. "Mein abgelebtes Blut will ich gern opfern", sprach Bertold, "doch niemals möchte ich einem andern sein gesundes, junges Blut für Geld abkaufen, noch weniger mag ich tierisches Blut in meinen Adern, das wäre Blutschuld, vor der mir graut." – "O ha", entgegnete Faust, "es leiden und sterben eben so viele an zu starkem Blute, als andre an zu schwachem, ich gleiche aus, ich helf mit einem Kunststück beiden und seltsam ist es, wo ich einen Schwachen finde, da treff ich immer einen Überstarken, als ob zwei Leben eigentlich gesellt, zusammen innerlich gehörten. Gleich hier, bei Meister Sixt, liegt krank in wilder Phantasei der starke Knabe Anton, der ist des Todes Eigentum so gut wie Ihr, wenn ihm kein schwächres Blut kann eingetrichtert werden; wenn Ihr für Euch das grosse Werk nicht wollt vollbringen, so tut es aus Erbarmen für den schönen Knaben, dem alle Welt in Freuden aufgeht. Ihr schüttelt mit dem Kopf, Frau Hildegard, verflucht, ich gehe augenblicklich von hier und lass den lieben Sohn krepieren; seht hier mein grosses Zeugenbuch, da leset, wie ich in Spanien, Frankreich und in Rom geehrt, hier sind sie alle abgemalt, wie meine Kranken vor der Kur und nach der Heilung ausgesehn, seht diese Bleichheit, Magerkeit und hier die feisten Wangen, den dicken Wanst voll wohlgefüllter Bratwürste, wie der so ritterlich turniert, der dort vom grossen Stuhl sich nicht erheben konnte." "Hier meine Hand", rief Bertold mutig, "ich wag's, nichts hält mich ab und eine Kette reiche ich Euch zum Lohne, wenn ich ein Ross zum erstenmal besteige, schwerer als irgend ein König sie Euch verehrte." – "Ich nehme den Lohn an", sagte Faust, "aber der Ruhm, das Glück, welches ich verbreite, ist meine Hauptsache, mein deutsches Vaterland strahlt durch mich bis zu den Säulen Herkulis." – Frau Hildegard staunte ihn gläubig an und küsste ihm die reich beringte Hand, für die Wohltat, die er ihrem Sohne erweisen wolle, und Faust hob das Kinn und zog die Falten der Stirn zur kahlen Platte hinauf, als ginge ein neuer Vorhang zur Freude der Menschen auf, dann befahl er Meister Sixt, den kranken Anton herzuführen.
Während Meister Sixt fortwippte, trat ein Diener mit Flaschen und kalten speisen zum Frühstock ein und der alte Fingerling, der bei seiner unermüdlichen Tätigkeit unersättlichen und doch nutzlosen Hunger hatte, zog dem Geruche nach. Der machte Augen über den Wundermann, glaubte ihn schon längst gesehen zu haben und wusste nicht wo, meinte aber, er habe einmal in Bopfingen einen bösen Gesellen hinrichten sehen durch den Strang, der habe ihm auf ein Haar geglichen, der sei wegen eines Bunds mit dem Teufel verrufen gewesen, habe auch den Leuten die Köpfe abgehauen und wieder anheilen können, doch einstmals zweie mit einander verwechselt, woraus grosser Prozess entstanden. Faust schnalzte verächtlich mit der Zunge und sprach: "Das sind Kleinigkeiten, ich habe schon mehr erlebt, ich habe alles versucht und das Hängen war nicht die schlechteste meiner Erfahrungen, es kommt nur darauf an, den Hals zu schützen und dass man zur