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, wir trieben es in kunstreichen Webereien zur grössten Vollendung und erfreuten den Vater mit unsern arbeiten, indem wir ihn durch diese Abbilder künstlich in unsre Nähe zauberten. Ich wurde von einem Sohne entbunden, genas bald wieder und nichts schien unserm Glücke zu fehlen."

Die Fremde hielt inne, drückte ihre Stirn mit der Hand und fuhr fort: "Als wir eines Nachmittags den Huf eines Rosses durch den Wald schallen hörten, da fuhr ich auf, wie aus einem Traume, und der Ritter erschrak bei dieser Seltsamkeit, denn der Wald war so dicht, dass niemand seinen Weg durch denselben nahm, am wenigsten zu Rosse. Er griff nach seiner Armbrust, aber ich hielt ihn, denn im Augenblicke entdeckte ich, es sei ein sehr alter Mann, der sich mit seinem Ross durch die Büsche quälte, und mein unseliges Mitleiden raubte mir alles. Der Ritter unterhielt sich mit dem Alten, er nannte sich Martin." – "Martin?" fragte Bertold halblaut. – "Martin nannte sich der Alte und seinen Herrn nannte er den Ritter von Golm, der unfern mit seinem Pferde harre, sie hätten sich durch Irrlichter anführen lassen, so wären sie schon in der Nacht von der Strasse nach Augsburg abgekommen. Der Ritter entschloss sich, sie auf die rechte Strasse zu begleiten, aber meine Neugierde erwachte, etwas Neues von der Welt zu hören, da mein Vater nicht schreiben mochte und der alte Diener zu einfältig war, etwas Neues zu begreifen. Der Ritter gab meinem unseligen Verlangen nach, zur Strafe dieser Neugier habe ich ihn verloren und dem Tageslichte entsagt, bis ich meinen Sohn wieder finde. – Er brachte den fremden Ritter und seinen Reisigen Martin in unser Haus, ich wandte mich mit allerlei fragen an den Ritter, der alt und grämlich sie nur kurz beantwortete und sich verwunderte, was wir Wald-Bauerleute uns um die hohen Häuser Schwabens kümmerten. Mein Ritter gab vor, wir hätten Sollst beide in einem der Häuser gedient und hätten uns in die Wildnis geflüchtet, weil der Herr unsre Heirat nicht zugeben wollen. Der alte Ritter stellte sich etwas ungläubig und wollte seine Waffen nicht ablegen, auch nichts geniessen, was wir ihm vorsetzten, vielmehr musste sein alter Martin ihm selbst etwas, das er bei sich führte, in der Küche wärmen. Der unbequeme Gast verdarb uns schon alle Laune, oder war's die Ahndung des nahen Unglücks, dass der Ritter und ich mehrmals mit heimlicher Trauer einander die hände drückten. So stumm sassen wir drei bei einander, als ein seltsames Knistern und Sausen über uns meinen Ritter aus dem Traume weckte; er riet nicht lange, was es sein könne, denn Martin stürzte herein und sagte, der Schornstein müsse nicht fest gewesen sein, das Sparrwerk des Daches brenne. Ich eilte halb sinnlos nach der Wiege des Kindes und riss es heraus, der Ritter sprang nach dem verdeckten Behältnisse unter dem Bette, wo die Krone bewahrt wurde, und nahm die Krone offen in seine Hand. Wir eilten mit dem Ritter und Martin ins Freie und bemerkten dort, dass der Brand nur den oberen teil des Daches ergriffen und dass wir noch in Sicherheit so manches unsrer arbeiten und unseres Gerätes erretten könnten. Ich gab mein Kind dem alten Ritter und sprang ins Haus zurück, mein Gemahl folgte dem Beispiele und warf die Krone beiseite, indem er mir folgte. Wir brachten manchen seltnen Schrank und unsre Teppiche hinausgetragen und als wir fertig mit der Rettung unsrer besten Sachen waren, riefen wir nach dem Ritter, weil wir ihn nicht gleich sahen. Da hörten wir in einiger Entfernung sein lachen und seiner Rosse Wiehern, Kind und Krone fehlten, wir fühlten und es erstickte unsre Worte, dass wir schrecklich betrogen waren, dass dieses Feuer nur angelegt worden, um zu entdecken, wo die Krone verborgen sei. Ich blieb sinnlos stehen und lehnte mich an einen Baum, mein Ritter zog sein Schwert und eilte den Räubern wie ein Rasender nach. Ich hörte Waffengeklirr, ich sah Martin, den Reisigen, im Gefecht mit meinem Herrn, da sank ich nieder. Ich meinte meinen Herrn gesehen zu haben, wie er mit blutigem, gespaltenen haupt zu mir trat, vor mir niedersank, mich um ein letztes Andenken bat, und wie ich in Erstarrung den goldnen, schön geschuppten Trauring in die Wunde drückte. Ist's ein Traum gewesen, so war er schrecklich deutlich, aber kein andres Bild aus meinem wahnsinnigen Zustande ist mir so deutlich geblieben. Der alte Diener, der mich fand, konnte von meinem Ritter, von dem kind, von der Krone nichts entdecken, die Gesträuche waren mit Blut bespritzt, mein Herz wusste, es sei das Blut des Geliebten, mein Verstand unterlag, ich fühlte bald nichts von der Welt, deren Ungewissheit mich von ihr losgerissen hatte. Der alte Diener fand mich sinnlos, allmählich besann ich mich, der Tod des Vaters ging gleichgültig meinem Ohr vorüber. Erst im haus dieses edlen Baumeisters lernte ich wieder denken, erkannte meine Schuld, und brachte zur Sühne meiner Neugierde das schmerzliche Gelübde, das Tageslicht zu meiden, bis ich den Sohn oder den Geliebten wieder finde." – "Ihn habe dies Gelübde nicht angeraten", sagte der Baumeister, "wer etwas sucht, muss Tag und Nacht danach sich umsehen." – "Vergebens sind meine Reisen gewesen", fahr die Fremde fort, "doch was ist vergebens? Seht hier auf diesem Teppich,